Erste Maßnahmen bekannt

Insolvenzverfahren läuft nun für deutschen Schuh-Händler – Filialzukunft weiter ungewiss

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Ein deutscher Schuh-Händler meldete im März Insolvenz in Eigenverwaltung an, nun wurde das offizielle Verfahren eröffnet. (Symbolfoto)
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Nach der vorläufigen Insolvenz wurde für eine Schuh-Kette nun das formelle Verfahren eingeleitet. Die Sanierung dauert an, die Zukunft der Filialen ist weiterhin offen.

Fellbach – Im Juni hatte der Schuh-Händler Schuh Graf mit Sitz in Fellbach (Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg) und insgesamt 27 Filialen in der Region einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das 1938 ursprünglich im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt gegründete Unternehmen verkauft Schuhe unter den Markennamen Schuh-Mann und QUICK SCHUH und beschäftigt insgesamt rund 160 Mitarbeiter. Rechtsanwalt Steffen Beck von der bundesweit tätigen Anwaltskanzlei PLUTA wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen.

Wie Steffen Beck erst vor wenigen Wochen auf Anfrage von IPPEN.MEDIA erklärte, werden derzeit alle 27 Filialen von Schuh Graf ohne Einschränkungen weitergeführt und auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. „Mit der Eröffnung des Verfahrens wird Anfang September gerechnet“, so der Sanierungsexperte. Nun erklärte PLUTA in einer Mitteilung, dass das Verfahren vom Amtsgericht Stuttgart offiziell eröffnet wurde und die bereits eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen weitergeführt werden können.

Insolvenz von Schuh Graf: Filialen in Altensteig und Esslingen werden geschlossen

„Mit der Eröffnung des Verfahrens haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht“, erklärt Steffen Beck in der aktuellen Mitteilung zur Insolvenzeröffnung. „Jetzt gilt es, die eingeleiteten Maßnahmen weiter umzusetzen und mit den Beteiligten tragfähige Lösungen für die Zukunft des Unternehmens zu entwickeln.“ Da sich Schuh Graf künftig auf die wirtschaftlich rentablen Filialen im Netzwerk konzentrieren will, wird die Überprüfung der einzelnen Standorte fortgesetzt. Dabei gibt es bereits erste eingeleitete Maßnahmen, die konkret zwei Standorte betreffen.

Name Schuh Graf GmbH & Co. KG
Gründung 1938 in Stuttgart-Bad Cannstatt
Sitz Fellbach, Baden-Württemberg
Branche Schuhhandel
Mitarbeiter 160 (2025)
Filialen 27 (25 in Baden-Württemberg, jeweils eine in Rheinland-Pfalz und Hessen)

Demnach werden die Schuh Mann-Filialen in Altensteig und Esslingen geschlossen und die dortigen Mitarbeiter wechseln an andere Standorte. Aussagen zu den verbleibenden Filialen des Schuh-Händlers können dagegen noch nicht getätigt werden. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unser Unternehmen gemeinsam mit unseren Partnern auf einen stabilen Kurs bringen können“, wird Geschäftsführer Götz M. Graf zitiert. „Unser Dank gilt insbesondere unseren Mitarbeitern, die den eingeschlagenen Weg mit großem Engagement unterstützen.“ Der Betrieb soll aber unter Vollkosten weitergeführt werden.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Schuh Graf: Filialen werden weiterhin auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft

Die Fortsetzung der bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren angestoßenen Maßnahmen umfasst demnach weiterhin die Überprüfung der einzelnen Filialen von Schuh Graf sowie die Anpassung der Prozesse. „Das Verfahren zeigt, dass eine Sanierung im Rahmen der Eigenverwaltung im stationären Handel möglich ist“, erklärt Sachverwalter Tibor Daniel Braun von der Stuttgarter Kanzlei Illig Braun Krischnek. „Ich werde den Prozess weiterhin konstruktiv begleiten und die Interessen der Gläubiger wahren.“

Jüngst berichtete unsere Redaktion auch über die Insolvenz eines Stahlhändlers aus Baden-Württemberg.

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