Umfrage von Verivox

Hälfte der Girokonten wurde in den letzten zwei Jahren teurer - ein Institut sticht besonders hervor

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Viele Banken erhöhen die Gebühren für Girokonten. Besonders betroffen sind die Kunden eines Instituts. Dennoch ist die Wechselbereitschaft gering.

Heidelberg - Vor rund drei Jahren hat der Bundesgerichtshof (BGH) der Erhöhung von Bankgebühren durch die Hintertür einen Riegel vorgeschoben. In seinem Urteil vom 27. April 2021 sah es das Gericht als rechtswidrig an, dass die Postbank bei Preiserhöhungen von einer stillschweigenden Zustimmung der Kunden ausging, wenn diese nicht innerhalb von zwei Monaten widersprachen. Da dies branchenüblich war, waren auch die anderen Banken und Sparkassen von dem Urteil betroffen.

Doch das Urteil schützt Bankkundinnen und -kunden offenbar nicht vor höheren Kontogebühren. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Vergleichsportals Verivox hervor. Danach müssen 82 Prozent der Befragten für ihr Girokonto Gebühren zahlen.

Viele Banken erhöhen Kontogebühren: Nur knapp die Hälfte hat ein kostenloses oder günstiges Konto

Bei 49 Prozent hat die Bank oder Sparkasse in den letzten zwei Jahren die Gebühren erhöht. Bei 23 Prozent fand die letzte Preiserhöhung innerhalb der letzten zwölf Monate statt, bei 26 Prozent vor ein bis zwei Jahren.

Es kann sich lohnen, die Kontogebühren im Auge haben und, im Falle des Falles, zu wechseln.

„Infolge der Zinswende ist das Girokonto für viele Banken und Sparkassen zum doppelten Umsatzbringer geworden“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Zum einen bescheren die Kontoguthaben den Geldhäusern inzwischen wieder attraktive Zinsüberschüsse und Überziehungen werden mit höheren Dispozinsen bepreist. Zum anderen drehen viele Kreditinstitute weiter an der Gebührenschraube und generieren dadurch zusätzliche Einnahmen.“

18 Prozent haben ein kostenloses Konto, 29 Prozent zahlen weniger als 50 Euro im Jahr. Bei rund 27 Prozent liegen die Kontogebühren zwischen 50 und 99 Euro, bei 14 Prozent zwischen 100 und 200 Euro. Vier Prozent zahlen sogar mehr als 200 Euro im Jahr.

Viele Banken erhöhen Kontogebühren: Sparkassen-Kunden kommen an schlechtesten weg

Wie viel Verbraucher für ihr Konto ausgeben müssen, ist von Bank zu Bank sehr unterschiedlich. Verivox unterscheidet hier vier Typen:

  • Sparkasse
  • Volks- und Raiffeisenbank, PSD Bank oder Sparda-Bank
  • Direktbank sowie
  • Privatbank mit Filialgeschäft.

Am schlechtesten schneiden die Kunden der Sparkassen ab. Nicht einmal jeder Dritte (23 Prozent) hat ein günstiges Hauptkonto, das weniger als 50 Euro kostet. Lediglich sieben Prozent zahlen dafür gar nichts.

Etwas weiter verbreitet sind günstige Konten im genossenschaftlichen Sektor, also bei Volks- und Raiffeisenbanken, PSD Banken und Sparda-Banken. Hier zahlt ein Drittel der Befragten (33 Prozent) weniger als 50 Euro im Jahr, weitere neun Prozent haben ein kostenloses Konto.

Der Umfrage zufolge haben die Kunden von Direktbanken am häufigsten ein kostenloses oder günstiges Girokonto (jeweils 41 Prozent). Aber auch bei knapp sechs von zehn Kundinnen und Kunden einer Filialbank kostet das Konto entweder gar nichts (29 Prozent) oder die jährlichen Gebühren liegen unter 50 Euro (28 Prozent).

Viele Banken erhöhen Kontogebühren: Keine große Bereitschaft zum Wechseln

„Insbesondere in dünn besiedelten Gebieten verursacht ein flächendeckendes Filialnetz hohe Kosten, die Sparkassen und Volksbanken über höhere Kontogebühren an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben“, so Maier. Wer im ländlichen Raum lebe und auf die Bankberatung in einer Filiale Wert lege, habe zu den regionalen Kreditinstituten aber oft keine Alternative und toleriere deshalb auch höhere Kontokosten.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass 18 Prozent der Kunden von Genossenschaftsbanken und 16 Prozent der Kunden von Sparkassen ihre Bank nicht wechseln würden, egal wie stark diese ihre Kontogebühren erhöht.

Viele Banken erhöhen Kontogebühren: Nicht nur auf niedrige Kontoführungsgebühren achten

Preisbewusste Kundinnen und Kunden sollten nicht nur auf niedrige Kontoführungsgebühren achten. Weitere Kriterien wie Kosten für EC-/Debit-/Kreditkarte, Bargeldabhebungen am Automaten spielen eine Rolle. Wer allerdings mehr als 50 Euro im Jahr für sein Konto ausgibt, sollte prüfen, ob es Alternativen mit vergleichbarem Leistungsumfang woanders günstiger gibt und gegebenenfalls die Bank wechseln.

Ein Kontowechsel ist mit wenig Aufwand verbunden. Laut Bundesverband deutscher Banken sind Geldinstitute seit September 2016 gesetzlich verpflichtet, einen Verbraucher beim Kontowechsel zu unterstützen. Dazu muss der Kunde oder die Kundin beim neuen Institut einen Antrag stellen. So können beispielsweise Daueraufträge und Lastschriftmandate übertragen werden. Voraussetzung für die Wechselhilfe ist, dass beide Banken ihren Sitz in Deutschland haben.

Methodik

Im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsinstitut Innofact im März 2024 insgesamt 1025 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Die Befragten stammen aus einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmern. Die Befragung ist bevölkerungsrepräsentativ hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bundesland.

Rubriklistenbild: © Nicole Lienemann/imago

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