Insolvenzwelle nimmt dramatisch zu: Diese 3 Branchen trifft es am härtesten
VonMarcel Reich
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Dramatischer Anstieg der Insolvenzwelle in Deutschland: Firmenpleiten klettern um 12 Prozent. Schäden für Gläubiger verdoppeln sich auf 5,4 Milliarden Euro.
.„Die wirtschaftliche Lage bleibt äußerst angespannt – und sie kostet immer mehr Unternehmen die Existenz“, warnt DIHK-Chefanalyst Volker Treier angesichts der dramatischen Entwicklung.
„Seit zwölf Jahren nicht mehr so viele Betriebe“: DIHK-Experte warnt vor historischer Insolvenz-Dimension
Noch alarmierender fallen die endgültigen Zahlen für August aus. In diesem Monat meldeten die Amtsgerichte 1979 beantragte Firmeninsolvenzen – ein Anstieg von gut 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die finanziellen Auswirkungen haben sich dabei mehr als verdoppelt: Die Forderungen der Gläubiger belaufen sich auf rund 5,4 Milliarden Euro, während es im Vorjahresmonat noch 2,3 Milliarden Euro waren.
Besonders stark betroffen von der Insolvenzwelle sind die Branchen Verkehr und Lagerei, dicht gefolgt vom Baugewerbe und der Gastronomie. Auf 10.000 Unternehmen kamen im August durchschnittlich 5,7 Insolvenzen. Treier betont die historische Dimension: „Seit zwölf Jahren mussten in einem August nicht mehr so viele Betriebe ihr Geschäft einstellen und insgesamt aufgeben.“
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Die Statistik erfasst die Verfahren allerdings erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts. Der eigentliche Insolvenzantrag liegt in der Regel etwa drei Monate zurück.
Dramatische Zahlen: Auf 10.000 Unternehmen kommen jetzt 5,7 Insolvenzen
Neben den Unternehmen geraten auch immer mehr Privatpersonen in finanzielle Schwierigkeiten. Die Zahl der Verbraucherpleiten stieg im August um gut acht Prozent auf 6132 Fälle. Die Gründe für die anhaltende Pleitewelle sind vielfältig. Teure Energie, überbordende Bürokratie und die Konsumzurückhaltung der Verbraucher setzen den Unternehmen zu.
Hinzu kommt, dass staatliche Ausnahmeregelungen aus der Corona-Zeit mittlerweile ausgelaufen sind. Diese hatten vorübergehend eine größere Insolvenzwelle verhindert.
Der DIHK fordert angesichts der kritischen Lage schnelle Entlastungen für die Wirtschaft. Die von der Bundesregierung vorgelegten Maßnahmen zum Bürokratieabbau seien nur ein erster Schritt.
Bis 2027 keine Besserung: Warum 24.500 deutsche Firmen vor dem Aus stehen
„Die versprochene Stromsteuersenkung für alle Betriebe darf nicht länger aufgeschoben werden“, mahnt Treier. Zudem müssten die steigenden Sozialabgaben begrenzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter zu gefährden. Für das kommende Jahr rechnet der Kreditversicherer Allianz Trade mit einem weiteren leichten Anstieg der Firmeninsolvenzen um ein Prozent auf 24.500 Fälle.
Besonders die Folgen der Handelskonflikte könnten laut einer aktuellen Studie die Widerstandsfähigkeit vieler Unternehmen auf die Probe stellen. Eine Trendwende wird erst für 2027 erwartet. Dann könnte sich die Lage in Deutschland aufhellen – auch dank Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung.