Gründung 1902

Über 120 Jahre altes Traditionsunternehmen in Deutschland aus Insolvenz gerettet – Mitarbeiter-Zukunft klar

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Aufatmen bei einem 1902 gegründeten Traditionsunternehmen in Deutschland: Die Rettung aus der Insolvenz ist vollzogen, für die Mitarbeiter gibt es gute Neuigkeiten.

Kirchheim am Neckar – Gute Nachrichten für die Camping-Branche: Der traditionsreiche Vorzelt-Spezialist Herzog aus Kirchheim am Neckar (zwischen Heilbronn und Ludwigsburg, Baden-Württemberg) konnte erfolgreich aus der Insolvenz gerettet werden. Wie Insolvenzverwalter Holger Blümle von Schultze & Braun mitteilte, haben die Familie Herzog und ein Investor gemeinsam zum 1. Juli 2025 den Geschäftsbetrieb übernommen. Alle rund 60 Arbeitsplätze bleiben dabei erhalten.

Das 1902 von Friedrich Herzog gegründete Unternehmen, das heute zu den europäischen Marktführern für Caravan- und Wohnmobilvorzelten zählt, kann damit seine über 120-jährige Tradition fortsetzen. Neben der Produktion von Vorzelten wird auch der Handel mit Camping-, Trekking-, Freizeit- und Outdoor-Ausrüstung sowie Reisemobilen und Wohnwagen weitergeführt. Gleiches gilt für die angeschlossene Werkstatt, die sämtliche Service- und Reparaturleistungen rund um Caravaning und mobile Freizeit abdeckt.

Der Spezialist für Vorzelte und Outdoor-Ausrüstung Herzog mit Sitz in Kirchheim unter Teck konnte aus der Insolvenz gerettet werden.

Kunden haben von der Insolvenz von Herzog nur wenig mitbekommen

„Es freut mich sehr, dass wir mit dieser Lösung schnell Klarheit schaffen konnten und es nun für das Unternehmen und die Familie sowie die Mitarbeitenden und Kunden eine Zukunftsperspektive gibt“, erklärt Insolvenzverwalter Holger Blümle. „Ohne den großen Einsatz der Familie Herzog und der Berater von Das Werk Consulting wäre diese Lösung allerdings nicht möglich gewesen.“

Besonders bemerkenswert ist, dass die Kunden von der Insolvenz nur sehr wenig mitbekommen haben. Das operative Geschäft und die Produktion am Unternehmenssitz liefen in vollem Umfang weiter, auch Bestellungen über den unternehmenseigenen Online-Shop blieben möglich. „Das ist keine Selbstverständlichkeit, und dafür möchte ich mich bei den Mitarbeitenden herzlich bedanken“, so Blümle.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Herzog produziert und verkauft am Unternehmenssitz in Kirchheim auf über 16.000 Quadratmetern

Die Gründe für die notwendige Neuaufstellung von Herzog, über die unsere Redaktion Mitte Juni berichtete, sind eine Kombination aus den wirtschaftlichen Folgewirkungen der Corona-Pandemie sowie den Preissteigerungen und Umsatzrückgängen infolge der geopolitischen Verwerfungen. Während der Pandemie konnten Menschen nicht verreisen und wollten dies anschließend nachholen – idealerweise in den eigenen mobilen vier Wänden. Die anhaltenden Preissteigerungen sorgten jedoch für eine doppelte Herausforderung: Zum einen durch höhere Materialkosten bei der Produktion, zum anderen durch die Zurückhaltung der Kunden bei Neuinvestitionen.

Das Traditionsunternehmen Herzog besteht seit 1902 und soll jetzt saniert und neu aufgestellt werden. (Archivbild)

Herzog produziert und verkauft am Unternehmenssitz auf über 16.000 Quadratmetern und beschäftigt rund 60 hochqualifizierte und spezialisierte Mitarbeitende. Mit der erfolgreichen Rettung aus der Insolvenz kann das Unternehmen nun wieder mit Zuversicht in die Zukunft blicken – passend zum Beginn der Urlaubssaison.

Rubriklistenbild: © Herzog

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