Nach der Rettung aus der Eigenverwaltung im Oktober hat eine Traditionsbäckerei erneut Insolvenz angemeldet. Könnte dies das endgültige Ende bedeuten?
Laupheim – Die wirtschaftlichen Herausforderungen belasten neben der Industrie auch das Handwerk mit voller Kraft. Nachdem im März eine Familienbäckerei Insolvenz anmelden musste und wenige Wochen später das endgültige Aus verkündet hatte, trifft es nun einen weiteren Traditionsbetrieb, der erst vor wenigen Monaten aus einer Eigenverwaltung gerettet wurde. Wie aus den Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht, hat die Bäckerei Konditorei Mäschle GmbH & Co. KG mit Sitz in Laupheim (Kreis Biberach, Baden-Württemberg) am 21. August am Amtsgericht Ravensburg Insolvenz angemeldet.
Die Bäckerei Mäschle kann nach übereinstimmenden Quellen auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken und betrieb vor nicht mal eineinhalb Jahren noch 15 Filialen in der Region. Im Januar 2024 hatte das Traditionsunternehmen einen Sanierungsprozess in Eigenverwaltung gestartet, der vom Amtsgericht Ravensburg im September in ein Regelverfahren umgewandelt wurde. Die Sanierungsexperten von der bundesweit tätigen Anwaltskanzlei PLUTA konnten eine Fortführung des Betriebs erreichen, allerdings mit nur noch sechs Filialen.
Traditionsbäckerei Mäschle meldet erneut Insolvenz an – Betrieb in den Filialen läuft weiter
Beim zweiten Insolvenzverfahren der Traditionsbäckerei Mäschle hat das Amtsgericht Ravensburg mit Michael Wahl erneut einen Rechtsanwalt von PLUTA zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen. In einer Pressemitteilung der Kanzlei heißt es, dass der Geschäftsbetrieb in den verbleibenden Filialen wie gewohnt weitergeführt wird und die Bäckereien somit für die Kunden geöffnet bleiben. Laut der Google-Übersicht betreibt Mäschle derzeit noch drei Filialen in Laupheim, sowie jeweils eine in Warthausen und Schemmerhofen (beide Kreis Biberach), während die Filiale in der Ulmer Weststadt dauerhaft geschlossen ist.
Die insgesamt 42 Mitarbeiter der Traditionsbäckerei wurden über die aktuelle Lage informiert, ihre Löhne und Gehälter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld abgedeckt. Insolvenzverwalter Wahl wird sich nun eine Übersicht über die finanzielle Lage des Unternehmens machen. „Wir prüfen derzeit die Optionen zur Stabilisierung des Unternehmens“, erklärt er laut Mitteilung. Die erneute Insolvenzanmeldung wird mit Liquiditätsproblemen aufgrund von hohen laufenden Kosten begründet.
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Können Übernahmen die Traditionsbäckerei Mäschle erneut retten und was bleibt dann übrig?
Bei der vorherigen Insolvenz wurden mehrere Mäschle-Filialen von der ebenfalls in Baden-Württemberg ansässigen Bäckerei Staib übernommen. Durch solche Übernahmen konnte ein Großteil der ehemals rund 120 Mitarbeiter vor einem Jobverlust bewahrt werden. Ob ähnliche Lösungen auch im neuen Verfahren möglich sind, muss sich zeigen. Für Handwerksbetriebe wie Bäckereien oder Metzgereien kommt neben den hohen Kosten der zunehmende Konkurrenzdruck durch große Ketten und Supermärkte hinzu. Ende 2024 hatte eine Traditionsbäckerei den Hauptsitz und alle 34 Filialen in Baden-Württemberg geschlossen.