Deutscher Autozulieferer meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an - wie geht es weiter?
VonJulian Baumann
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Ein weiterer deutscher Automobilzulieferer startet einen Sanierungsprozess. Dieser erfolgt in Eigenverwaltung, die Erfolgschancen stehen hoch.
Heilbronn/Murr - Nachdem jüngst ein bedeutender Autozulieferer aus Niedersachsen Insolvenz anmelden musste, ist auch bei einem weiteren Unternehmen aus Baden-Württemberg ein Sanierungsprozess notwendig. Wie die Ulmer Anwaltskanzlei PLUTA meldet, hat der Autozulieferer UBC Composites mit Sitz in Murr (Kreis Ludwigsburg) am Amtsgericht Heilbronn einen Antrag auf ein Eigenverwaltungsverfahren gestellt, dem das Gericht stattgegeben hat. Das Unternehmen hat bereits im Jahr 2018 eine Insolvenz durch einen Investoreneinstieg überstanden.
Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr
Das 1993 gegründete Unternehmen UBC Composites ist als Systemlieferant für Branchen wie der Autoindustrie und dem Motorsport, aber auch für den Bereich Aerospace tätig und umfasst neben dem Hauptsitz im baden-württembergischen Murr auch ein Tochterunternehmen in der Slowakei. Für dieses wurde laut der Mitteilung ebenfalls ein Sanierungsprozess gestartet, da das 2024 eröffnete Fertigungswerk derzeit nicht ausgelastet ist.
UBC Composites startet Sanierungsprozess - Geschäftsbetrieb soll uneingeschränkt weiterlaufen
In der Mitteilung wird als Grund für die notwendige Sanierung, die schwache konjunkturelle Lage sowie die schwierige Situation der Automobilindustrie genannt. Mit dem Verfahren in Eigenverwaltung hat UBC Composites die Restrukturierungsmaßnahmen in der eigenen Hand. „Die Eigenverwaltung ermöglicht es uns, unser Unternehmen aus eigener Kraft nachhaltig zu sanieren und strategisch neu auszurichten“, erklärt Geschäftsführer Peter Gerl. „Wir haben bereits ein Konzept erarbeitet und sind zuversichtlich, dass wir mit der Erfahrung unserer Belegschaft und den eingeleiteten Restrukturierungsschritten eine stabile Zukunft am Standort in Murr gestalten können.“
Name
UBC Composites GmbH
Gründung
1993 als UBC
Sitz
Murr, Baden-Württemberg
Branche
Autoindustrie, Luft- und Raumfahrtbranche
Mitarbeiter
90 in Murr, 80 beim Tochterunternehmen in der Slowakei
Der Geschäftsbetrieb soll vollumfänglich weitergeführt werden; die Löhne und Gehälter der rund 90 Mitarbeiter am Standort Murr sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. Unterstützt wird das Unternehmen von Rechtsanwalt Philip Konen und Diplom-Betriebswirt Ludwig Stern von PLUTA, die eine Generalhandlungsvollmacht erhalten haben. Zudem wurde Rechtsanwalt Sebastian Krapohl von der Kanzlei GÖRG wurde zum vorläufigen Sachverwalter bestellt. „Die UBC Composites erhält durch das Instrument der Eigenverwaltung nun Planungssicherheit für die kommenden Monate“, erklärt dieser.
UBC Composites: Bei vorheriger Insolvenz wurde ein Werk in Deutschland geschlossen
Aus der Mitteilung geht hervor, dass das Stammwerk von UBC Composites in Murr derzeit kostendeckend arbeitet, bei der Tochtergesellschaft in der Slowakei sieht das aber anders aus. Im Zuge der Sanierung wird geprüft, ob die Aufträge und Fertigungskapazitäten aus der Slowakei zurück nach Deutschland verlagert werden, um den Standort Murr optimal auslasten zu können. In den vergangenen Tagen wurden bereits Gespräche mit Kunden und Lieferanten geführt, die Folgebestellungen zugesagt haben. Kurzfristig wurde für UBC Composites zudem ein Investorenprozess in die Wege geleitet.
UBC Composites hatte im Jahr 2019 den operativen Geschäftsbetrieb vom Vorgängerunternehmen UBC übernommen, das im Vorjahr Insolvenz angemeldet hatte. Im Zuge dieser wurde das zweite Produktionswerk in Baden-Württemberg, in Freiberg am Neckar, das Produkte im Kleinserienbereich für Sportwagenbauer Porsche produzierte und vom Unternehmen angemietet wurde, Ende Januar 2019 geschlossen. Nun muss sich also auch das neue Unternehmen einem Sanierungsprozess unterziehen, die Vorzeichen stehen allerdings gut. Zuletzt hatte auch ein Weltmarktführer angekündigt, zwei deutsche Standorte schließen zu wollen.