VonAmy Walkerschließen
Die deutsche Möbelproduktion ist in der Krise. Ein weiteres renommiertes Unternehmen ist bankrott – doch es könnte nun anscheinend gerettet werden.
Update vom 3. Februar, 14:21 Uhr: Kurz vor knapp gibt es für den insolventen Möbelbauer Staud eine Erleichterung: Es hat sich ein Investor gefunden. Wie IPPEN.MEDIA vom Insolvenzverwalter Schultze & Braun erfahren hat, konnte noch am 31. Januar 2025 eine Lösung gefunden werden – und es sollen die meisten Arbeitsplätze gerettet werden. Die Übernahme des Betriebs soll zum 1. März 2025 erfolgen.
„Die intensiven Verhandlungen und das Engagement aller Beteiligten, inklusive wichtiger Kunden, haben zu einer Stabilisierung der Situation geführt, die es Staud ermöglicht, den Geschäftsbetrieb fortzusetzen und eine nachhaltige Lösung zu erarbeiten. Wir werden die gewonnene Zeit nutzen, um die Übernahme vorzubereiten und durchzuführen“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Haffa von Schultze & Braun laut Mitteilung zur Rettung des Betriebs. Es wird einen Stellenabbau im „sehr niedrigen zweistelligen Bereich“ geben, der nun mit dem Betriebsrat ausgelotet werden soll, heißt es weiter.
Deutsche Möbelbranche in der Krise: Nächster Tradtionsbetrieb in der Insolvenz
Erstmeldung vom 31. Januar: Bad Saulgau – Deutsche Unternehmen sehen sich momentan mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Die Wirtschaft stagniert, und 2023 sowie 2024 befand sich das Land sogar in einer technischen Rezession. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Die Kombination aus Klimakrise, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg haben das Land geschwächt, die Energiepreise in die Höhe getrieben und die Unsicherheit verstärkt. Kunden halten ihr Geld zusammen und meiden größere Einkäufe. Zusätzlich kämpfen Unternehmen mit altbekannten Problemen: zu viel Bürokratie, Fachkräftemangel und hohe Lohnnebenkosten.
Deutscher Möbelhersteller in der Insolvenz: Über 300 Jahre Geschichte
In dieser angespannten Lage geraten immer mehr Unternehmen in finanzielle Schieflage. 2024 gab es so viele Insolvenzen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, und Prognosen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend auch 2025 fortsetzen wird. Besonders stark betroffen sind die Automobilindustrie und die Baubranche, aber kaum ein Wirtschaftszweig bleibt verschont.
Untergang der Namen




So hat es auch den Möbelhändler Staud aus dem baden-württembergischen Bad Saulgau im November 2024 getroffen. Das Unternehmen kann seine Wurzeln auf das Jahr 1653 zurückführen, als Matthäus Staud in Saulgau eine Schreinerei gründete, die im Lauf der Jahrhunderte zur Firma Staud wurde. Im Jahr 2012 wurde Staud unter das Dach der Vivonio Furniture Group aufgenommen. Die Vivonio-Gruppe ist die Muttergesellschaft für funf europäische Möbelhersteller: Neben Staud ist das noch KA Interiør und Noteborn (beide in Dänemark) sowie für Büromöbel die Marken fm Büromöbel und Leuwico.
Insolvente Firma findet keinen Investor: 150 Mitarbeiter müssen gehen
Nun ist es allem Anschein nach aber vorbei für den Traditionshersteller Staud. In der Insolvenz hat die Firma bisher keinen Investor finden können, berichtet das Fachportal Moebelmarkt.de. Ende Januar laufe das Insolvenzgeld aus und die Firma könne die Löhne und Gehälter nicht aus eigener Kraft stemmen. Mit der Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens am 1. Februar 2025 müssten den 150 Mitarbeitern daher gekündigt werden. Die Betroffenen würden bei ihren Bewerbungsprozessen und auf der Suche nach neuen Stellen unterstützt, heißt es in dem Bericht weiter.
Der Geschäftsbetrieb von Staud wird damit aller Wahrscheinlichkeit nach abgewickelt – und damit endet eine Ära in der Region. Die Schwierigkeiten in der Möbelbranche machen aber zahlreichen Traditionsunternehmen Probleme. Die deutsche Möbelbranche steht insgesamt aktuell unter Druck. Das hängt mit der Flaute in der Bau- und Immobilienbranche zusammen: Seit der Erhöhung der Zinsen in der Ukraine-Krise sind die Verkaufs- und Neubauzahlen regelrecht eingebrochen. Potenzielle Käufer warten ab, bis sie sich wieder einen Kredit leisten können. Das bedeutet zwangsläufig auch ein Einbruch der Verkaufszahlen für Möbel und Ausstattung.
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