Hohe Kosten und Konkurrenzdruck

Deutscher Bäckereibetrieb in Familienhand meldet Insolvenz an - wie geht es weiter?

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Ein traditionsreicher Bäckereibetrieb hat Insolvenz angemeldet. Betroffen sind sieben Filialen und rund 50 Mitarbeiter, wie geht es für sie weiter?

Pforzheim - Die Insolvenzwelle trifft inzwischen nahezu jede Branche in Deutschland, doch für Handwerks- und Bäckereibetriebe ist das wirtschaftliche Klima bereits seit einiger Zeit sehr ungemütlich. Nachdem vor wenigen Monaten ein Bäckerei-Unternehmen mit bundesweit 120 Filialen Insolvenz anmelden musste, trifft es nun auch einen traditionsreichen Familienbetrieb. Wie die Anwaltskanzlei Schultze & Braun mit Hauptsitz in Achern (Baden-Württemberg) mitteilt, strebt die Handwerksbäckerei Wiskandt mithilfe eines Insolvenzverfahrens eine Sanierung an.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Die Ursprünge der Handwerksbäckerei Wiskandt liegen laut der Homepage in einer Bäckerei in Pforzheim (Baden-Württemberg), die im Jahr 1969 vom Bäckereimeister Günther Wiskandt und seiner Frau übernommen wurde. Inzwischen wird das Unternehmen, das, auch durch eine Übernahme im Jahr 2022, insgesamt sieben Filialen in der Region betreibt, von der dritten Familiengeneration geführt. Die Frage ist allerdings, wie es mit dem Traditionsbetrieb und seinen rund 50 Mitarbeitern nun weitergeht.

Hohe Kosten und Konkurrenzdruck stellen Traditionsbäckerei vor große Herausforderungen

Schultze & Braun, deren Anwalt Holger Blümle vom Amtsgericht Pforzheim zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt wurde, gibt den Grund für die finanzielle Schieflage mit den hohen Kosten für Energie und Rohstoffe sowie den hohen Preisdruck durch die Konkurrenz an. „Supermärkte und Discounter haben ihr Sortiment an Backwaren extrem ausgebaut“, wird Bäckereimeister und Geschäftsführer Janis Wiskandt in der Mitteilung zitiert. „Sie und die großen, industriell fertigenden Bäckereiketten bieten die Ware zu Preisen an, die ein regionaler Handwerksbetrieb einfach nicht bieten kann.“

Dadurch hat sich auch das Konsumverhalten der Kunden verändert, die in der ohnehin wirtschaftlich herausfordernden Lage immer häufiger auf „das kleine Stück Genuss vom Bäcker“, wie es Wiskandt bezeichnet, verzichten. „Der Umsatz im Bäckerhandwerk schrumpft also, während gleichzeitig die Kosten für Personal, Energie und Rohstoffe deutlich gestiegen sind“, so der Bäckereimeister. Insolvenzverwalter Blümle will sich nun einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Betriebs verschaffen; der Bäckereibetrieb läuft derweil in allen sieben Filialen in Pforzheim, Birkenfeld und Kieselbronn uneingeschränkt weiter.

Bäckerei Wiskandt: Insolvenzverwalter zuversichtlich, dass Sanierung gelingen kann

Die rund 50 Mitarbeiter des Traditionsbetriebs wurden bereits über das Verfahren informiert, ihre Löhne und Gehälter sind vorläufig über das Insolvenzgeld abgesichert. „Unser Ziel ist es, den Handwerksbetrieb zu erhalten“, macht Holger Blümle deutlich. „Es ist eine alteingesessene Bäckerei mit einer treuen Stammkundschaft und einer engagierten Belegschaft. Mit einem geordneten Insolvenzverfahren haben wir gute Chancen, die Bäckerei finanziell und operativ neu aufzustellen und den Herausforderungen zu begegnen, die der Markt für solche Handwerksbetriebe gerade bereitstellt.“ Dabei startet der Insolvenzverwalter nicht bei null.

Die Handwerksbäckerei Wiskandt hat Insolvenz angemeldet, der Insolvenzverwalter zeigt sich aber zuversichtlich (Symbolfoto).

Der Bäckereimeister hat sich nach Angaben des Anwalts bereits vor der Einleitung des Insolvenzverfahrens professionelle Beratung ins Haus geholt, um den Betrieb strategisch neu auszurichten. „Auf diesen Erkenntnissen können wir aufsetzen und ein Konzept entwickeln, mit dem die Bäckerei wieder auf ein stabiles Fundament gesetzt wird“, sagt Blümle. „Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen kann.“ Im vergangenen Jahr verlor eine Kleinstadt in Baden-Württemberg ihre letzte Bäckerei-Filiale.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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