Gen Z und die Rente: Solidarität statt Rentensenkung
VonMoritz Maier
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Die Gen Z ist pessimistisch, was ihre Rente angeht. Bei der Zukunft der Rente und einem Generationenkonflikt überrascht die Haltung der Gen Z.
Berlin – Junge Erwachsene fürchten Altersarmut. Rund zwei Drittel der Menschen zwischen 17 und 27 Jahren hat Angst vor einer geringen Rente. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung, die im Rahmen der Langzeitstudie MetallRente unter tausenden jungen Menschen durchgeführt wurde. Obwohl die Gen Z pessimistisch ist, was ihre Rentenaussichten angeht, hält sie von Rentenkürzungen wenig, wie die Studie zeigt. Stattdessen ist man solidarisch mit den älteren Babyboomern.
„Kaum Zustimmung“: Renten-Überraschung bei Gen Z – Kritik an Rentenreform für Boomer
Dass junge Menschen um ihre Rente fürchten müssen, ist eine seit Jahren hartnäckig debattierte Prognose, die sich besonders auf die gesetzliche Rente und das Umlagesystem konzentriert. In einer älter werdenden Gesellschaft müssen immer weniger junge Menschen für immer mehr alte aufkommen, so die Logik. Tatsächlich ist aber noch nicht klar, wie die Altersverteilung der Bevölkerung aussieht, wenn die Gen Z in 40 oder 45 Jahren in Rente geht. In Sachen Rente und Vorsorge herrscht in Deutschland zu viel Unwissenheit, warnen Experten. „Der Pessimismus bei der Rente ist übertrieben, ganz klar“, sagte deshalb Studienmitautor Christian Traxler, Professor für Ökonomie an der Hertie School, vor Kurzem bei der Vorstellung der MetallRente.
Das 3-Säulenmodell der Altersvorsorge
Die deutsche Alterssicherung beruht auf drei Säulen. Zentral ist die öffentlich-rechtliche Sicherung, also die gesetzliche Rente beziehungsweise Beamtenpensionen. Die zweite Säule bildet die betriebliche Altersvorsorge. Als dritte und zunehmend wichtiger gewerteten Säule kommt die private Altersvorsorge hinzu – etwa Sparen in Aktien, Fonds, oder „Riestern“.
Dass ein Großteil der Gen Z pessimistisch auf die Zukunft blickt, wundert MetallRente-Geschäftsführerin Kerstin Schminke mit Blick auf mediale und politische Debatten über die Alterssicherung in Deutschland nicht. „Die jahrzehntelangen Diskussionen in der Öffentlichkeit, dass das Umlagesystem in Gefahr ist und es keine sichere Zukunftsplanung zulässt, fördert sehr die Angst und Unsicherheit“, so Schminke. Stattdessen dürfe man nicht alles schlecht reden und müsse Lösungen anbieten.
Gen Z rechnet mit Altersarmut
Trotz oder vielleicht gerade wegen des fehlenden Wissens und der großen Sorge um Altersarmut werden immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene in der Altersvorsorge selbst aktiv und passen ihr Spar- und Vorsorgeverhalten an. Besonders Aktien und Fonds erfreuen sich bei der Gen Z immer größerer Beliebtheit.
Rund 70 Prozent der jungen Erwachsenen stimmen der Aussage zu, dass sich hohe Einkommen auch in hohen Renten widerspiegeln sollten. „Gleichzeitig wird aber auch die Umverteilung durch das Rentensystem unterstützt: 68 Prozent stimmen der Position zu, dass der Staat ‚für eine größere Gleichheit der finanziellen Lebensbedingungen im Alter sorgen‘ solle“, so Traxler in der Studie.
Trotz schlechter Rentenaussichten ist die Gen Z solidarisch mit den Babyboomern
Erstaunlich ist, wie sich die Gen Z trotz ihrer Ängste die Rente der Zukunft vorstellt. Denn obwohl die gesetzliche Rente massiv unter Druck steht und eine Finanzierungslücke bevorstehen könnte, sprechen sich die jungen Erwachsenen klar gegen Maßnahmen aus, die heutige Rentner oder kurz vor der Rente stehende Menschen benachteiligen würde. Selbst, wenn sie die Gen Z deutlich entlasten würden. So sprechen sich bei Reformen der Rente nur 10 Prozent der Befragten dafür aus, das Rentenniveau zu senken. Auch eine Erhöhung des Renteneintrittalters oder höhere Beiträge lehnt die Gen Z größtenteils ab. Stattdessen spricht sie sich für mehr Steuerzuschüsse aus, um die Rente zu stabilisieren.
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Deshalb kann laut Professor Traxler nicht von einem Generationenkonflikt bei der Rente gesprochen werden, wie er in der Studie schildert. „Ganz im Gegenteil: Die beiden ausgabeseitigen Vorschläge – die vor allem aktuelle Rentner beziehungsweise die älteren Generationen treffen würden – finden kaum Zustimmung bei den Befragten“, so Traxler. Stattdessen gibt sich die Gen Z solidarisch mit den älteren Generationen – selbst wenn sie dadurch weniger Gestaltungsspielraum hat, da mehr Steuergelder in die Rente gehen.
Damit reiht sich die Gen Z in vorige Generationen ein, die auch mehrheitlich niedrigere Renten und ein höheres Eintrittsalter ablehnen. Angesichts der weit verbreiteten Meinung unter jungen Menschen, dass sie mit keiner hohen Rente rechnen können, ist die Solidarität mit den Babyboomern aber durchaus erstaunlich. Laut Umfragen ist das Gerechtigkeitsempfinden der jungen Menschen entscheidend für diese Haltung. Gleichzeitig glauben über 80 Prozent der Gen Z, noch weit über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten zu müssen. Trotz pessimistischer Aussichten für sich selbst wollen die jungen Erwachsenen den Älteren in Sachen Rente nichts streitig machen.