Großer Autobauer setzt auf Deutschland – und plant umfangreiche Investitionen
VonPatrick Freiwah
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Während heimische Autohersteller oft mit dem Standort Deutschland hadern, plant der Wettbewerber Hyundai hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung.
So hat Europas größter Autobauer Volkswagen weltweit ganze 49 Fertigungsstätten für Fahrzeuge und Komponenten, selbst der traditionsreiche Bestseller VW Golf wird 2027 ins mexikanische Puebla ausgelagert. Während hierzulande viele Unternehmen mit dem Standort Deutschland hadern, bekennt sich die Importmarke Hyundai zu Deutschland.
Hyundai investiert in Standort Deutschland – Investitionen von rund 150 Mio. Euro
Entgegen dem allgemeinen Trend zur Abwanderung investiert der koreanische Autobauer kräftig in die in Hessen ansässigen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Ein Sprecher des Herstellers erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA, die Investitionen in der Bundesrepublik belaufen sich auf rund 150 Millionen Euro.
Im Europe Technical Center in Rüsselsheim plant Hyundai die Eröffnung eines neuen „Square Campus“: Die moderne Entwicklungsanlage erstreckt sich über 25.000 Quadratmeter und wird nach eigenen Angaben den größten Prüfstand des Konzerns sowie innovative Teststände für Fahrwerke und Antriebsstränge umfassen. Der Fokus liegt auf der Optimierung von Elektroautos, der Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) und Elektrifizierungstechnologien.
In einer Mitteilung hebt Hyundai die Bedeutung von Nachhaltigkeit hervor: Umweltfreundliche Baumaterialien, Photovoltaikanlagen und Wärmepumpensysteme gehören zur Grundausstattung des „Square Campus“.
Für Hyundai ist Deutschland „das schlagende Herz der europäischen Autoindustrie“
Zusätzlich sollen Dachgärten und hybride Arbeitsplätze für die Beschäftigten ein inspirierendes Arbeitsumfeld schaffen. Diesbezüglich liegt die Zahl von Hyundai Motor Deutschland übrigens derzeit bei 640, geht es nach der Website Wer-zu-wem.de.
„Deutschland ist nach wie vor das schlagende Herz der europäischen Automobilindustrie. Unsere Investition in dieses leistungsstarke Ökosystem zeigt unser Vertrauen in die technische Kompetenz und Innovationskraft der Rhein-Main-Region“, erklärt der Tyrone Johnson, Manager des europäischen Testcenters von Hyundai.
Auch das Testzentrum am Nürburgring in Rheinland-Pfalz wird etwas erweitert: Die Anlage wächst um 834 Quadratmeter, was laut Hersteller die Innovationskraft von Hyundai im Bereich Hochleistungs- und Elektromobilität stärkt. Die traditionsreiche Rennstrecke in der Eifel ist seit langem ein integraler Bestandteil der Hyundai-Entwicklungsarbeit und spielt bei der Entwicklung von Performance-Fahrzeugen eine zentrale Rolle.
Hyundai plant weitere Jobs in mehreren Technologiefeldern
Hyundai verfolgt nach wie vor das Ziel, ab 2035 ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge in Europa anzubieten. Die Investitionen in Deutschland sollen zudem neue Karrierechancen für Ingenieure in Bereichen wie elektrischen Antriebssträngen, ADAS und Fahrzeugdynamik schaffen.
Zeitenjagd auf Nordschleife: Diese 10 Elektroautos waren am schnellsten
Die Erweiterung des Entwicklungszentrums am Nürburgring unterstreiche das „anhaltende Engagement, mit den Marken Hyundai, Kia und Genesis Innovationen im Automobilbereich voranzutreiben“, erläutert der Autobauer aus Südkorea – der nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitsamt der Tochtermarken gemessen am Absatz der drittgrößte Autobauer der Welt ist.
Johnson spricht bei den Maßnahmen für die hiesigen Standorte von einem „wichtigen Schritt zur Infrastruktur“, außerdem zeige die Hyundai Motor Deutschland (HMD) „unser Vertrauen in das Wachstum der Elektromobilität“.
Weniger Wachstum für Hyundai – Europa nicht der wichtigste Markt
Dabei kann sich auch Hyundai der Wirtschaftsflaute in großen Märkten nicht verschließen: Der Anbieter rechnet nach einem Gewinnrückgang im vierten Quartal für dieses Jahr mit einer Halbierung seines Umsatzwachstums. Der Umsatz werde 2025 um drei bis vier Prozent zulegen nach 7,7 Prozent im Vorjahr, teilte der Konzern nach Angaben der dpa mit. Die operative Marge werde zwischen sieben und acht Prozent liegen – nach 8,1 Prozent.
Die Unsicherheiten hätten zugenommen, erklärte Hyundai und verwies neben der wirtschaftlichen Entwicklung auf die schleppende Nachfrage nach Elektroautos. Nordamerika und Südkorea sind die wichtigsten Absatzmärkte für Hyundai und Kia. (PF)