VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Strenge Zollbarrieren haben den globalen Handel beeinträchtigt. Nun sind die USA und China im Gespräch. Trump bezeichnet es als einen „Neustart“.
Genf – In der Schweiz finden derzeit Handelsgespräche zwischen den USA und China statt. US-Präsident Donald Trump zeigte sich in der Nacht zum Sonntag (11. Mai) optimistisch. Auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social sprach er von „sehr guten Gesprächen“ und einem „vollständigen Neustart“ der Handelsbeziehungen zwischen beiden Nationen. Aus der Wirtschaft kamen jedoch eher skeptische Stimmen.
„Neustart“ zwischen USA und China – Verhandlungen nach Zoll-Chaos laufen
Trump bezeichnete die Gespräche in Genf als „vollständigen Neustart“ der Handelsbeziehungen. Sie liefen „sehr gut“ und würden „in einer freundlichen, aber konstruktiven Art und Weise“ ausgehandelt. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Aussagen des US-Präsidenten. Trump betonte: „Wir wollen zum Wohle Chinas und der USA eine Öffnung Chinas für amerikanische Unternehmen erreichen. Großer Fortschritt erzielt!“
Am Samstag begannen die USA und China in der Schweiz mit Verhandlungen über ihren Handelskonflikt. Auf amerikanischer Seite sind Finanzminister Scott Bessent und Handelsbeauftragter Jamieson Greer beteiligt, während China durch den für Handel zuständigen Vize-Regierungschef He Lifeng vertreten wird. Diese Gespräche sind die ersten auf dieser Ebene seit der Einführung der von Trump verhängten hohen Zölle.
Trump hatte die meisten chinesischen Importe mit einem Zollsatz von 145 Prozent belegt, worauf China mit 125 Prozent Zöllen auf viele US-Produkte reagierte. Zwischenzeitlich hatte das Weiße Haus sogar von 245 Prozent Zöllen gesprochen, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Im Gegenteil: Einige Zölle hatte Trump schnell zurückgefahren.
65 Prozent weniger Zölle möglich – „gute Nachricht für die Wirtschaft“
Vor den Gesprächen in Genf zeigte sich Trump kompromissbereit und bezeichnete einen 80-prozentigen Zollsatz für China als angemessen. Seine Sprecherin Karoline Leavitt betonte jedoch, dass auch Peking Zugeständnisse machen müsse, da Washington nicht einseitig Zölle senken werde. Peking hatte wiederholt gefordert, dass die USA ihre Zölle zuerst aufheben sollten.
Der Ökonom Nathan Sheets erklärte, dass der aktuelle Zustand der Handelsbeziehungen „mit diesen extrem hohen Zöllen letztlich weder im Interesse der Vereinigten Staaten noch Chinas liegt“. Beide Seiten könnten durch die Zölle nur verlieren, so der Chefvolkswirt der Citigroup gegenüber der AFP.
Gary Hufbauer, Experte am Peterson Institute for International Economics (PIIE), sieht die Tatsache, dass die Gespräche überhaupt stattfinden, als „eine gute Nachricht für die Wirtschaft und die Finanzmärkte“. Dennoch sei er „sehr skeptisch, dass es eine Rückkehr zu so etwas wie normalen Handelsbeziehungen zwischen den USA und China geben wird“. Selbst ein Zollsatz von 70 bis 80 Prozent könnte seiner Meinung nach den bilateralen Handel halbieren.
China trickst USA aus – wegen Zoll-Chaos leitet das Land den Handel um
Einige gemäßigte US-Regierungsvertreter wie Bessent und Handelsminister Howard Lutnick hätten „erkannt, dass China besser gerüstet ist, um mit diesem Handelskrieg umzugehen als die USA“, sagte Hufbauer mit Blick auf die jüngste chinesische Wirtschaftsbilanz.
Chinas Vize-Regierungschef He Lifeng konnte sich bei den Gesprächen auf starke Exportzahlen stützen. Trotz des Handelskriegs mit den USA konnte China seine Exporte weltweit überraschend stark steigern. Im April legten sie im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent zu, wie die chinesischen Zollbehörden am Freitag mitteilten. Experten zufolge zeigt das Plus, dass China viele Exporte nach Südostasien umgeleitet hat, um die hohen US-Zölle zu umgehen.
Am Donnerstag hatte die US-Regierung eine erste Handelsvereinbarung mit Großbritannien verkündet. Eine schnelle Einigung in Genf gilt jedoch als unwahrscheinlich. „Es ist schön, dass sie miteinander reden“, sagte Sheets von der Citigroup. „Aber meine Erwartungen an die tatsächlichen Ergebnisse dieser ersten Gesprächsrunde sind ziemlich begrenzt.“
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