1902 gegründet

Traditionsunternehmen leitet Neupositionierung ein – Betrieb und Arbeitsplätze sollen bestehen bleiben

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Die Neuaufstellung eines 1902 gegründeten deutschen Traditionsunternehmens ist beschlossen. Dabei setzen die Insolvenzverwalter auf den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen.

Kirchheim am Neckar – Die Wohnmobil-Branche steckt bereits seit dem vergangenen Jahr in der Krise und erst im März musste ein Anbieter aus Bayern Insolvenz anmelden. Nun soll ein Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg saniert und neu aufgestellt werden, das auf Caravan- und Wohnmobilvorzelte spezialisiert ist, aber auch viele weitere Produkte aus dem Camping-, Trekking-, Freizeit- und Outdoor-Sortiment anbietet. Das 1902 gegründete Unternehmen Herzog aus Kirchheim am Neckar in der Region Stuttgart nutzt für die Sanierung die Instrumente des Insolvenz- und Sanierungsrechts.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Das geht aus einer Mitteilung der bundesweit tätigen Anwaltskanzlei Schultze & Braun hervor, die in Person von Rechtsanwalt Holger Blümle die Neuaufstellung des schwäbischen Traditionsbetriebs begleiten wird. Als erklärtes Ziel der Sanierung wird in der Mitteilung der „Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze“ angegeben. Die Belegschaft in Kirchheim am Neckar wurde bereits informiert, doch wie genau geht es jetzt weiter?

Traditionsunternehmen Herzog: Kombination mehrerer Faktoren macht Neuaufstellung notwendig

Wie der Unternehmensseite zu entnehmen ist, wurde das Unternehmen Herzog im Jahr 1902 von Friedrich Herzog als Hersteller von Pferdedecken und Rucksäcken gegründet. Bis heute, mehr als 120 Jahre später, befindet sich das Unternehmen in Familienbesitz und setzt auf eine Produktion „made in Germany“. Die Gründe, warum sich das Unternehmen neu aufstellen muss, sind laut der Mitteilung eine Kombination aus den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sowie den bekannten Preisanstiegen bei gleichzeitigen Umsatzrückgängen und der spürbaren Zurückhaltung der Kunden bei Neuinvestitionen.

Name Herzog GmbH & Co KG
Gründung 1902
Sitz Kirchheim am Neckar, Baden-Württemberg
Branche Camping-, Reise-, Freizeitindustrie
Mitarbeiter rund 60 (2025)

Die Löhne und Gehälter der 60 Mitarbeiter, die am Standort Kirchheim am Neckar auf einer Fläche von 16.000 Quadratmetern produzieren, sind für drei Monate über das Insolvenzgeld abgedeckt, der Geschäftsbetrieb läuft derweil ohne Einschränkungen weiter. Im nächsten Schritt will der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Blümle gemeinsam mit dem Geschäftsführer Erich Eugen Herzog und den Beratern Norbert Ruthemeyer und Andreas Brecker von der Düsseldorfer Unternehmensberatung „Das Werk“ die wirtschaftliche Situation des Unternehmens analysieren und mögliche Sanierungsoptionen prüfen.

Investorenprozess für Familienunternehmen Herzog ist angelaufen

Die Sanierungsmöglichkeiten für das familiengeführte Traditionsunternehmen sollen möglichst bald geklärt werden. „Ziel ist es, das Unternehmen – auch unter Mitwirkung und Einbindung der Familie Herzog – zukunftsfähig aufzustellen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, heißt es in der Mitteilung von Schultze & Braun. „Dies kann sowohl im Rahmen einer Beteiligung an der bestehenden Gesellschaft als auch im Zuge der Integration in eine Unternehmensgruppe erfolgen.“ Zuletzt wurde auch bekannt, dass ein anderes Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg von einem chinesischen Konkurrenten übernommen wird.

Das Traditionsunternehmen Herzog besteht seit 1902 und soll jetzt saniert und neu aufgestellt werden. (Archivfoto)

Die Gespräche mit potenziellen Investoren für Herzog sind demnach bereits angelaufen. „Wir werden aber auch noch weitere potenzielle Kandidaten ansprechen. Interessenten für einen Einstieg können sich gerne bei mir melden“, erklärt Blümle. „Der Prozess ist offen für alle ernsthaften Investoren.“ Die Beteiligten sind zuversichtlich, dass das Traditionsunternehmen erfolgreich saniert und für die Zukunft aufgestellt werden kann.

Rubriklistenbild: © Norbert Försterling/dpa

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