VonAmy Walkerschließen
Was passiert mit der Reform des Heizungsgesetzes? Ein Unternehmer behauptet, schon erste Infos zu haben.
Berlin – Im Wahlkampf hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) versprochen, das sogenannte Heizungsgesetz (eigentlich Gebäudeenergiegesetz, GEG) nach der Wahl „abzuschaffen“. Was genau er damit gemeint hat, ist er immer wieder gefragt worden, ohne wirklich konkret zu werden. Nun ist seine Wirtschaftsministerin, Katherina Reiche (CDU), mit der Aufgabe betraut. Doch auch ihre Aussagen zum Thema waren bisher eher populistischer Natur – so würde sie sogar das noch unter der Merkel-Regierung eingeführte Betriebsverbot für Heizungen, die vor 1991 eingebaut worden, wieder kippen.
In der Heizungsbranche ist man daher angespannt. Was genau plant Reiche? Ein Unternehmer berichtet nun im Gespräch mit ntv, Erkenntnisse zu haben.
Reform des Heizungsgesetzes: Wärmepumpen-Förderung vor „signifikanter“ Absenkung?
„Der Fall, von dem wir ausgehen, ist, dass es eine signifikante Förder-Absenkung gibt, wahrscheinlich schon Anfang 2026. Um ungefähr 50 Prozent“, sagt Jan Ossenbrink, Co-Gründer des Wärmepumpen-Startups Vamo. „Die Folge davon wäre, dass sobald es angekündigt wird, es eine hohe Nachfrage nach Wärmepumpen geben wird. Danach kommt ein Zusammenbruch des Marktes, ein klassisches Boom-Bust-Szenario“.
Ossenbrink betont im Interview, dass dies Spekulationen sind, die aber auf guten Informationen beruhen. Sein Unternehmen gehe aber in ihren Prognosen für die Zukunft aktuell von einem solchen Szenario aus.
Förderung für den Heizungstausch: So viel Geld gibt es 2025
Aktuell bekommen Eigentümer, die eine neue klimafreundliche Heizung installieren lassen, eine großzügige Förderung, die allerdings abgestuft ist:
- Grundförderung von 30 Prozent: Diese Förderung bekommen grundsätzlich alle, die ihre Heizung austauschen
- Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent: Die gibt es für Eigentümer, die eine funktionierende Heizung frühzeitig austauschen (bis 2028)
- Einkommensbonus von 30 Prozent: Diesen Zuschuss gibt es für einkommensschwächere Haushalte, die maximal 40.000 Euro als Jahreseinkommen zur Verfügung haben
- Insgesamt kann ein Haushalt eine Gesamtförderung von 70 Prozent bekommen.
Eine Absenkung um 50 Prozent, wie von Ossenbrink geschildert, würde also bedeuten, dass nur noch 35 Prozent der Kosten für eine Wärmepumpe staatlich gefördert wären (sie würde halbiert werden). Aktuell gibt der Staat maximal 21.000 Euro als Zuschuss dazu (die förderfähigen Kosten sind bis 30.000 Euro gedeckelt). Bei nur 35 Prozent Förderung wären höchstens 10.500 Euro als Zuschuss möglich – wenn die förderfähigen Kosten weiterhin bei 30.000 Euro gedeckelt blieben.
Deutsche Umwelthilfe befürwortet Absenkung der Förderung: Wärmepumpen in Deutschland zu teuer
Eine Absenkung der Förderung muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Tatsächlich gibt es Heizungsbauer – darunter auch Installateure für Wärmepumpen – die die aktuelle Förderung für zu hoch halten. In Deutschland kosten Wärmepumpen viel mehr als im europäischen Ausland. Als Grund dafür wird in der Regel angegeben: Lohnkosten zu hoch, hohe bürokratische und technische Auflagen, hohe Steuern – und eine hohe Förderung.
Ein Absenken der Förderung – die Deutsche Umwelthilfe schlägt hier einen Festbetrag von 7000 Euro vor – könnte also dazu beitragen, die Preise für Wärmepumpen insgesamt zu reduzieren. Sicher ist das allerdings nicht bzw. es blieben immer noch andere Kostentreiber.
Vamo-Chef Jan Ossenbrink erwartet bei der Reform des GEG ein ähnliches Szenario wie bei der gekappten E-Auto-Förderung nach dem Haushaltsurteil 2023: Damals musste die Regierung quasi über Nacht die Förderung für Elektroautos streichen, was zu einem massiven Einbruch am Markt geführt hat. „Daher auch mein Appell an die Bundesregierung, hier planvoll vorzugehen“, sagt er zu ntv.
Wärmepumpen auf der Überholspur: Öl- und Gas-Heizungen werden seltener eingebaut
Der Absatz für Wärmepumpen hat sich im ersten Quartal des Jahres 2025 erst wieder stabilisiert. Während der Verkauf von Gas-Wärmeerzeugern im ersten Quartal 2025 um 48 Prozent zurückging und der von Ölheizungen sogar um 81 Prozent einbrach, stieg der Absatz von Wärmepumpenheizungen laut Statistik des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) um 35 Prozent an. Damit liegt der Anteil von Wärmepumpen am gesamten Heizungsmarkt in Deutschland im ersten Quartal bei 42 Prozent - ein Allzeit-Hoch.
In den ersten drei Monaten des Jahres wurden insgesamt mehr als 63.500 Wärmepumpen-Förderanträge bei der KfW-Bank positiv beschieden. Die Branche hofft, dass die Geräte im Vergleich zu fossilen Heizungen noch attraktiver werden, wenn der Strompreis, wie von Wirtschaftsministerin Reiche bald angekündigt, bald abgesenkt wird. Das belegt auch eine Zahl aus dem Stiebel Eltron-Energie-Trendmonitor: 76 Prozent der befragten Personen sagen, der Strompreis müsse günstiger werden, damit sie auf eine Wärmepumpenheizung umsteigen.
Transparenzhinweis: In einer vorherigen Fassung haben wir angegeben, dass bei einer Reduzierung der Förderung um 50 Prozent nur noch 20 Prozent Förderung übrigblieben. Das ist nicht korrekt, stattdessen sind 35 Prozent richtig. Wir bitten, den Rechenfehler zu entschuldigen.
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