Konjunktur

„Abwanderung ganzer Industriezweige“ droht: DIHK-Chef sieht „alarmierende Anzeichen“

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Die Ergebnisse einer Umfrage zeichnen ein trübes Bild der deutschen Wirtschaft. „Die aktuelle Lage der Unternehmen ist mau“, warnt der DIHK-Chef

Berlin – Die deutsche Wirtschaft kommt wohl weiterhin nicht in Schwung. Das ergab die Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 24.000 Unternehmen aus verschiedenen Branchen. „Die aktuelle Lage der Unternehmen ist mau, in der Industrie sogar schlecht. Die Erwartungen zeigen keine kraftvolle Aufwärtsbewegung“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Die Stimmung in der Wirtschaft bleibt gedrückt. Die Geschäftslage verschlechterte sich seit Anfang des Jahres weiter. 28 Prozent der Unternehmen berichten von einer guten Lage (statt 29 Prozent zu Beginn des Jahres). 23 Prozent meldeten eine schlechte Lage (22 Prozent im Frühjahr). „Die Hoffnung der letzten Monate, dass ein gutes Auslandsgeschäft oder eine wieder anziehende Inlandsnachfrage als Motor der heimischen Unternehmen wirken könnten, hat sich nicht bestätigt“, sagt DIHK-Chef Wansleben in Anbetracht der Ergebnisse.

Chemiepark: In der deutschen Industrie ist die Stimmung schlecht.

Wirtschaft: Investitionen in Deutschland auf „alarmierendem“ Level

Vor allem in der Industrie ist die Stimmung im Keller, was für Wansleben bemerkenswert sei. „Denn üblicherweise ist die Industrie wegen ihrer international breit gestreuten Kunden und ihrer Bedeutung für die Investitionstätigkeit am Standort Deutschland unser wichtigster Konjunkturmotor.“ Die Umfrage ergab, dass 26 Prozent der Industrie-Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten mit sinkenden Exporten rechnen. Nur 21 Prozent erwarten steigende.

Auch bezüglich der Investitionen in Deutschland zeigen sich Unternehmen zurückhaltend. „Die Investitionsneigung verbessert sich nur geringfügig und bleibt insgesamt schwach“, heißt es in der DIHK-Studie. Während gut ein Viertel der Betriebe mit erhöhten Investitionen plant, müssen 31 Prozent Investitionen verringern.  Nur während der Finanzkrise und zu Beginn der 2000er-Jahre lag der Anteil der Unternehmen, die in den Kapazitätsausbau investieren will, noch niedriger, heißt es von der DIHK. „Das sind alarmierende Anzeichen einer schrittweisen Deindustrialisierung“, sagt Wansleben. „Wenn wir nicht zügig gegensteuern, verliert Deutschland seine industrielle Basis. Und damit die Grundlage für unseren Wohlstand. Es droht eine schleichende Abwanderung ganzer Industriezweige“.

DIHK fordert Steuerentlastungen für Unternehmen

Als besondere wirtschaftliche Hindernisse sehen die Unternehmen: die deutsche Bürokratie, den Fachkräftemangel sowie die im internationalen Vergleich immer noch hohen Energiepreise. Im Bau- und Dienstleistungssektor treffen auch die Arbeitskosten auf viel Kritik.

Um die gesamtwirtschaftliche Lage zu verbessern, formuliert der DIHK-Chef auch klare Forderungen. Die Wirtschaft brauche „klare Aufbruchsignale aus Berlin und Brüssel“, so Wansleben. Dazu zählt er, dass die beschlossene Beschleunigung des Ausbaus von Breitband, Industrie- und Windkraftanlagen von der Ampel umgesetzt wird. Außerdem brauche es steuerliche Entlastungen sowie verschiedene Investitionsprämien für Unternehmen.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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