Immobilienkrise in Deutschland: Diese Gebäudeklasse trotzt sinkenden Preisen
VonMarkus Hofstetter
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Die Immobilienpreise in Deutschland sinken immer weiter. Eine Abkehr von dem Sinkflug ist nicht in Sicht. Doch eine Wohnform kann sich dem negativen Trend entziehen.
Frankfurt – Jahrelang kannten die Immobilienpreise in Deutschland nur eine Richtung: nach oben. Laut einer Studie des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) stiegen die Immobilienpreise in den Städten von 2010 bis 2022 relativ zum Einkommen um 50 Prozent, in den Kreisen um rund ein Drittel.
Immobilienkauf in Deutschland: Preise für neue Ein- und Zweifamilienhäuser steigen leicht
Eine Immobilienform scheint sich dem Abwärtstrend jedoch zu entziehen: neue Ein- und Zweifamilienhäuser. Das zeigen Daten von Europace, nach eigenen Angaben Deutschlands größte Transaktionsplattform für Immobilienfinanzierungen, Bausparprodukte und Ratenkredite. Demnach sind die Preise für neue Ein- und Zweifamilienhäuser im Juni 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 0,76 Prozent gestiegen. Allerdings hat sich der Preisanstieg abgeschwächt. Im April lag das Plus noch bei 3,10 Prozent, im Mai bei 1,81 Prozent.
Dagegen sanken die Preise für bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser im Juni um 9,52 Prozent und für Eigentumswohnungen um 9,03 Prozent. Bei beiden Immobilientypen hat sich der Preisverfall nach Europace-Daten seit April weiter beschleunigt.
Immobilienpreise in Deutschland: Neubauten erfüllen Klimaschutzauflagen
Ein Grund dafür, dass sich die Preise für Neubauten vom allgemeinen Negativtrend abkoppeln können, ist, dass sie in der Regel den steigenden Anforderungen der Klimaschutzauflagen entsprechen. Nach einer Auswertung des Immobilienmaklers McMakler erfüllen Neubauten im Durchschnitt die Anforderungen der Energieeffizienzklasse B.
Zudem sorgen hohe Baukosten und ein knappes Angebot für einen positiven Preistrend bei Neubauten. Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für das Bauen konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,8 Prozent gestiegen. Im Februar 2023, dem vorherigen Berichtsmonat der Statistik, haben sich die Preise im Jahresvergleich sogar um 15,1 Prozent erhöht.
Das sind die teuersten Mietwohnungen in Deutschland
Immobilienkrise in Deutschland: Zahl der Neubauten sinkt stark
Das macht den Bau neuer Gebäude teurer. Wegen steigender Zinsen und Materialkosten geraten Bauträger in finanzielle Schwierigkeiten. Das lässt die Zahl der neu fertiggestellten Wohnungen in Mehr- und Einfamilienhäusern einbrechen. Nach Angaben des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) wurden im vergangenen Jahr 295.000 Wohnungen fertiggestellt. Damit lag die Zahl der Baugenehmigungen in den ersten fünf Monaten um 27 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Im kommenden Jahr soll die Zahl der neuen Wohnungen auf nur noch 177.000 sinken. Das politisch gesetzte Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr rückt damit in noch weitere Ferne.