Krieg schadet der Wirtschaft massiv

Insolvenzflut und Riesen-Inflation: Wie Putin innenpolitisch zunehmend in die Enge getrieben wird

  • schließen

Die Wirtschaft Russlands leidet schwer unter dem fortgesetzten Krieg in der Ukraine. Inflation und Leitzinsen haben ein Jahrzehnte-Hoch erreicht - und setzen den Herrscher Putin unter Druck.

Moskau - Die russische Zentralbank hat ihre Leitzinsen angesichts der anhaltend starken Preissteigerungen auf dem höchsten Niveau seit langem belassen. „Der derzeitige Inflationsdruck hat nachgelassen, ist aber nach wie vor hoch“, erklärte die Zentralbank am Freitag (21. März). Das Erreichen des Inflationsziels von vier Prozent werde „eine längere Periode der Beibehaltung straffer monetärer Bedingungen in der Wirtschaft“ erfordern.

Die Verbraucherpreise in Russland steigen seit Monaten stark. Im März erhöhte sich die Inflation weiter, erstmals seit zwei Jahren auf über zehn Prozent. Prognosen sehen durchschnittliche Preissteigerungen zwischen sieben und acht Prozent im Laufe des Jahres voraus. Die Zentralbank hatte die Leitzinsen im Oktober auf 21 Prozent angehoben und seitdem dabei belassen.

Folgen des Krieges und der Inflation: Insolvenzen schießen in Russland in die Höhe

Der anhaltend starke Preisanstieg ist eine direkte Konsequenz der massiv gestiegenen Staatsausgaben für das Militär, der westlichen Sanktionen sowie des Arbeitskräftemangels - hunderttausende Männer sind wegen der russischen Offensive in der Ukraine an der Front oder haben sich ins Ausland abgesetzt. Die Unternehmen müssen deshalb attraktive Gehälter anbieten, um Personal zu finden, was die Inflation anheizt. Die steigenden Preise sind ein Problem für Russlands Zivilbevölkerung, die sich für ihr Geld immer weniger leisten kann - was wiederum zum Problem für Wladimir Putin werden könnte, der mit der daraus entstehenden Unzufriedenheit klarkommen muss.

Wladimir Putin: Russlands Machthaber hat mit Lostreten des Krieges gegen die Ukraine der heimischen Wirtschaft schwer geschadet.

Der Leitzinssatz von 21 Prozent ist der höchste seit 2003. Unternehmen kritisieren die hohen Zinskosten, die ihre Investitionskapazitäten belasten. Im Januar warnte die in Moskau ansässige Wirtschaftsforschungsgruppe CMASF, dass Russland angesichts der hohen Zinssätze vor einem „massiven Anstieg der Unternehmensinsolvenzen“ stehe.

Umstieg auf Kriegswirtschaft: Russlands Wirtschaft wächst beachtlich - auf Kosten von Material und Soldaten

Russland verzeichnete im vergangenen Jahr zwar ein starkes Wirtschaftswachstum. Das Plus ist jedoch vor allem auf die massiven staatlichen Verteidigungsausgaben zurückzuführen, die 2025 nochmals um fast 30 Prozent steigen sollen. Das ist auch nötig, weil die russischen Verluste an der ukrainischen Front weiter hoch sind, sowohl was Material als auch Soldaten angeht. Wirtschaftswissenschaftler warnen, dass die Ausgaben nicht nachhaltig sind und keinen realen Produktivitätszuwachs widerspiegeln.

Analysten bezweifeln zudem, dass der straffe geldpolitische Kurs der Zentralbank die Inflationsproblematik lösen kann. Zinserhöhungen sind angesichts des hohen Niveaus der Staatsausgaben möglicherweise kein wirksames Mittel gegen die Inflation, denn die Idee einer restriktiven Geldpolitik ist, dass sich die Wirtschaft abkühlt und die Nachfrage sinkt. Der Staat reagiert aber deutlich weniger stark auf höhere Kreditkosten als die Privatwirtschaft. (afp, lf)

Rubriklistenbild: © Alexei Nikolsky / dpa

Kommentare