Schuhhändler und Autozulieferer

Insolvenzen in Deutschland: Bei diesen Firmen dauert das Verfahren weiter an

+
Im ersten Halbjahr mussten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen Insolvenz anmelden. (Symbolfotos/Montage)
  • schließen

Unternehmen verschiedener Branchen meldeten im ersten Halbjahr Insolvenz an. Bei zahlreichen Firmen ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Fellbach/Murr – Im ersten Quartal 2025 haben allein in Baden-Württemberg 662 Unternehmen Insolvenz angemeldet und bis zum Ende des ersten Halbjahres am 30. Juni kamen noch einige mehr dazu. Die Verfahren nahmen mitunter stark unterschiedliche Ausgänge. Ein Traditionsunternehmen, das im Mai Insolvenz angemeldet hatte, erklärte beispielsweise jüngst, aufgrund eines fehlenden Investors den Betrieb einstellen zu müssen, während einige Firmen im Laufe der vergangenen Monate durch Investoreneinstiege oder Übernahmen gerettet werden konnten.

Zu den Unternehmen, die im ersten Halbjahr in eine finanzielle Schieflage geraten waren, gehören auch ein traditionsreicher Schuh-Händler mit 27 Filialen sowie ein Autozulieferer, die beide ein Verfahren in Eigenverwaltung eingeleitet haben. IPPEN.MEDIA hat bei den bundesweit tätigen Sanierungsexperten der Kanzlei PLUTA nach dem aktuellen Stand der Verfahren gefragt. Konnten die Unternehmen bereits gerettet werden, oder müssen die Mitarbeiter weiter bangen?

Schuhhändler Schuh Graf GmbH & Co. KG – rund 160 Mitarbeiter

Die Schuh Graf GmbH & Co. KG wurde im Jahr 1938 im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt von dem aus München stammenden Einkäufer Julius Graf gegründet und betreibt heute 27 Filialen mit insgesamt rund 160 Mitarbeitern. Verkauft werden die Schuhe unter den Markennamen Schuh-Mann und QUICK SCHUH. Wie PLUTA gegenüber unserer Redaktion erklärte, werden alle Filialen derzeit fortgeführt und auf deren Wirtschaftlichkeit überprüft. Eine Entscheidung steht noch aus.

Name Schuh Graf GmbH & Co. KG
Gründung 1938 in Stuttgart-Bad Cannstatt
Sitz Fellbach, Baden-Württemberg
Branche Schuhhandel
Mitarbeiter 160 (2025)
Insolvenzanmeldung (Eigenverwaltung) 3. Juni am Amtsgericht Stuttgart

„Mit der Eröffnung des Verfahrens wird Anfang September gerechnet“, erklärt der Generalbevollmächtigte Steffen Beck. „Das Unternehmen ist bis Ende des Jahres durchfinanziert.“ Die Filialen des in dritter Generation geführten Familienunternehmens befinden sich unter anderem am Gründungsort in Stuttgart-Bad Cannstatt, in Pforzheim, Esslingen am Neckar, Sinsheim und in Titisee-Neustadt im Schwarzwald.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Autozulieferer UBC Composites GmbH – rund 90 Mitarbeiter

Während die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für Schuh Graf noch aussteht, wurde ein solches für den Auto- und Motorsportzulieferer UBC Composites GmbH mit Sitz in Murr (Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) bereits am 1. Juni eröffnet, wie PLUTA erklärt. Der Geschäftsbetrieb läuft auch im eröffneten Verfahren fort und alle rund 90 Mitarbeiter sind weiterhin dort angestellt. Das Amtsgericht Heilbronn hat den Rechtsanwalt Sebastian Krapohl von der Kanzlei Görg zum Sachverwalter bestellt.

Name UBC Composites GmbH
Gründung 1993
Sitz Murr, Baden-Württemberg
Branche Autozulieferer, Motorsport, Aerospace
Mitarbeiter 90 (am Hauptsitz in Murr), 80 (am Standort in der Slowakei)
Insolvenzanmeldung (Eigenverwaltung) 20. März am Amtsgericht Heilbronn

Als Generalbevollmächtigte unterstützen Rechtsanwalt Philip Konen und Diplom-Betriebswirt Ludwig Stern den Prozess aber weiterhin. Die UBC Composites, die neben dem Hauptsitz in Murr auch einen Standort in der Slowakei betreibt, hatte bereits im Jahr 2018 ein Insolvenzverfahren durch einen Investoreneinstieg überstanden. Im Zuge dieses Verfahrens war jedoch ein zweites Produktionswerk in Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) geschlossen worden.

Im bisherigen zweiten Halbjahr 2025 ebbt die Insolvenzwelle in Deutschland nach wie vor nicht ab. Jüngst hat beispielsweise ein über 130 Jahre altes Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet.

Kommentare