Insolvenz bei deutschem Maschinenbauer mit Kunden in 30 Ländern – Zukunft ungewiss
VonAlexander Hofer
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Baden-Württemberg erlebt eine unaufhaltsame Insolvenzwelle. Ein Maschinenbauer mit weltweiten Geschäftsbeziehungen aus dem Südwesten gibt auf.
Neulingen (Enzkreis) - In Baden-Württemberg befindet sich nicht nur die Automobilbranche in der Krise. Auch Meldungen über Insolvenzbekanntmachungen von Maschinenbauern tauchen gehäuft auf. Wie aus einer Meldung der in Achern ansässigen Anwaltskanzlei Schultze & Braun hervorgeht, hat das Unternehmen TF Wickeltechnik GmbH mit Kunden in 30 Ländern Insolvenz angemeldet.
Das Unternehmen mit Sitz in Neulingen (Baden-Württemberg) ist spezialisiert auf die Automation von Reel-to-Reel-Prozessen. Dabei werden bandförmige Materialien von einer Rolle (Reel) auf eine andere gewickelt. Die individuell auf die Kunden zugeschnittenen Maschinen finden vor allem Anwendung in Stanzereien, der Galvanik sowie der Rohr- und Drahtbearbeitung.
Trotz Insolvenz zielt das Unternehmen auf Erhalt der Arbeitsplätze ab
Laut der Mitteilung soll die Bekanntgabe der Insolvenz frühzeitig und transparent erfolgt sein. Über das Insolvenzgeld können die Löhne der elf Mitarbeiter bis Juli ausgezahlt werden. Unterdessen erarbeitet der Geschäftsführer, Markus Weißenberger, zusammen mit dem Insolvenzverwalter Tobias Hirte tragfähige Sanierungsmöglichkeiten für das Unternehmen.
Ziel ist die Beschäftigung der elfköpfigen Belegschaft aufrechtzuerhalten und sowohl laufende Kundenaufträge als auch neue Projektanfragen uneingeschränkt bearbeiten zu können. Dazu beschäftige Hirte sich aktuell mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens, um Optionen für eine nachhaltige Neuaufstellung zu erarbeiten.
Ein neuer Eigentümer konnte ein anderes Maschinenbauunternehmen vor dem Aus retten. Auch ausländische Konzerne übernehmen insolvente Betriebe aus Baden-Württemberg. Gewissheit über die Zukunft der TF Wickeltechnik GmbH herrscht allerdings noch keine.
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Preissteigerungen und Umsatzrückgänge trieben Maschinenbauer in die Insolvenz
Verantwortlich für die Insolvenzmeldung seien wirtschaftliche Folgewirkungen aus der Corona-Pandemie sowie geopolitisch bedingte Preissteigerungen und Umsatzrückgänge. Darüber hinaus herrsche in vielen Branchen ein zurückhaltendes Verhalten bei Investoren.
Laut Geschäftsführer Weißenberger setzen die Umsatzrückgänge nämlich bereits bei ihren Kunden an, was „zwangsläufig auch weniger Aufträge für uns als Spezialmaschinenbauer“ bedeutet, fasst der Geschäftsführer zusammen. „Viele Kunden beauftragen uns regelmäßig. Da sie jedoch auch von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krisen in ihren Branchen betroffen sind, konnten und können sie dies nicht wie gewohnt tun“, zitiert die Mitteilung Weißenberger weiter.