Monopol aus China

„Was, wenn China Taiwan angreift?“ – Dramatische Folgen nach Aus für europäisches Schmerzmittel-Werk

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Die deutsche Medikamentenproduktion schrumpft. Stattdessen stammen immer mehr Medikamente aus China. Kritiker sprechen eine Warnung aus.

Frankfurt-Höchst – Aus der Arzneimittelbranche kamen innerhalb der letzten Monate wiederholt Warnungen vor der chinesischen Dominanz bei der Produktion. Eine ähnliche Entwicklung ist auch in anderen Branchen zu betrachten, etwa in der Solarindustrie. Das aktuellste Beispiel für die Abwanderung von Arzneimittelherstellern ist der Konzern Euroapi aus Frankreich, der in Deutschland Metamizol herstellt – noch.

Generika-Produktion in Deutschland – letztes europäisches Werk für Metamizol

Metamizol ist eines der am häufigsten verordneten Schmerzmittel Deutschlands. Laut dem Spiegel liegt lediglich Ibuprofen noch ein Stück weiter vorn. Aktuell gibt es nur noch ein europäisches Werk, das Metamizol (auch bekannt als Novalgin) herstellt, die restliche Menge stammt aus China. Das Problem dabei: Dieses letzte Werk, ansässig in Frankfurt-Höchst, will die Metamizol-Produktion zum Ende 2025 einstellen.

Medikamente auf Euro-Scheinen (Symbolfoto). Die deutsche Medikamentenproduktion schrumpft. Stattdessen stammen immer mehr Arzneimittel aus China. Kritiker sprechen eine Warnung aus.

Sobald dieser Schritt durchgeführt ist, sei Deutschland komplett auf China angewiesen. Das Land hat sich ein regelrechtes Monopol aufgebaut, das nach der Schließung vollständig sein wird. „Seit über 20 Jahren verschiebt sich die Herstellung von Wirkstoffen massiv in Richtung Asien. Das Verhältnis hat sich seitdem umgekehrt: Im Jahr 2000 wurden noch zwei Drittel der Wirkstoffe in Europa produziert. Heute stammen zwei Drittel aus Asien“, sagte Bork Bretthauer, Geschäftsführer des Verbands Pro Generika, gegenüber IPPEN.MEDIA.

Wie ist China das gelungen? Bretthauer zufolge hatte das Land schon früh die Relevanz der Wirkstoff-Produktion erkannt und enorme Summen in ihren Ausbau gesteckt. „Durch den größeren Produktionsumfang konnten chinesische Werke ihre Kosten enorm reduzieren“, erklärte Bretthauer. Hier in Deutschland dagegen liege ein größerer Kostendruck auf den Generika, was die Abwanderung beschleunige. „Wer eine Ausschreibung der Krankenkassen gewinnen möchte, muss der günstigste Anbieter sein.“ Das bedeute in den meisten Fällen: Die Wirkstoffe müssen aus China kommen.

So abhängig ist Deutschland von China – „Beinharter Preiswettbewerb“ bei Generika

Warum aber stört sich die Wirtschaft so sehr an der Abhängigkeit von China? Hierzu eignet sich ein Blick auf Russland. Nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin den Ukraine-Krieg begonnen hatte, konnte er die Gaslieferungen nach Deutschland einschränken und so das auslösen, was heute als die Energiekrise bekannt ist.

China ist ein Land, das unsere Werte nicht teilt. Das macht uns verwundbar“, erklärte Bretthauer von Pro Generika dazu. „Was, wenn China Taiwan angreift?“ In einem solchen Falle könnte das asiatische Land ähnlich agieren wie Russland 2022. Bretthauer fordert: „Wir brauchen dringend diversifizierte Lieferketten bei wichtigen Arzneimitteln.“

Wer europäische Zulieferer habe, sei teurer, was im „beinharten Generika-Preis-Wettbewerb“ ein schwerer Nachteil sei. „Diversifizierte Lieferketten und europäische Produktion müssen uns wieder etwas wert sein.“ Als Generika werden Arzneimittel bezeichnet, die einen identischen Wirkstoff haben wie ehemals patentgeschützte Präparate und auch genauso wirken. Sie betreten den Markt, sobald das Originalpatent abgelaufen ist.

Pro Generika stellt dabei drei Forderungen an die Politik:

Anreize für mehr ProduktionUnternehmen sollen für ihre Medikamente auskömmliche Preise erzielen können. Engpass-gefährdete Arzneimittel müssen für ausreichend lange Zeiträume von von Preissenkungsinstrumenten befreit werden.
Diversifizierung von LieferkettenEs sollten verbindliche Vorgaben für die Gestaltung der Lieferketten in allen Rabattverträgen festgelegt werden.
Investitionsförderungen von ProduktionsstättenWill die Politik ausdrücklich mehr Produktion in Europa, brauchen die Unternehmen angesichts des niedrigen Erstattungsniveaus Unterstützung.

Risiken und Nebenwirkungen von Metamizol: Eines der wichtigsten Schmerzmittel

Zugelassen ist Metamizol ausschließlich zur Behandlung von starken Schmerzen – dazu gehören auch akute Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, Schmerzen bei Koliken oder Tumorschmerzen. Auch andere Schmerzen fallen in diesen Rahmen, falls andere Maßnahmen nicht geeignet sind. Das Mittel kann auch bei hohem Fieber zum Einsatz kommen, sofern andere Maßnahmen vorher nicht geholfen haben.

Metamizol kann mitunter heftige Nebenwirkungen mit sich bringen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte mit der zunehmenden Zahl der Verschreibungen dieses Mittels innerhalb der letzten Jahre vermehrt Meldungen über „zum Teil schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen“ registriert.

Abhängigkeit von China betrifft viele Medikamente – auch Antibiotika

Die Problematik um die Medikamente betrifft außerdem nicht nur Metamizol, sondern eine ganze Bandbreite von verschiedenen Medikamenten. Bei den Antibiotika beispielsweise kommen bereits 90 Prozent inzwischen aus China. Das hatte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) berichtet. Dass ein Handlungsbedarf besteht, ist der Politik zwar klar, aber noch gab es keine entscheidenden Maßnahmen. Das zeigte ein Besuch von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im Sandoz-Generika-Werk in Barleben. Dort hatte er angekündigt, sich für den Erhalt der Generika-Produktion in Deutschland einzusetzen und die Abwanderung aufzuhalten. „Schöne Worte – doch dem müssen jetzt Taten folgen“, sagte Bork Bretthauer.

Rubriklistenbild: © IMAGO / McPHOTO

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