Wärmewende blockiert

Heizungsgesetz sorgt für Verwirrung: Hausbesitzer verweigern neue Heizsysteme

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Das umstrittene Heizungsgesetz der Ampelkoalition steht vor Änderungen. Das GEG soll neu gestaltet werden. Experten kritisierten dieses Vorhaben.

Berlin – Volle Kraft voraus für der Energiewende, hieß es noch zu Zeiten der Ampel-Regierung. Doch im Zuge der Debatte um die umstrittene Novelle des Gebäudeenergiegesetzes – dem umgangssprachlichen Heizungsgesetz – von Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grünen) zerbrach der Enthusiasmus rund um die klimafreundlichen Heizungsalternativen. Die Heizungsmarktdaten spiegeln die Verunsicherung der Verbraucher wider. Experten stellen daher klare Forderungen an die rot-schwarze Regierung.

Missverstanden und geächtet: Starker Gegenwind für Habecks Heizungsgesetz

Größer könnte die Verwirrung um da Thema Heizen in Deutschland nicht sein. Scharf kritisierten Verbände und Verbraucher den früheren Minister für seinen damaligen Energie-Vorstoß mit der Heizungsnovelle. Um die GEG-Novelle kreisten die wildesten Gerüchte. Böse Zungen nannten das Gesetz fälschlicherweise auch Gasheizungsverbot. Habeck musste hart um die Akzeptanz seines Plans am Markt der Verbraucher kämpfen. Seitens Beobachtern wurde dem Minister sogar Lobbyarbeit nachgesagt, weil er im Zuge dessen für das Wärmepumpenunternehmen Enpal die Werbetrommel rührte.

Das Konzept des GEG war jedoch halb so wild, wie es aufgefasst wurde. Es sollte lediglich beim Umstieg auf klimafreundliche Heizungen helfen, indem für Neubauten Heizungen mit 65-prozentigen Anteil Erneuerbarer Energien verbaut werden. Zusätzlich wurden der Einbau und Austausch klimafreundlicher Heizungen mit bis 70 Prozent von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) staatlich gefördert. Eine Austauschpflicht für Öl- und Gasheizungen besteht nur, wenn diese älter als 30 Jahre sind oder wenn sie irreparabel defekt sind. 

Großteil der Wärmeerzeuger in Deutschland noch bei fossilen Brennstoffen

Mit den Ankündigungen der neuen Regierung, das Gesetz abzuschaffen, wird die Skepsis unter Verbrauchern hierzulande erneut befeuert. Wegen der Unsicherheit, ob nach Zusammenbruch der Ampel der Austausch weiterhin gefördert werden, verdoppelten sich die Antragszahlen fast laut Wirtschaftsministerium im Dezember 2024 – davon der Großteil für Wärmepumpen. Die Verkaufszahlen bestätigen den Trend: Im Vergleich zum vorangegangenen Jahr stieg im 1. Quartal 2025 der Verkauf von Wärmepumpen um 35 Prozent, wie Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) zeigen.

Diese Zahlen dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Käufe im Jahr 2023 einen Rekordwert erreicht hatten. Im darauffolgenden Jahr schon waren die Absatzzahlen bei Wärmeerzeugern rückläufig – dieser Trend verstärkte sich 2025. Auch eine Datenerhebung des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks zeichnet ein ähnliches Bild. Von 33 Millionen Haushalten Wärmeerzeugern in Deutschland heizte die Hälfte mit fossilen Brennstoffen. Die Dynamik beim Heizungsaustausch hat sich im vergangenen Jahr wieder verlangsamt.

Verbraucher brauchen mehr Klarheit bei der Energiewende.

Umstieg auf Wärmepumpen: Hohe Strompreise und unklare Rechtslage

Verbraucher fühlen sich nicht nur über den Fortbestand des Gesetzes und seine Förderungen verunsichert. Auch die Preise für Strom lassen Menschen bei der Energiewende hängen. „Die Strompreise spielen eine Schlüsselrolle für den privaten Heizungswechsel“, sagt Heinz-Werner Schmidt, Geschäftsführer von Stiebel Eltron. Dem Energie-Trendmonitor 2025 zufolge zögern gut drei Viertel aller Befragten in Deutschland wegen zu hoher Strompreise bei Wärmepumpen. Aktuell bilden die Stromerzeugungskosten 40 Prozent der gesamten Kosten aus. 60 Prozent fallen auf Steuern, Abgaben und Netzentgelte.

Darüber hinaus legt ein aktuelles Gutachten nahe, dass auch die unklare Rechtslage ein weiteres Hemmnis beim Umstieg auf Erneuerbare Energien für Verbraucher darstellt. Der Wechsel von Gas auf Wärmepumpen sei mit erheblichen Ausgaben verbunden, da die Stilllegung der Gasanschlüsse höhere Kosten für Netzbetreiber bedeutet. Wer für diese aufkommen soll, ist gesetzlich nicht klar geregelt. „Das Wirtschaftsministerium sollte rasch die gesetzliche Klärung der Kostenfrage anstoßen“, verlangt der Geschäftsführer des Bundesverbandes für Wärmepumpen (BWP), Dr. Martin Sabel. 

Bericht: Gebäude- und Verkehrssektor hemmen Erfüllung der Klimaziele

Die Transformation im Gebäudesektor ist für Deutschland wesentlich, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllen zu können. Zusammen mit dem Verkehrssektor hinkt dieser nämlich hinterher: Aus dem aktuellen Prüfbericht des Expertenrats für Klimafragen geht hervor, dass die beiden Bereiche die CO₂-Ziele noch immer verfehlen. „Der Expertenrat erklärt eindeutig, dass das Erreichen der Klimaziele das Festhalten an ambitionierten Vorgaben für neu installierte Heizungen im Gebäudeenergiegesetz bedingt“, so Sabel. 

Im Koalitionsvertrag wurde bereits eine Absenkung der Strompreise um mindestens fünf Cent je Kilowattstunde festgehalten. Die Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Minimum wird außerdem versprochen. Mit dem Heizungsgesetz sollte aber Schluss sein – entgegen der Forderungen von Verbänden. CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche kündigte nun an, die Habeck'sche Heizungsnovelle zu überarbeiten. Sie möchte mitunter das Betriebsverbot für Gasthermen abschaffen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sabine Gudath

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