Nach der Fukushima-Katastrophe

Im Gegensatz zu Deutschland: Japan setzt weiter auf Atomkraft – und fährt offenbar größtes AKW wieder hoch

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In Deutschland hat die Katastrophe von Fukushima zu einem Abschalten der Kernkraftwerke geführt. In Japan fährt man hingegen den größten Reaktor des Landes nun wieder hoch.

Tokio/Berlin – Vor fast genau einem Jahr hat Deutschland seine letzten Atomkraftwerke vom Netz genommen. Das AKW-Aus wurde hierzulande beschlossen, nachdem die Atomkatastrophe von Fukushima 2011 die gesamte Welt erschütterte. Noch immer sind weite Teile der Region um das Fukushima-Werk unbewohnbar.

Doch während man hierzulande noch immer darüber heftig diskutiert, ob das Abschalten der Kraftwerke die richtige Entscheidung war, macht man in Japan schon wieder Nägel mit Köpfen. Das größte Atomkraftwerk des Landes, die Anlage Kashiwazaki-Kariwa, wird nun wieder hochgefahren.

Japan setzt trotz Fukushima weiter auf Atomkraft

Der Betreiber des AKW, die Firma Tepco, hatte nach umfangreichen Sicherheitskontrollen Ende vergangenen Jahres grünes Licht bekommen. Am Montag (15. April) hat Tepco nach eigenen Angaben damit begonnen, die Brennelemente wieder in die Reaktoren zu bringen. Davon gibt es insgesamt sieben Stück.

Allerdings steht noch nicht fest, ob der Betrieb wirklich wieder hochgefahren wird. Wie AsiaNews berichtet, muss erst noch der Gouverneur des Region Niigata, Hideyo Hanazumi, seine Zustimmung erteilen. Bisher habe dieser sich für weitere Diskussionen um die Sicherheit ausgesprochen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News schreibt, mache dieser sich insbesondere Sorgen um fehlende Evakuierungspläne für die Region, sollte es erneut zu einer Katastrophe kommen.

Ein Teil des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi.

Das Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa ist nicht nur das größte in Japan, sondern auch eines der größten der Welt. Im Zuge der Fukushima-Katastrophe 2011 wurden alle Atomkraftwerke im Land runtergefahren. Bis Sommer letzten Jahres waren zehn Reaktoren im Land wieder am Netz. Bis 2030 soll Strom aus Atomkraft wieder einen deutlich größeren Anteil – geplant sind 22 Prozent – am japanischen Energiemix ausmachen, wie die Energieagentur berichtet.

Habeck verteidigt AKW-Aus: Strompreise sinken

Derweil geht die Debatte um die Rolle von Atomkraft in Deutschland ungehindert weiter. Zum Jahrestag der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke in Deutschland hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) seine Position verteidigt. Alle an die Wand gemalten Schreckensszenarien seien nicht eingetreten, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir sehen heute, dass die Stromversorgung weiter sicher ist, die Strompreise auch nach dem Atomausstieg gefallen sind und die CO₂-Emissionen ebenfalls runtergehen.“ 

Natürlich sei die Lage nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs angespannt gewesen, sagte Habeck. „Wir mussten sehr viele Maßnahmen in kürzester Zeit umsetzen, um die Energieversorgung zu stabilisieren und die enormen einseitigen Abhängigkeiten, die Deutschland hatte, zu reduzieren. Das ist gelungen: Wir sind sicher durch zwei Winter gekommen.“ Im Strombereich sehe man, dass die Reformen griffen. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien nimmt richtig Fahrt auf, wir vereinfachen und beschleunigen Genehmigungsverfahren, die Preise an den Strombörsen sind stark gefallen. Seit dem Atomausstieg vor einem Jahr um 40 Prozent.“ Gleichzeitig liefen Kohlekraftwerke so wenig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. 

Deutschland habe ausreichend eigene Kapazitäten, den Strombedarf im Inland zu decken, sagte Habeck. „Gleichwohl nehmen wir am europäischen Strombinnenmarkt teil.“ Zwei Prozent des Bruttostromverbrauchs seien im vergangenen Jahr mit Importen gedeckt worden, davon sei aber nur rund ein Viertel Atomstrom aus Frankreich gewesen.

Rubriklistenbild: © Uncredited/Kyodo News/AP/dpa

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