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Die Inflation ist zum Ende vergangenen Jahres gesunken - ob das in diesem Jahr so bleibt, bezweifeln Ökonomen. Denn die Preise werden in einigen Bereichen des Lebens steigen.
Frankfurt - Die Inflationsrate in Deutschland ist zuletzt gesunken. Doch wie lange die Inflation niedrig bleibt, ist ungewiss, denn: Ökonomen sehen die Preise in bestimmten Bereichen 2024 stark ansteigen.
„Insgesamt werden Verbraucher im Jahr 2024 stärker belastet“, sagt Tobias Hentze, Ökonom am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), zum Nachrichtenportal t-online. Es komme dabei einiges zusammen: „Die Anhebung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie und für Gas, ein höherer CO2-Preis, steigende Sozialversicherungsbeiträge sowie höhere Kosten für Kranken- und Pflegeversicherung.“
Das IW hat in einer Studie ausgerechnet: Ein Single mit einem Jahresbruttoeinkommen von 50.000 Euro wird dieses Jahr 40 Euro mehr an Steuern und Abgaben zahlen. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Bruttojahreseinkommen von insgesamt 130.000 Euro dagegen habe am Ende des Jahres 262 Euro mehr. Eine Familie mit 42.000 Euro Jahreseinkommen 33 Euro weniger. „Wir gehen davon aus, dass die höheren Steuern an die Verbraucher durchgereicht werden, vor allem in der Gastronomie und an der Tankstelle dürfte das spürbar werden“, sagt Ökonom Hentze t-online.
Deshalb könnte Heizen und Tanken 2024 teurer werden
Beim Heizen und Tanken könnten Verbraucher den erhöhten CO2-Preis spüren: Für den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid wird 2024 statt wie bisher 30 Euro, 45 Euro pro Tonne CO2 berechnet. Dieser Beschluss wurde von der Bundesregierung getroffen, um die Milliardenlücke im Haushalt zu schließen. Ursprünglich war geplant, die Abgabe auf 40 Euro zu erhöhen.
Das Vergleichsportal Check24 hat für die dadurch steigenden Gaspreise ermittelt, dass Verbraucher dieses Jahr rund 17 Prozent mehr bezahlen, als 2023. Auch der Chef des Energiekonzerns E-On erwartet eine Preissteigerung. Leonhard Birnbaum rechnet damit, dass 2024 höhere Entgelte für Energie auch als höhere Preise an die Kunden weitergegeben werden. „Das sind politisch bedingte Aufschläge, diese werden alle Versorger an die Gas- und Stromkunden weitergeben müssen. Vielleicht nicht sofort, aber wohl in den kommenden Monaten“, sagte Birnbaum der Rheinischen Post mit Blick auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer beim Gas und den Wegfall der reduzierten Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber beim Strom.
Die Preise an der Tankstelle haben zum Jahreswechsel allerdings nicht direkt auf die höhere CO2-Abgabe reagiert. Beim ADAC vermutet man, dass die Preissteigerung „schon in den letzten Tagen des alten Jahres eingepreist wurde“. So hätte man deutliche Preissprünge zum Jahreswechsel zu vermeiden - und möglicherweise um auch vorher die Gunst der Stunde finanziell zu nutzen. Langfristig dürfte der Spritpreis jedoch kaum wieder deutlich sinken.
Restaurantbesuch 2024 - teurer durch höhere Mehrwertsteuer
Restaurantbesucher müssen dieses Jahr voraussichtlich tiefer in die Tasche greifen. Seit dem 1. Januar gilt in der Gastronomie statt des zeitweise ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 7 Prozent wieder der normale Satz von 19 Prozent. „Wenn die Steuer von 7 auf 19 Prozent steigt, werden wir die Preise erhöhen müssen“, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges. „Es gibt für die meisten Betriebe keinen Spielraum. Kaum einer kann es sich leisten, Geld draufzulegen.“
Bei einer Umfrage ihres Verbandes Anfang Dezember gaben 89 Prozent der Befragten an, die Preise anheben zu wollen. Ob und in welchem Umfang die Steuererhöhung auf die Preise durchschlägt, entscheide am Ende aber jeder Wirt selbst, erklärt Hartges. Verschiedene Restaurantketten haben im vergangenen Jahr klargestellt, dass sie die Preise nicht oder zumindest nicht direkt zum 1. Januar 2024 anpassen.
Sozialabgaben 2024: Für einige Arbeitnehmer wird es teurer
Um die Gastronomie während der Corona-Pandemie zu entlasten, war der Steuerersatz auch für Speisen in Restaurants und Cafés vorübergehend gesenkt worden. Danach wurde die Ausnahmeregelung wegen der Energiekrise mehrmals verlängert, zuletzt bis Ende 2023. Die Bundesregierung bezifferte die jährlichen Kosten auf 3,4 Milliarden Euro. Essen zum Mitnehmen, im Supermarkt und bei der Lieferung wird grundsätzlich mit sieben Prozent besteuert.
Ein weiterer Kostenpunkt, der dieses Jahr höher ausfallen wird, als im Vorjahr sind die Sozialabgaben. Für einige Arbeitnehmer steigen sie 2024. Durch den Anstieg der Beitragsbemessungsgrenze steigt der Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung für gesetzlich versicherte Gutverdiener: bei einem Bruttoeinkommen von 60.000 Euro um jährlich 16 Euro, bei 70.000 um 234 Euro, bei 90.000 um 488 Euro, bei 100.000 um 552 Euro.
Kostensteigerung 2024: Entlastungen in weiter Ferne
Entlastungen lassen derzeit noch auf sich warten. Die höheren Preise beim Heizen und Tanken sollten durch das von der Ampel-Regierung versprochene Klimageld bei den Bürgern kompensiert werden. Dabei hatten SPD, Grüne und FDP das Vorhaben schon vor zwei Jahren im Koalitionsvertrag vereinbart: Wenn der CO2-Preis aus Klimaschutzgründen steigt, soll es zum Ausgleich Geld aufs Konto der Bürgerinnen und Bürger geben. Doch angesichts der knappen Kassen bleibt offen, ob sich der Bund das überhaupt leisten kann.
Für die technische Umsetzung ist Finanzminister Christian Lindner (FDP) zuständig. In seinem Ministerium sieht man sich voll im Zeitplan. Vereinbart sei, dass der Auszahlungsweg in dieser Wahlperiode geschaffen werde, sagte Staatssekretärin Katja Hessel der Deutschen Presse-Agentur. „Der Mechanismus wird planmäßig bis 2025 zur Verfügung stehen.“
Steuerentlastungen merken Alleinerziehende besonders
Bislang gibt es für den Bund keinen Weg, Geld direkt auf das Konto der Bürgerinnen und Bürger zu überweisen. Dafür muss der Bund die Steuer-Identifikationsnummer, die jeder mit Geburt erhält, mit einer Kontonummer verbinden. Außerdem sind pro Tag nur eine bestimmte Anzahl an Überweisungen möglich.
Bei der Steuer gibt es hingegen Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger: 2024 gibt es mehr netto vom brutto. Der steuerliche Grundfreibetrag, also das Einkommen, bis zu dem keine Steuer gezahlt werden muss, steigt von 10.908 auf 11.604 Euro. Angehoben wird auch der steuerliche Kinderfreibetrag. Pro Elternteil wird der steuerliche Kinderfreibetrag im neuen Jahr 3.192 Euro betragen (vorher 3.012 Euro). „Alleinerziehende sind von den Änderungen besonders deutlich betroffen, da sie weniger über die Einkommensteuer entlastet werden“, sagt IW-Ökonom Hentze t-online. Wer hingegen ein höheres Einkommen habe und zudem wenig abhängig von fossilen Energien sei, werde die ansteigenden Preise 2024 weniger spüren.
(mit Material der dpa)
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