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Insolventer Onlineshop Exxpozed: Staatsanwaltschaft startet Ermittlungen

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Nach dem Insolvenzantrag von Exxpozed im April hat nun die Staatsanwaltschaft den Allgäuer Onlineshop ins Visier genommen – das steckt dahinter.

Dietmannsried – Rund 25 Jahre lang zählte Andreas Bindhammer zu den besten deutschen Kletterern. Seit Mitte der 1990er Jahre waren steile Felswände von bis zu 30 Metern sein Zuhause – stets gesichert von einem Seil an selbst platzierten Zwischensicherungen. Während er an der Steilwand zur Weltspitze gehörte, droht ihm geschäftlich nun der komplette Absturz.

Exxpozed in der Insolvenz: Wie Andreas Bindhammers Outdoor-Shop in Schieflage geriet

Nachdem Andreas Bindhammer am 11. April 2025 für seinen Onlineshop für Outdoor- und Kletterausrüstung Exxpozed Insolvenz beim Amtsgericht Kempten beantragt hatte, ließ die Staatsanwaltschaft Kempten die Büroräume im allgäuischen Dietmannsried durchsuchen. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörden bestätigte gegenüber dem Manager Magazin, dass es um „umfassende Finanzermittlungen im Hinblick auf die letzten Geschäftsjahre der Firma Exxpozed“ gehe.

Am 11. April 2025 hat der Onlineshop für Outdoor- und Kletterausrüstung Exxpozed einen Insolvenzantrag gestellt.

Bereits rund um den Insolvenzantrag Mitte April begannen die Ermittlungen, nachdem sich zuvor immer mehr Kunden über nicht erstattete Retouren und ausbleibende Lieferungen beschwert hatten. Insgesamt sollen seit 2023 in zehn Bundesländern 223 gerichtliche Mahnverfahren gegen Exxpozed anhängig sein, um noch offene Beträge einzufordern. Die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und Unterschlagung.

Rückzahlungen, Mahnverfahren, Ermittlungen: Warum der Onlineshop Exxpozed plötzlich insolvent ist

Gegenüber der Allgäuer Zeitung hatte Bindhammer erklärt, dass die Schwierigkeiten in seinem Onlineshop bereits im Jahr 2022 begannen. Ein plötzlich hoher Krankenstand konnte über Monate nur bedingt durch Leiharbeiter aufgefangen werden, sodass es in Versand, Lager und Kundenservice zunehmend zu Verzögerungen gekommen sei. Die Unzufriedenheit mit dem Service von Exxpozed spiegelt sich auf zahlreichen Kundenbewertungsportalen wider. Viele Kunden schildern, dass sie seit Monaten auf Rückzahlungen warten. Bereits im Sommer 2024 hatte die Staatsanwaltschaft Kempten Ermittlungen gegen Exxpozed aufgenommen, nachdem verschiedene Strafanzeigen eingegangen waren. Diese wurden jedoch eingestellt, da sich der nötige Vorsatz nicht nachweisen ließ.

„Kaum erreichbar“: Kundenservice von Exxpozed bleibt auch nach Insolvenz überfordert

Ursprünglich war Exxpozed als erfolgreiches Lokalprojekt im Allgäu gestartet: So erhielt das Unternehmen zwischen 2017 und 2018 800.000 Euro an EU-Fördermitteln, wie aus einer offiziellen Antwort der Bayerischen Staatsregierung hervor. Die Mittel stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und sollten Investitionen am Standort Dietmannsried unterstützen. Trotz der heutigen Schwierigkeiten bietet Exxpozed weiterhin Produkte aus der Outdoor- und Kletterwelt über seinen Onlineshop an. Laut Manager Magazin halten die Probleme jedoch weiter an: Aus der Belegschaft heißt es, dass der Kundenservice noch immer „sehr schwach besetzt“ sei und zeitweise „keine Anrufe mehr annehmen könne“.

Wie es weitergeht: Insolvenzverwalter prüft Fortführung, Bindhammer sucht Investoren

Am Standort in Dietmannsried befinden sich neben dem rund 750 Quadratmeter großen Ladengeschäft auch eine knapp 2000 Quadratmeter große Kletterhalle sowie ein automatisiertes Teilelager. Besucher können hier ihre Fähigkeiten an der Steilwand austesten.

Der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dr. Robert Saam, prüft derzeit die Möglichkeiten einer Betriebsfortführung. Laut Bindhammer befindet sich die Suche nach Investoren in einem fortgeschrittenen Stadium. Ein Erfolg wäre zumindest ein erster Schritt für den einstigen Kletterstar, um den endgültigen Absturz zum 15. Geburtstag von Exxpozed noch abzuwenden.

Rubriklistenbild: © Jonas Walzberg/dpa

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