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Obwohl sie in finanziellen Schwierigkeiten steckte, beglich die bankrotte Baufirma Helma stets zuerst die Rechnungen ihrer Berater. Dies führte zu Verärgerung bei Mitarbeitern und Handwerkern.
Lehrte – Interne Dokumente enthüllen, dass der Baukonzern Helma aus Lehrte trotz finanzieller Engpässe die Rechnungen von Unternehmensberatern stets prioritär behandelte. Diese Beträge wurden unverzüglich überwiesen, was bei den Angestellten in Lehrte auf Unmut stieß.
Insolvenz bei Helma: Pleite des Bauunternehmens trifft die Käufer
Die Helma Eigenheimbau AG ist ein Massivhaus-Anbieter mit Sitz in Lehrte bei Hannover. Das Unternehmen ist in der Entwicklung, Planung, im Verkauf und in der Bauregie von schlüsselfertigen und teilfertigen Häusern tätig. Im Frühjahr 2024 musste die Baufirma Insolvenz anmelden und trifft damit die Käufer hart.
Laut Informationen des Handelsblatts haben die Käufer von schlüsselfertigen Häusern nämlich jetzt das Problem, dass die Häuser wahrscheinlich nicht fertig gebaut werden können.
Rechnung vom Fliesenleger ignoriert?
Nicht nur die Hauskäufer könnten finanzielle Verluste erlitten haben, sondern auch die beauftragten Handwerker. Laut Berichten der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) mussten Fliesenleger lange auf ihre Zahlungen warten.
Am 3. März ging bei Helma eine Rechnung über 34.000 Euro vom Fliesenleger ein. Zwei Tage später meldete Helma Insolvenz an. Daher wird der Handwerker voraussichtlich nur einen Bruchteil seiner Forderung von Helma erhalten.
Schnelle Bezahlung und lächelnde Emojis für Berater
Während die Handwerker auf ihr Geld warten, sei bei den Beratern das Honorar in Minutenschnelle auf dem Konto gewesen. Bei einem Unternehmensberater soll es am 12. Februar nur sieben Minuten gedauert haben, bis Helma eine Zahlung von 35.000 Euro für „Leistungen in der Kalenderwoche 07“ anordnete, die noch zu erbringen waren. Dem Bericht zufolge schrieb die Vorstandschefin Andrea Sander „Freigegeben“ unter die E-Mail an ihren Prokuristen und fügte einen Smiley hinzu.
Der Berater erklärte, dass es in der Branche üblich sei, Rechnungen von Restrukturierungsexperten zeitnah zu stellen. „Wir haben uns für wöchentliche Vorauskassen entschieden, da so der Kunde eine bessere Kostenkontrolle hat“, sagte er gegenüber der HAZ.
Angestellter bei Helma: „Die Berater haben unseren Untergang noch befeuert und nicht abgewendet“
Zustimmung fand diese Praxis in der Helma-Zentrale nicht. „Während wir unsere Handwerker nicht mehr bezahlen konnten, war für die Berater immer noch Geld da“, äußert sich ein leitender Angestellter.
Insgesamt habe der Baukonzern seit Anfang des vergangenen Jahres über sieben Millionen Euro ausgegeben, um mit externer Hilfe die drohende Pleite abzuwenden. „Die Berater haben unseren Untergang noch beschleunigt und nicht abgewendet“, kommentiert ein Controller von Helma in dem Bericht.
Wirtschaftsprüfer kostet das notringende Unternehmen über 60.000 Euro
Demnach stellte der Wirtschaftsprüfer Baker Tilly aus Düsseldorf für die „Unterstützungsleistungen“ eines Finanzvorstands im Oktober und November Ende Dezember ein Honorar von 63.225,06 Euro in Rechnung, einschließlich Reisekosten. Rechtsberater berechneten für die „Durchsicht von Unterlagen“, Telefonate und Videokonferenzen Stundensätze von 295 Euro, wodurch ebenfalls schnell fünfstellige Summen zusammenkamen.
Pleitewelle in der Baubranche? Insolvenzen häufen sich
Laut NDR haben neben Helma auch weitere Bauunternehmen in der Region Insolvenz angemeldet. Dazu gehört der Bauträger Hanseatische Immobilien Treuhand (hit) mit Sitz in Stade, der nur paar Tage nach Helma auch Insolvenz anmelden musste. Auch andere Unternehmen der Gruppe seien betroffen. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es, dass die Krise des Bauträgers durch eine massive Kaufzurückhaltung der Kundschaft ausgelöst wurde. Verantwortlich dafür seien gestiegene Baukosten, Zinssteigerungen und zeitweise leere Fördertöpfe.
Auch die Baufirma Ecovillage Hannover geriet in finanzielle Schwierigkeiten und meldete ebenfalls im März Insolvenz an. Das Unternehmen plante über 500 Wohnungen in Hannover, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein sollten. Informationen der taz zufolge erhielt die Baufirma auch öffentliche Unterstützung. Förderzusagen kamen sowohl von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als auch von der niedersächsischen N-Bank. Zudem gewährte die Stadt ausgesprochen günstige Konditionen für den Grundstückskauf.
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