Insolvenzwelle trifft Zukunftstechnologie: Ein Unternehmen der künftigen Mobilität gerät in finanzielle Not. Welche Aussichten haben die Zukunftsmacher noch?
Ulm – Noch vor wenigen Jahren ging man in der Autoindustrie davon aus, dass schon bald ausschließlich elektrisch betriebene Autos auf den Straßen unterwegs sein werden, und dass diese im besten Fall auch noch ohne Fahrer auskommen. Mercedes-Benz macht autonomes Fahren in drei Jahren für jedermann möglich, hieß es im Jahr 2022. Durch die aktuelle Krise wurde aber sowohl die Elektromobilität als auch die Entwicklung des autonomen Fahrens merklich ausgebremst.
Das spürt auch das innovative Start-up Scantinel Photonics GmbH mit Sitz in Ulm (Baden-Württemberg), das am Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat, wie aus einer Mitteilung der bundesweit tätigen Kanzlei PLUTA hervorgeht. Das Unternehmen musste die Entwicklung ihrer Sensortechnologie für das autonome Fahren vorerst einstellen, doch wie geht es jetzt weiter?
Scantinel Phonotics: CEO zeigt sich trotz Insolvenz zuversichtlich – „Technologie hat großes Potenzial“
Laut der Mitteilung hat das Amtsgericht Ulm am 6. August ein vorläufiges Insolvenzverfahren für die Scantinel Phonotics GmbH eröffnet und den Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn von Pluta zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. Die Gehälter der rund 50 Mitarbeiter sind für die Monate August, September und Oktober über das Insolvenzgeld abgesichert, während ein Investorenprozess für die Zukunft des Start-ups eingeleitet wurde. „Die Technologie ist sehr innovativ“, erklärt Stemshorn. „Wir werden einen Investorenprozess durchführen und suchen einen Investor, der das Marktpotenzial des Start-ups ausschöpfen kann.“
Name
Scantinel Phonotics GmbH
Gründung
2019
Sitz
Ulm, Baden-Württemberg
Branche
Sensortechnologie, Automobilindustrie
Mitarbeiter
rund 50
Als Grund für die finanzielle Schieflage werden Liquiditätsprobleme genannt, da eine geplante Finanzierungsrunde aufgrund der eingangs angesprochenen Probleme der Automobilindustrie nicht zustande kam. Deshalb hat Scantinel Phonotics die Entwicklung der Sensorentechnologie – die laut Mitteilung die fortschrittlichste weltweit ist – vorerst auf Eis gelegt. Der Geschäftsführer zeigt sich dennoch optimistisch für die Zukunft. „Unsere Technologie hat großes Potenzial, und ich bin zuversichtlich, dass unser Start-up eine Zukunftsperspektive hat“, wird CEO Andy Zott zitiert. „Unser Team ist hochmotiviert und wird das Verwalterteam bestmöglich unterstützen.“
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Scantinel will seine Technologie mit Unterstützung auf eine neue Grundlage stellen
Die Scantinel Phonotics GmbH wurde 2019 in Ulm gegründet und ist demnach zwar kein Traditionsunternehmen – im Gegensatz zur Störk Metallbearbeitung GmbH, die nach beinahe 100 Jahren Insolvenz anmeldete – die entwickelte Technologie ist aber umso wichtiger für die Mobilität in ganz Europa. „Scantinel sucht daher aktiv nach Möglichkeiten, die Technologieweiterentwicklung auf eine neue Grundlage zu stellen“, heißt es von PLUTA. Im vergangenen Jahr meldete mit Volocopter ein weiteres Zukunftsunternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz an, das inzwischen aufgekauft und stark verkleinert wurde.