Sanierungsprozess in eigener Hand

Deutscher Autozulieferer meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an - wie geht es weiter?

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Ein weiterer deutscher Automobilzulieferer startet einen Sanierungsprozess. Dieser erfolgt in Eigenverwaltung, die Erfolgschancen stehen hoch.

Heilbronn/Murr - Nachdem jüngst ein bedeutender Autozulieferer aus Niedersachsen Insolvenz anmelden musste, ist auch bei einem weiteren Unternehmen aus Baden-Württemberg ein Sanierungsprozess notwendig. Wie die Ulmer Anwaltskanzlei PLUTA meldet, hat der Autozulieferer UBC Composites mit Sitz in Murr (Kreis Ludwigsburg) am Amtsgericht Heilbronn einen Antrag auf ein Eigenverwaltungsverfahren gestellt, dem das Gericht stattgegeben hat. Das Unternehmen hat bereits im Jahr 2018 eine Insolvenz durch einen Investoreneinstieg überstanden.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Das 1993 gegründete Unternehmen UBC Composites ist als Systemlieferant für Branchen wie der Autoindustrie und dem Motorsport, aber auch für den Bereich Aerospace tätig und umfasst neben dem Hauptsitz im baden-württembergischen Murr auch ein Tochterunternehmen in der Slowakei. Für dieses wurde laut der Mitteilung ebenfalls ein Sanierungsprozess gestartet, da das 2024 eröffnete Fertigungswerk derzeit nicht ausgelastet ist.

UBC Composites startet Sanierungsprozess - Geschäftsbetrieb soll uneingeschränkt weiterlaufen

In der Mitteilung wird als Grund für die notwendige Sanierung, die schwache konjunkturelle Lage sowie die schwierige Situation der Automobilindustrie genannt. Mit dem Verfahren in Eigenverwaltung hat UBC Composites die Restrukturierungsmaßnahmen in der eigenen Hand. „Die Eigenverwaltung ermöglicht es uns, unser Unternehmen aus eigener Kraft nachhaltig zu sanieren und strategisch neu auszurichten“, erklärt Geschäftsführer Peter Gerl. „Wir haben bereits ein Konzept erarbeitet und sind zuversichtlich, dass wir mit der Erfahrung unserer Belegschaft und den eingeleiteten Restrukturierungsschritten eine stabile Zukunft am Standort in Murr gestalten können.“

Name UBC Composites GmbH
Gründung 1993 als UBC
Sitz Murr, Baden-Württemberg
Branche Autoindustrie, Luft- und Raumfahrtbranche
Mitarbeiter 90 in Murr, 80 beim Tochterunternehmen in der Slowakei

Der Geschäftsbetrieb soll vollumfänglich weitergeführt werden; die Löhne und Gehälter der rund 90 Mitarbeiter am Standort Murr sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. Unterstützt wird das Unternehmen von Rechtsanwalt Philip Konen und Diplom-Betriebswirt Ludwig Stern von PLUTA, die eine Generalhandlungsvollmacht erhalten haben. Zudem wurde Rechtsanwalt Sebastian Krapohl von der Kanzlei GÖRG wurde zum vorläufigen Sachverwalter bestellt. „Die UBC Composites erhält durch das Instrument der Eigenverwaltung nun Planungssicherheit für die kommenden Monate“, erklärt dieser.

UBC Composites: Bei vorheriger Insolvenz wurde ein Werk in Deutschland geschlossen

Aus der Mitteilung geht hervor, dass das Stammwerk von UBC Composites in Murr derzeit kostendeckend arbeitet, bei der Tochtergesellschaft in der Slowakei sieht das aber anders aus. Im Zuge der Sanierung wird geprüft, ob die Aufträge und Fertigungskapazitäten aus der Slowakei zurück nach Deutschland verlagert werden, um den Standort Murr optimal auslasten zu können. In den vergangenen Tagen wurden bereits Gespräche mit Kunden und Lieferanten geführt, die Folgebestellungen zugesagt haben. Kurzfristig wurde für UBC Composites zudem ein Investorenprozess in die Wege geleitet.

UPC Composite, ein Zulieferer für die Autoindustrie, hat ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestartet (Symbolfoto).

UBC Composites hatte im Jahr 2019 den operativen Geschäftsbetrieb vom Vorgängerunternehmen UBC übernommen, das im Vorjahr Insolvenz angemeldet hatte. Im Zuge dieser wurde das zweite Produktionswerk in Baden-Württemberg, in Freiberg am Neckar, das Produkte im Kleinserienbereich für Sportwagenbauer Porsche produzierte und vom Unternehmen angemietet wurde, Ende Januar 2019 geschlossen. Nun muss sich also auch das neue Unternehmen einem Sanierungsprozess unterziehen, die Vorzeichen stehen allerdings gut. Zuletzt hatte auch ein Weltmarktführer angekündigt, zwei deutsche Standorte schließen zu wollen.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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