Generation Z spart ganz anders für die Rente – aber hier liegt sie falsch
VonMoritz Maier
schließen
Die Gen Z blickt skeptisch auf die Renten-Zukunft. Sie geht das Thema anders an, als andere Generationen. Dabei liegt sie bei einem Punkt daneben.
Berlin – „Die junge Generation kann mit keiner Rente mehr rechnen“ – dieser oder ähnlich klingende Sätze sind immer wieder zu hören, wenn es um die Altersvorsorge der Generation Z geht. Klar ist: besonders die gesetzliche Rente und das Umlagesystem stehen derzeit enorm unter Druck, da mit den Babyboomern nach und nach die größte Einzahler-Generation in Rente geht. Das wirkt sich auch auf junge Erwachsene aus, drei von vier haben Angst vor Altersarmut. Wieso die Sorgen aber übertrieben sind und wie junge Menschen trotz des Pessimismus fürs Alter vorsorgen, zeigen Zahlen und Einschätzungen von Forscherinnen und Forschern einer neuen Studie.
Renten-Angst bei Gen Z: So anders sorgt sie vor– aber hier liegt sie falsch
Das Versorgungswerk MetallRente befragt seit 15 Jahren in regelmäßigen Abständen in Form einer Langzeitstudie Tausende junge Menschen zu Themen rund um die Altersvorsorge. Ein Ergebnis: Die meisten der Gen Z sind sich durchaus der Aufgabe bewusst, sich frühzeitig um ihre Altersvorsorge kümmern zu müssen. Mehr als die Hälfte der Gen Z spart schon jetzt fürs Alter.
In der vor Kurzem in Berlin vorgestellten repräsentativen Umfrage zeigt sich, dass bei Menschen zwischen 17 und 27, die selbst für die Altersvorsorge sparen, Aktien und Fonds nun eindeutig der beliebteste Weg sind. Während klassische Formen der privaten Altersvorsorge wie der Bausparvertrag, die Lebensversicherung oder die Riester-Rente im Zeitverlauf an Beliebtheit verlieren, steigt das Interesse an der Börse rasant. Bemerkenswert dabei: Wo 2019 junge Männer im Vergleich zu Frauen noch beinahe doppelt so häufig in Aktien und Fonds investiert haben, holen die jungen Frauen mittlerweile mit großen Schritten auf.
Deutsche wissen zu wenig über Rente und Altersvorsorge
Die Autorinnen und Autoren der Studie heben das Engagement und Interesse der Gen Z positiv hervor, betonen aber auch, dass nur ein Drittel der Befragten angibt, sich mit Fragen der Alterssicherung auszukennen. Das gilt am meisten für die gesetzliche Rente. „Das Wissen über die gesetzliche Rente ist extrem gering“, sagte Professorin Camela Aprea, Mitautorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik an der Uni Mannheim. Aprea zufolge ist das fehlende Know-how aber kein spezielles Jugendproblem, sondern in der gesamten Gesellschaft verbreitet: „Die Menschen wissen irgendwie, dass die junge Generation die alte finanziert, aber wie der Mechanismus genau funktioniert, das wissen sie nicht.“
Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering
Der Expertin zufolge ist mehr Wissen in Sachen Rente nötig. Auch, um die Angst vor Altersarmut der Gen Z zu nehmen. „Viele junge Menschen überschätzen etwa den Anteil der Altersarmut im Vergleich zum Anteil der jungen Menschen, die arm sind, was der größere Teil ist.“ Gerade bei jungen Menschen gehe in diesen komplexen Fragen „noch zu viel durcheinander“, so Aprea.
Für Rente: Neues Schulfach und unabhängiger Social-Media-Kanal
Denn wie das Umlagesystem der gesetzlichen Rente aussehen wird, wenn die Gen Z in Rente geht, kann jetzt noch nicht seriös beziffert werden. Wer für die dann Rentnerinnen und Rentner der Gen Z in die Rentenkasse einzahlt, ist derzeit in weiten Teilen noch gar nicht geboren. Dass ein Großteil der Gen Z pessimistisch auf die Zukunft blickt, wundert MetallRente-Geschäftsführerin Kerstin Schminke mit Blick auf mediale und politische Debatten über die Alterssicherung in Deutschland nicht. „Die jahrzehntelangen Diskussionen in der Öffentlichkeit, dass das Umlagesystem in Gefahr ist und es keine sichere Zukunftsplanung zulässt, fördert sehr die Angst und Unsicherheit“, so Schminke. Stattdessen dürfe man nicht alles schlecht reden und müsse Lösungen anbieten.
So etwa in Sachen Aufklärung und Wissensvermittlung. 87 Prozent der befragten jungen Erwachsenen wünschen sich in einem extra geschaffenen Schulfach „Wirtschaft und Finanzen“ mehr Informationen zum Thema Altersvorsorge. Dreiviertel der Gen Z spricht sich außerdem dafür aus, dass es einen offiziellen und unabhängigen Social-Media-Kanal geben soll, der umfassend über das Thema Altersvorsorge informiert.