Traditionsunternehmen leitet Neupositionierung ein – Betrieb und Arbeitsplätze sollen bestehen bleiben
VonJulian Baumann
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Die Neuaufstellung eines 1902 gegründeten deutschen Traditionsunternehmens ist beschlossen. Dabei setzen die Insolvenzverwalter auf den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen.
Kirchheim am Neckar – Die Wohnmobil-Branche steckt bereits seit dem vergangenen Jahr in der Krise und erst im März musste ein Anbieter aus Bayern Insolvenz anmelden. Nun soll ein Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg saniert und neu aufgestellt werden, das auf Caravan- und Wohnmobilvorzelte spezialisiert ist, aber auch viele weitere Produkte aus dem Camping-, Trekking-, Freizeit- und Outdoor-Sortiment anbietet. Das 1902 gegründete Unternehmen Herzog aus Kirchheim am Neckar in der Region Stuttgart nutzt für die Sanierung die Instrumente des Insolvenz- und Sanierungsrechts.
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Das geht aus einer Mitteilung der bundesweit tätigen Anwaltskanzlei Schultze & Braun hervor, die in Person von Rechtsanwalt Holger Blümle die Neuaufstellung des schwäbischen Traditionsbetriebs begleiten wird. Als erklärtes Ziel der Sanierung wird in der Mitteilung der „Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze“ angegeben. Die Belegschaft in Kirchheim am Neckar wurde bereits informiert, doch wie genau geht es jetzt weiter?
Wie der Unternehmensseite zu entnehmen ist, wurde das Unternehmen Herzog im Jahr 1902 von Friedrich Herzog als Hersteller von Pferdedecken und Rucksäcken gegründet. Bis heute, mehr als 120 Jahre später, befindet sich das Unternehmen in Familienbesitz und setzt auf eine Produktion „made in Germany“. Die Gründe, warum sich das Unternehmen neu aufstellen muss, sind laut der Mitteilung eine Kombination aus den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sowie den bekannten Preisanstiegen bei gleichzeitigen Umsatzrückgängen und der spürbaren Zurückhaltung der Kunden bei Neuinvestitionen.
Name
Herzog GmbH & Co KG
Gründung
1902
Sitz
Kirchheim am Neckar, Baden-Württemberg
Branche
Camping-, Reise-, Freizeitindustrie
Mitarbeiter
rund 60 (2025)
Die Löhne und Gehälter der 60 Mitarbeiter, die am Standort Kirchheim am Neckar auf einer Fläche von 16.000 Quadratmetern produzieren, sind für drei Monate über das Insolvenzgeld abgedeckt, der Geschäftsbetrieb läuft derweil ohne Einschränkungen weiter. Im nächsten Schritt will der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Blümle gemeinsam mit dem Geschäftsführer Erich Eugen Herzog und den Beratern Norbert Ruthemeyer und Andreas Brecker von der Düsseldorfer Unternehmensberatung „Das Werk“ die wirtschaftliche Situation des Unternehmens analysieren und mögliche Sanierungsoptionen prüfen.
Investorenprozess für Familienunternehmen Herzog ist angelaufen
Die Sanierungsmöglichkeiten für das familiengeführte Traditionsunternehmen sollen möglichst bald geklärt werden. „Ziel ist es, das Unternehmen – auch unter Mitwirkung und Einbindung der Familie Herzog – zukunftsfähig aufzustellen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, heißt es in der Mitteilung von Schultze & Braun. „Dies kann sowohl im Rahmen einer Beteiligung an der bestehenden Gesellschaft als auch im Zuge der Integration in eine Unternehmensgruppe erfolgen.“ Zuletzt wurde auch bekannt, dass ein anderes Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg von einem chinesischen Konkurrenten übernommen wird.
Die Gespräche mit potenziellen Investoren für Herzog sind demnach bereits angelaufen. „Wir werden aber auch noch weitere potenzielle Kandidaten ansprechen. Interessenten für einen Einstieg können sich gerne bei mir melden“, erklärt Blümle. „Der Prozess ist offen für alle ernsthaften Investoren.“ Die Beteiligten sind zuversichtlich, dass das Traditionsunternehmen erfolgreich saniert und für die Zukunft aufgestellt werden kann.