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Generation Z spart ganz anders für die Rente – aber hier liegt sie falsch

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Die Gen Z blickt skeptisch auf die Renten-Zukunft. Sie geht das Thema anders an, als andere Generationen. Dabei liegt sie bei einem Punkt daneben.

Berlin – „Die junge Generation kann mit keiner Rente mehr rechnen“ – dieser oder ähnlich klingende Sätze sind immer wieder zu hören, wenn es um die Altersvorsorge der Generation Z geht. Klar ist: besonders die gesetzliche Rente und das Umlagesystem stehen derzeit enorm unter Druck, da mit den Babyboomern nach und nach die größte Einzahler-Generation in Rente geht. Das wirkt sich auch auf junge Erwachsene aus, drei von vier haben Angst vor Altersarmut. Wieso die Sorgen aber übertrieben sind und wie junge Menschen trotz des Pessimismus fürs Alter vorsorgen, zeigen Zahlen und Einschätzungen von Forscherinnen und Forschern einer neuen Studie.

Renten-Angst bei Gen Z: So anders sorgt sie vor– aber hier liegt sie falsch

Das Versorgungswerk MetallRente befragt seit 15 Jahren in regelmäßigen Abständen in Form einer Langzeitstudie Tausende junge Menschen zu Themen rund um die Altersvorsorge. Ein Ergebnis: Die meisten der Gen Z sind sich durchaus der Aufgabe bewusst, sich frühzeitig um ihre Altersvorsorge kümmern zu müssen. Mehr als die Hälfte der Gen Z spart schon jetzt fürs Alter.

Aktien und Fonds werden bei jungen Menschen als Altersvorsorgeoption immer beliebter, wie Ergebnisse der Jugendstudie zeigen.

In der vor Kurzem in Berlin vorgestellten repräsentativen Umfrage zeigt sich, dass bei Menschen zwischen 17 und 27, die selbst für die Altersvorsorge sparen, Aktien und Fonds nun eindeutig der beliebteste Weg sind. Während klassische Formen der privaten Altersvorsorge wie der Bausparvertrag, die Lebensversicherung oder die Riester-Rente im Zeitverlauf an Beliebtheit verlieren, steigt das Interesse an der Börse rasant. Bemerkenswert dabei: Wo 2019 junge Männer im Vergleich zu Frauen noch beinahe doppelt so häufig in Aktien und Fonds investiert haben, holen die jungen Frauen mittlerweile mit großen Schritten auf.

Altersvorsorge mit Aktien und Fonds: Früher eine Männerdomäne – mittlerweile holen die Frauen stark auf.

Deutsche wissen zu wenig über Rente und Altersvorsorge

Die Autorinnen und Autoren der Studie heben das Engagement und Interesse der Gen Z positiv hervor, betonen aber auch, dass nur ein Drittel der Befragten angibt, sich mit Fragen der Alterssicherung auszukennen. Das gilt am meisten für die gesetzliche Rente. „Das Wissen über die gesetzliche Rente ist extrem gering“, sagte Professorin Camela Aprea, Mitautorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik an der Uni Mannheim. Aprea zufolge ist das fehlende Know-how aber kein spezielles Jugendproblem, sondern in der gesamten Gesellschaft verbreitet: „Die Menschen wissen irgendwie, dass die junge Generation die alte finanziert, aber wie der Mechanismus genau funktioniert, das wissen sie nicht.“

Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering

Otto von Bismarck brachte im Juni 1889 nach jahrelanger Debatte das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag.
Der Name Bismarck hallt bis heute nach. Auch weil Otto von Bismarck im Juni 1889 nach jahrelanger Debatte das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag brachte. Die Geburtsstunde der Rente in Deutschland. © Photo 12/www.imago-images.de
Der Holzstich zeigt Dreher, Gießer und Former in einer Porzellanfabrik um 1880.
Altersrente gab es damals aber erst ab dem vollendeten 70. Lebensjahr – die Lebenserwartung betrug damals nicht mal 50 Jahre. Der Holzstich zeigt Dreher, Gießer und Former in einer Porzellanfabrik um 1880. © imago stock&people/Imagebroker
Bismarcks politisches Kalkül war klar: Er wollte die Arbeiter besänftigen.
Bismarcks politisches Kalkül war klar: Er wollte die Arbeiter besänftigen. Rentenversichert waren zunächst Arbeiter und „kleine Angestellte“ mit Einkommen bis 2.000 Mark. Die Beiträge zahlten Arbeitgeber und -nehmer zu gleichen Teilen. © IMAGO/GRANGER Historical Picture Archive
Angestellte waren ab 1913 bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte angesiedelt.
Größere Reformen gab es Anfang des 20. Jahrhunderts. Angestellte waren ab 1913 bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte angesiedelt. Sie konnten schon ab 65 Jahren in Rente gehen – anders als Arbeiter. © imago stock&people/Arkivi
Das Bild zeigt verwundete deutsche Soldaten in Frankreich.
Vor dem Ersten Weltkrieg hatten die deutschen Rentenversicherungsanstalten Überschüsse, die sie etwa in Wohnungsbau steckten. Entlassungswellen und Hinterbliebenenrenten änderten das schnell. Das Bild zeigt verwundete deutsche Soldaten in Frankreich. © imageBROKER/GTW
Frauen im Ghetto Warschau bei erzwungener Näharbeit
Im NS-Regime werden Jüdinnen und Juden und andere verfolgte Gruppen aus der Rentenversicherung ausgeschlossen. Millionen von Zwangsarbeitern - im Foto: Frauen 1941 im Ghetto Dambrowa Gornicza bei erzwungener Näharbeit – bleiben ohne Rentenansprüche. Überschüsse der Kassen flossen in Kriegsanleihen. © Imago/Reinhard Schultz
Bundeskanzler Konrad Adenauer (r) gibt in Bonn seine Stimme für die Bundestagswahl 1957 ab
„Keine Experimente“ lautete Konrad Adenauers Slogan zur Bundestagswahl 1957. Bei der Rente wagte er aber eine Reform. Bis dato waren die Renten enorm gering, 50 DM war der Mindestsatz, der Durchschnitt nur unwesentlich höher. Nun änderte sich die Berechnung, Arbeiterrenten stiegen um etwa 60 Prozent. © DB/picture alliance/dpa
Willy Brandt im Jahr 1972.
Die nächste große Neuerung gab es unter Willy Brandt. Seit (dem Wahljahr) 1972 können auch Nicht-Pflichtversicherte in die Rentenversicherung einzahlen – etwa Selbstständige und Hausfrauen. Letzteres war ein Schritt zur Unabhängigkeit von den Ehemännern. Ab 1977 gab es dann auch einen „Versorgungsausgleich“ bei Scheidung. © Imago/Sven Simon
Norbert Blüm klebt Rentenplakat
„Die Rente ist sicher“: Auch mit diesem Satz blieb der mittlerweile verstorbene Arbeitsminister Norbert Blüm in Erinnerung. Auch Blüm kümmerte sich aber um die Lage der Rentnerinnen – er führte 1986 die „Mütterrente“ ein. Seither zählen Kindererziehungszeiten für die Rentenhöhe. © Peter Popp/picture-alliance/dpa
13 09 1985 Berlin Deutsche Demokratische Republik DDR Alte Frauen unterhalten sich
Die nächste große Herausforderung ist die Eingliederung der Bürger der ehemaligen DDR (hier ein Foto aus Ostberlin 1985) in die bundesdeutsche Rentenkasse. Die Deutsche Rentenversicherung preist rückblickend die Stärke des umlagefinanzierten Systems: „Die Rentenversicherung zahlte von einem Tag auf den anderen fast vier Millionen zusätzlicher Renten. Das wäre in einem kapitalgedeckten Rentensystem nicht vorstellbar gewesen.“ © imago stock&people/Franksorge
Kanzler Helmut Kohl (re.), Blüm und Finanzminister Theo Waigel
Die nächste Reform folgt dennoch – Kanzler Helmut Kohl (re.), Blüm und Finanzminister Theo Waigel (li.) müssen sparen, auch angesichts der alternden Bevölkerung. Ab 1992 steigen Altersgrenzen. Frauen und Arbeitslose (bislang bis 62 Jahren) und langjährige Versicherte (bis 63) müssen nun bis 65 arbeiten. Nur noch ein Jahr Kindererziehungszeit ist anrechenbar. © Michael Jung/dpa/picture-alliance
Koalitionsverhandlungen Riester Schröder
Auch Gerhard Schröders Rot-Grün hat ebenfalls Rentenpläne im Gepäck. Arbeitsminister Walter Riester leiht der „Riester-Rente“ seinen Namen – der Staat fördert auf ihrem Wege private Altersvorsorge. Das Modell gilt mittlerweile aber als Flop. Riester arbeitete später auch für Carsten Maschmeyers Finanzdienstleister AWD, dem die Reform gelegen gekommen sein dürfte. © picture-alliance / dpa | Hermann_J._Knippertz
Franz Münterfering und Angela Merkel 2007 im Bundestag.
Heikle Operation: SPD-Vizekanzler Franz Müntefering brachte 2007 die „Rente mit 67“ auf den Weg. Angela Merkels GroKo plante allerdings lange Übergangsfristen, noch bis 2031 dauert die Anhebung des Eintrittsalters an. Für Menschen, die 45 Jahre einzahlten, gab es eine Sonderregel. © Imago/Metodi Popow
Angela Merkel und Andrea Nahles 2017 bei einer Kabinettssitzung.
Müntefering war nicht mehr dabei als Merkels zweite GroKo 2017 das nächste „Rentenpaket“ schnürte. Arbeitsministerin war nun Andrea Nahles. Diesmal ging es um Erleichterungen. Langjährig Versicherte konnten nun ab 63 in Rente, die Mütterrente wurde ausgeweitet. 2018 kamen im „Rentenpakt“ (ohne drittes e) „Haltelinien“ für Beiträge und Rentenniveau hinzu. © Michael Kappeler/dpa/picture alliance
19 02 2017 Angleichung der Rente Rente Ostrente Westrente Ost West Altersruhegeld Angleichu
Fast 35 Jahre wird es gedauert haben – aber ab 2025 werden für die Rente in Ost- und Westdeutschland die gleichen Berechnungsgrößen gelten. Ein durchaus historischer Schritt. Beschlossen wurde er schon 2017. © imago stock&people/Steinach
Arbeitsminister Hubertus Heil – zuständig auch für die Rente – im Bundestag.
Die Evolution der Rente geht weiter: Seit 2021 gibt es die Grundrente als Zuschlag für Menschen, die unterdurchschnittlich verdient haben. Es wird nicht der Schlusspunkt sein: Angedacht – aber umstritten – ist die Aktienrente. Zugleich altert die deutsche Bevölkerung weiter, das Umlagesystem ist unter Druck. Ist die Rente sicher, auch über die Amtszeit von Hubertus Heil hinaus? Die Zukunft wird es zeigen. © Hannes P. Albert/dpa/picture-alliance

Der Expertin zufolge ist mehr Wissen in Sachen Rente nötig. Auch, um die Angst vor Altersarmut der Gen Z zu nehmen. „Viele junge Menschen überschätzen etwa den Anteil der Altersarmut im Vergleich zum Anteil der jungen Menschen, die arm sind, was der größere Teil ist.“ Gerade bei jungen Menschen gehe in diesen komplexen Fragen „noch zu viel durcheinander“, so Aprea.

Für Rente: Neues Schulfach und unabhängiger Social-Media-Kanal

Denn wie das Umlagesystem der gesetzlichen Rente aussehen wird, wenn die Gen Z in Rente geht, kann jetzt noch nicht seriös beziffert werden. Wer für die dann Rentnerinnen und Rentner der Gen Z in die Rentenkasse einzahlt, ist derzeit in weiten Teilen noch gar nicht geboren. Dass ein Großteil der Gen Z pessimistisch auf die Zukunft blickt, wundert MetallRente-Geschäftsführerin Kerstin Schminke mit Blick auf mediale und politische Debatten über die Alterssicherung in Deutschland nicht. „Die jahrzehntelangen Diskussionen in der Öffentlichkeit, dass das Umlagesystem in Gefahr ist und es keine sichere Zukunftsplanung zulässt, fördert sehr die Angst und Unsicherheit“, so Schminke. Stattdessen dürfe man nicht alles schlecht reden und müsse Lösungen anbieten.

So etwa in Sachen Aufklärung und Wissensvermittlung. 87 Prozent der befragten jungen Erwachsenen wünschen sich in einem extra geschaffenen Schulfach „Wirtschaft und Finanzen“ mehr Informationen zum Thema Altersvorsorge. Dreiviertel der Gen Z spricht sich außerdem dafür aus, dass es einen offiziellen und unabhängigen Social-Media-Kanal geben soll, der umfassend über das Thema Altersvorsorge informiert.

Rubriklistenbild: © IMAGO/ Westend61/ MetallRente Jugendstudie 2025

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