Um die richtige Heizung hat es vergangenes Jahr viel Streit gegeben. Für den Hersteller Ariston ist die Wärmepumpe meist die beste Lösung.
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VonMatthias Schneiderschließen
2019 war geprägt von hitzigen Debatten über die Wärmewende. Der Geschäftsführer von Wolf, einem Hersteller von Heizungen, diskutiert das Heizungsgesetz und deutsche Wärmepumpen.
München – Die Ariston-Gruppe ist einer der größten Heizungsbauer Europas. Vergangenes Jahr haben die Mailänder den Mainburger Wärmepumpenspezialisten Wolf übernommen – und damit einen wachsenden Markt erschlossen. Thomas Kneip ist Geschäftsführer bei Wolf und verantwortet im Konzern stellvertretend die Region Nord- und Zentraleuropa. Im Interview erklärt er, wie das Heizungsgesetz das Geschäft verändert hat, weshalb er nicht an die Wasserstoffheizung glaubt und warum der Konzern auf den Standort Deutschland setzt.
Heizungsgesetz führt zu mehr verkauften Öl- und Gasheizungen
Herr Kneip, Ariston hat seinen Umsatz allein 2023 um 30 Prozent steigern können, seit 2021 wächst das Unternehmen deutlich. Was waren die Treiber?
Vergangenes Jahr ist vor allem die Akquisition des Wärmepumpenherstellers Wolf ins Gewicht gefallen. Da ging es unter anderem darum, den deutschen Markt für Ariston zu verstärken, der sich 2023 überdurchschnittlich gut entwickelt hatte. Davor waren wir hierzulande nicht so stark vertreten. Gleichzeitig haben wir mit Wolf auch Zugang zu einer hochklassigen Technologie bekommen.
Welcher Heizungstyp hat sich besonders gut verkauft?
2023 hatten wir in Deutschland einen doppelten Boom: Zum einen sind die Wärmepumpen stark gekommen, zum anderen hat die Diskussion um das Gebäude-Energiegesetz für einen enormen Anstieg bei Öl- und Gasheizungen gesorgt. Zusammen gab das ein Wachstum, das wir davor nicht hatten.
War das ein einmaliger Effekt?
Das Wachstum über alle Technologien hinweg wird mittelfristig wieder auf die normalen Raten zurückkehren. An den Trend zur Wärmepumpe glaube ich aber dauerhaft. Grundsätzlich werden viele Verbraucher zunehmend erkennen, dass der Heizungstausch gerade, auch durch die Förderbedingungen, attraktiv ist. Nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern.
Trotzdem werden in Deutschland nach wie vor mehr Öl- und Gasheizungen verkauft, als Wärmepumpen. Woran liegt das?
Die Energiewende in Gebäuden ist ein schrittweiser Prozess, bei dem kurzfristig mehrere Technologien nebeneinander existieren werden. Zudem hat die Diskussion um das Heizungsgesetz viel Unsicherheit geschaffen. Nach und nach werden die Kunden jedoch verstärkt Wärmepumpen nachfragen. Im Neubau ist die Wärmepumpe bereits jetzt Standard.
Was hätte man beim Heizungsgesetz besser machen können?
Man hätte klare Ansagen machen müssen und Umwege vermeiden, die wirtschaftlich nicht funktionieren. Beispielsweise wird Wasserstoff in individuellen Heizungssystemen von der gesamten Branche noch als Herausforderung angesehen. Manchmal fehlt die technische Kompetenz in der Gesetzgebung.
Ariston verkauft auch Gasbrenner, die Wasserstoffheizung wäre also ein Markt für Sie. Weshalb setzen Sie trotzdem auf Wärmepumpen?
Wir bieten Lösungen für alle Bedürfnisse und werden auch Wasserstoffheizungen anbieten, sofern die Nachfrage besteht. Aber keine Stadt hat einen Wärmeplan für ihr Gebiet vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass in den nächsten 20 Jahren ein Wasserstoffnetz aufgebaut werden soll. Das bedeutet, dass es auf lange Sicht keine Wasserstoffnetze im Verbrauchssektor geben wird. Außerdem ist grüner Wasserstoff ein knappes und teures Gut. Stattdessen sollte Wasserstoff in Bereichen eingesetzt werden, in denen wir nicht einfach auf Strom umstellen können. Dazu gehören zum Beispiel die Schifffahrt, die Luftfahrt und hohe Prozesswärme in der Industrie, etwa Stahl und Chemie. Im Wärmesektor werden wir Lösungen haben, wenn der Markt es verlangt, keine Zweifel. Aber das ist eine Frage der politischen Weichenstellung, und ich denke, wir sollten ehrlich sein und uns auf das konzentrieren, was langfristig Sinn macht.
Deshalb haben Sie vergangenes Jahr den Mainburger Spezialisten Wolf übernommen. Was erhoffen Sie sich von der Investition?
Wolf ist auch Pionier bei der Arbeit mit natürlichen Kältemitteln, etwa Propan. Die haben zwei Vorteile: Sollten sie mit Luft in Kontakt kommen, sind sie um ein Vielfaches weniger klimaschädlich, als herkömmliche Kältemittel. Außerdem schaffen wir damit höhere Vorlauftemperaturen, was besonders für Bestandsgebäude wichtig ist. Ein Nebeneffekt ist, dass die Anlagen damit effizienter laufen.
Welche Entwicklungen planen Sie bei Wolf?
Wir werden immer effizientere Wärmepumpen bauen, die weniger Strom und Kältemittel brauchen und dabei flüsterleise sind. Und wir entwickeln Lösungen für große Mehrfamilienhäuser. Heute ist es häufig noch nicht möglich, Wärmepumpen für größere Wohnanlagen entsprechend geräuscharm mit natürlichem Kältemittel zu betreiben.
Sie fertigen in Deutschland. Wie stark spüren sie den Kostendruck aus dem Ausland?
Wir sind einer der wenigen Hersteller, die auf den Standort Deutschland setzen, das aber mit voller Überzeugung. Wir brauchen dafür natürlich Skaleneffekte und Automatisierung, aber grundsätzlich sehe ich den Standort als wettbewerbsfähig. In Deutschland fertigen wir unter den Marken Wolf und Elco sehr hochwertige Wärmepumpen für den Nord- und Zentraleuropäischen Markt. Da sind die Ansprüche oft höher als etwa in Südeuropa. Da zahlt sich eine marktnahe Entwicklung und Produktion aus.
Bei einer anderen grünen Technologie, der Photovoltaik, hat Deutschland den Anschluss längst verloren. Weshalb klappt es bei Wärmepumpen?
PV-Module sind im Grunde eine einfach vergleichbare, austauschbare Massenware innerhalb eines Photovoltaiksystems, man schraubt sie aufs Dach und fasst sie dann 20 Jahre nicht mehr an. Wärmepumpen im Bestand sind ein ganz anderes Thema, weil es viel mehr Planung erfordert: Habe ich eine Fußbodenheizung? Wie gut ist das Haus gedämmt? Wie viele Kreisläufe brauche ich? Das erfordert viel Kompetenz beim Fachhandwerker. Deshalb müssen wir nicht nur ein hochwertiges Produkt anbieten, sondern komplette aufeinander abgestimmte Systeme, sowie auch Unterstützung bei der Planung, der Wartung und den Ersatzteilen. Da geht es nicht nur um Beständigkeit und Zuverlässigkeit der Produkte, sondern auch um Beratungskompetenz, Service-Unterstützung und Erreichbarkeit. Deshalb sind Wärmepumpen kein reines Preisgeschäft.
Gibt es für das erwartete Wachstum schon Erweiterungspläne?
Wir haben investiert und werden noch dieses Jahr eine Fertigungslinie in Betrieb nehmen, durch die wir am Standort Mainburg flexibler, effizienter und in größeren Stückzahlen produzieren können. Die Wärmepumpen werden dann aber nicht nur für den deutschen Markt sein, sondern gehen auch ins europäische Ausland.
