VonJoachim Willeschließen
Wärmepumpen kosten in der Anschaffung mehr, verursachen aber deutlich niedrigere Heizkosten im Vergleich zu Gasheizungen, zeigt eine aktuelle Studie.
Berlin – Wärmepumpen sind in der Anschaffung deutlich teurer als Gas- und Ölheizungen – zumeist auch dann, wenn man die staatliche Förderung einrechnet. Doch beim Betrieb sieht es anders aus. Sie können Haushalte finanziell deutlich entlasten, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt: Im Vergleich zu einer Gasheizung fallen die Heizkosten bei einer effizienten Wärmepumpen-Anlage danach aktuell rund 41 Prozent niedriger aus. Weniger leistungsfähige Geräte bringen immer noch einen Kostenvorteil von rund 13 Prozent.
Laut Studie: Gasheizung und Wärmepumpen im Kosten-Vergleich
Die Rechnung geht so: Wird ein Einfamilienhaus mit Gas beheizt, werden bei einem typischen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) im bundesweiten Schnitt 2262 Euro fällig. Eine effiziente Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von vier benötigt für die Bereitstellung der gleichen Heizleistung 5000 kWh Wärmepumpenstrom. Die Kosten dafür liegen bei 1337 Euro. Im Vergleich zu einer Gasheizung sind das 925 Euro oder 41 Prozent weniger Heizkosten im Jahr. Über eine Betriebszeit von 20 Jahren ergäbe sich also bei gleichbleibenden Kosten ein Vorteil von 18.500 Euro.
„Die Betriebskostenlücke zwischen Gasheizungen und Wärmepumpen dürfte sich in den kommenden Jahren weiter vergrößern“, sagte Verivox-Experte Thorsten Storck. Als Grund dafür nannte er vor allem den steigenden CO2-Preis, der fossile Energieträger wie Erdgas verteuert. Haushalte mit einer Wärmepumpe profitierten hingegen von niedrigen Stromnetzgebühren und Konzessionsabgaben.
Kostenvorteil hängt von Effizienz der Wärmepumpen-Anlage ab
Entscheidend für die Höhe des Kostenvorteils ist die Effizienz der Wärmepumpen-Anlage. Je höher die Jahresarbeitszahl, desto geringer fällt der Strombedarf aus und desto größer ist die Ersparnis gegenüber fossilen Heizsystemen. Diese technische Zahl gibt an, wie viel Heizenergie die Wärmepumpe mit dem eingesetzten Strom erzeugt. Bei einer weniger effizienten Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 2,7 – statt vier im Standardbeispiel – sind rund 7500 statt 5000 kWh nötig, die Kosten hierfür betragen 1978 Euro, der Vorteil im Vergleich zu Gas beträgt also nur noch 284 Euro oder 13 Prozent. Wärmepumpensysteme arbeiten besonders effizient, wenn das betreffende Haus gut gedämmt ist und die Heizkörper groß genug sind, dass die Räume auch bei relativ niedrigen Heizwasser-Vorlauftemperaturen warm werden.
Interessant in diesem Zusammenhang ist eine neue Untersuchung, die im Auftrag der Hamburger Stadtentwicklungsbehörde erstellt wurde und über die jüngst das Magazin des Verbandes „Haus und Grund“ berichtete. Sie zeigt: Viele ältere Häuser lassen sich auch ohne aufwändige Sanierung effizient mit einer Wärmepumpe beheizen. Ermöglicht hätten das technische Entwicklungen, durch die moderne Anlagen auch Vorlauftemperaturen von bis zu 70 Grad schaffen.
Früher galt als Faustregel, dass Wärmepumpen sinnvoll nur bei Vorlauftemperaturen von maximal 55 Grad betrieben werden können. Das war in älteren Gebäuden meist nur durch eine teure Dämmung der Gebäudehülle, zumindest aber den Einbau von Heizkörpern mit größeren Heizflächen möglich.
„Welche Heizlösung im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt stark von den baulichen Gegebenheiten ab“
Laut dem Gutachten, angefertigt von der Professorin Elisabeth Endres von der TU Braunschweig, reichen bei älteren Gebäuden heute oft schon kleine, kostengünstige Maßnahmen, um sie Wärmepumpen-kompatibel zu machen. Das kann zum Beispiel die Dämmung der oberen Geschossdecke sein. Häuser, die nach dem Erlass der ersten Wärmeschutzverordnung anno 1977 gebaut wurden, sind laut der Studie bereits für diesen Betrieb geeignet.
Verivox-Experte Storck sagte: „Welche Heizlösung im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt stark von den baulichen Gegebenheiten ab.“ Er rät dazu, vor der Entscheidung über eine neue Heizanlage eine qualifizierte Energieberatung vor Ort einzuschalten, die auch über die verschiedenen staatlichen und kommunalen Förderprogramme informiert.
Derzeit gilt noch die von der Ampel-Bundesregierung beschlossene Bundesförderung über die Förderbank KFW. Sie beträgt bei Einfamilienhäusern zwischen 50 und 70 Prozent, allerdings begrenzt auf 30.000 Euro Anlagekosten. Die neue Bundesregierung hat zwar angekündigt, Wärmepumpen weiter fördern zu wollen, die Konditionen stehen aber noch nicht fest.
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