Bis 2027 keine Besserung

Insolvenzwelle nimmt dramatisch zu: Diese 3 Branchen trifft es am härtesten

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Dramatischer Anstieg der Insolvenzwelle in Deutschland: Firmenpleiten klettern um 12 Prozent. Schäden für Gläubiger verdoppeln sich auf 5,4 Milliarden Euro.

München – Die Insolvenzwelle in der deutschen Wirtschaft verschärft sich weiter. Immer wieder geraten alteingesessene, einst erfolgreiche Unternehmen und Betriebe in die Insolvenz. So zum Beispiel ein langjähriges Busunternehmen. Oder eine traditionsreiche Brauerei. Im Oktober stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

.„Die wirtschaftliche Lage bleibt äußerst angespannt – und sie kostet immer mehr Unternehmen die Existenz“, warnt DIHK-Chefanalyst Volker Treier angesichts der dramatischen Entwicklung.

Neben den Unternehmen geraten auch immer mehr Privatpersonen in finanzielle Schwierigkeiten.

„Seit zwölf Jahren nicht mehr so viele Betriebe“: DIHK-Experte warnt vor historischer Insolvenz-Dimension

Noch alarmierender fallen die endgültigen Zahlen für August aus. In diesem Monat meldeten die Amtsgerichte 1979 beantragte Firmeninsolvenzen – ein Anstieg von gut 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die finanziellen Auswirkungen haben sich dabei mehr als verdoppelt: Die Forderungen der Gläubiger belaufen sich auf rund 5,4 Milliarden Euro, während es im Vorjahresmonat noch 2,3 Milliarden Euro waren.

Besonders stark betroffen von der Insolvenzwelle sind die Branchen Verkehr und Lagerei, dicht gefolgt vom Baugewerbe und der Gastronomie. Auf 10.000 Unternehmen kamen im August durchschnittlich 5,7 Insolvenzen. Treier betont die historische Dimension: „Seit zwölf Jahren mussten in einem August nicht mehr so viele Betriebe ihr Geschäft einstellen und insgesamt aufgeben.“

Kennen Sie diese Modemarken noch? Diese Firmen sind aus Deutschland verschwunden

22.10.2024, Deutschland, NRW, Einzelhandel, Mode, Die Esprit Filiale am Limbecker Platz in Essen steht vor der Schliessu
Einst war Esprit ein deutsches Vorzeigeunternehmen. Die deutsche Modemarke kannte so gut wie jeder und galt lange als begehrt. Doch dann kam 2024 der Schock: Esprit Europe hat die Insolvenz im Frühsommer angemeldet, bis zum Jahresende wurden alle Läden geschlossen. Die Marke wurde zwischenzeitlich zwar übernommen, doch ein Stück deutsche Geschichte ist damit von der Bildfläche verschwunden.  © IMAGO/D. Kerlekin/Snowfield Photograph
Bench Modelabel *** bench fashion label
Kennen Sie diese Marke noch? In den 2000er Jahren gab es um Bench einen regelrechten Hype. Doch 2018 geriet das britische Unternehmen in Schieflage und meldete Insolvenz an. Das Ladengeschäft wurde abgewickelt und die Marke verschwand aus den Innenstädten. Doch es gibt Bench noch immer: Wer die alte Skateboard-Marke noch vermisst, kann Kleidungsstücke im Online-Store kaufen.  ©  via www.imago-images.de
Escada Store in London Chelsea - LONDON, UNITED KINGDOM - DECEMBER 20, 2022
Sogar Luxusunternehmen sind nicht von den Schwierigkeiten in der Modewelt verschont. Escada gehörte einst zu den bekanntesten Luxuslabels der Welt. Sie wurde 1976 von Margaretha Ley gegründet und war bis in die 1990er Jahre erfolgreich. Escada verkaufte Damenbekleidung, Accessoires, Schmuck und Düfte. Es gab in den 2000er Jahren dann mehrere Insolvenzen, die erste 2009, eine weitere folgte 2020. Escada als Marke existiert zwar heute noch, doch eigene Filialen sind so gut wie verschwunden. Die besten Jahren sind wohl vorbei.  © 4kclips via imago-images.de
Oberhausen, Germany - February 11. 2020: View on entrance of Topshop fashion chain store
Topshop ist eine britische Modefirma, die durch ihren rasenden Erfolg in der Heimat in den 2000er Jahren Filialen auf der ganzen Welt hatte. Topshop war als Fast Fashion Unternehmen bekannt, die ihre Produkte zu Tiefpreisen anbot. Dabei arbeitete die Firma auch mit Berühmtheiten wie Beyoncé und Kate Moss zusammen. 2020 geriet der Mutterkonzern durch die Pandemie aber in Schieflage und meldete in Großbritannien die Insolvenz an. 2021 wurden Topshop von Asos gekauft, die meisten Filialen wurden damals aber schon aufgegeben – auch in Deutschland. Asoso hat 2024 weitere Anteile der Marke verkauft.  © Copyright: xmobilinchenx via ima
Scotch & Soda, Kurfürstendamm, Charlottenburg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin, Deutschland *** Scotch Soda, Kurfürst
An diese Marke müssten sich die meisten noch erinnern können, denn sie ist erst 2024 in die Insolvenz gerutscht. Die niederländische Marke Scotch & Soda hat in diesem Zusammenhang beschlossen, alle deutschen Filialen zu schließen. Hierzulande kann man Kleidung der Marke aber noch online kaufen, zum Beispiel bei Breuninger oder Zalando.  © Schoening via www.imago-images.de
RECORD DATE NOT STATED The Forever 21 store is one of AR Holdings brands EDITORIAL USE ONLY Photography PUBLICATIONxNOT
Forever 21 war eine weitere Erfolgsmarke in der Welt von Fast Fashion. Die US-amerikanische Firma hatte einst Filialen auf der ganzen Welt – auch in Deutschland. 2019 geriet die Firma aber in Schieflage. 178 Geschäfte in den USA mussten damals schließen und es wurden alle Standorte in Europa und Asien komplett aufgegeben. Heute gibt es die Marke nur noch in Amerika.  © IMAGO/PHOTOFILMCR
Paris, France - February 27, 2023: Exterior view of a Promod store, a French clothing company specia
Promod war eine Modemarke aus Frankreich, die 1975 schon gegründet wurde und dort jahrzehntelang erfolgreich war. Die Firma hatte zunächst nur Standorte in Frankreich und Belgien, doch in den 90er Jahren wagte Promod dann die weitere Expansion. 2014 hatte die Marke weltweit über 1000 Filialen in 52 Ländern. Dann kam die Insolvenz und 2016 wurde die Hälfte aller Filialen geschlossen. In Deutschland wurden alle Standorte geschlossen – die Firma bleibt aber in Frankreich noch bestehen.  © HJBC via imago-images.de
Gegen die Firma RENO aus Osnabrueck wurde beim Amtsgericht Hameln ein Insolvenzverfahren eroeffnet, betroffen sind der M
Für den Schuhhändler Reno ging es 2023 in die Insolvenz. Den Händler gibt es tatsächlich auch noch vereinzelt, aber im Zuge des Insolvenzverfahrens wurden die meisten Filialen geschlossen. Alle Standorte im Ausland wurden dichtgemacht und in Deutschland bleiben von den einst 150 Läden nur noch 26.  © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON
Die Hallhuber GmbH ist ein Bekleidungshaus in München, das 1977 gegründet wurde. Es verkauft Oberbekleidung für Frauen.
Dieses 1977 gegründete Unternehmen stand einst auch für Eleganz und Professionalität. Hallhuber war eine deutsche Qualitätsmarke. Doch mit den Jahren ist die Marke immer wieder in die Pleite gerutscht. 2020 hat es eine Insolvenz gegeben, die Firma wurde aber gerettet. Doch das währte nicht lange und 2023 musste ein neues Insolvenzverfahren gestartet werden. Es konnte kein Investor gefunden werden – und die Marke verschwand von der Bildfläche. Wie im Fall von Esprit wurden auch von Hallhuber die Namensrechte gekauft, sodass man Kleidung unter diesem Namen noch kaufen kann. Mit dem Ursprungsunternehmen hat dies aber nichts mehr zu tun.  © IMAGO/Manfred Segerer
P&C exisitiert noch in Deutschland.
Keine Sorge: Peek und Cloppenburg ist nicht verschwunden, die Firma hat ihre Insolvenz im Jahr 2023 erfolgreich abgeschlossen. Es wurden zwar Stellen abgebaut, doch das Kaufhaus existiert noch. Vielmehr steht P&C hier in dieser Reihe für eine Vielzahl an Unternehmen aus der Modebranche, die es erstmal geschafft haben. So wie SportScheck, Galeria, und Gerry Weber, die es ebenfalls jüngst geschafft haben. Die Modebranche befindet sich in ständigem Wandel – einst erfolgreich Unternehmen können von einem Tag auf den anderen verschwinden.  © IMAGO/imageBROKER/Wilfried Wirth

Die Statistik erfasst die Verfahren allerdings erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts. Der eigentliche Insolvenzantrag liegt in der Regel etwa drei Monate zurück.

Dramatische Zahlen: Auf 10.000 Unternehmen kommen jetzt 5,7 Insolvenzen

Neben den Unternehmen geraten auch immer mehr Privatpersonen in finanzielle Schwierigkeiten. Die Zahl der Verbraucherpleiten stieg im August um gut acht Prozent auf 6132 Fälle. Die Gründe für die anhaltende Pleitewelle sind vielfältig. Teure Energie, überbordende Bürokratie und die Konsumzurückhaltung der Verbraucher setzen den Unternehmen zu.

Hinzu kommt, dass staatliche Ausnahmeregelungen aus der Corona-Zeit mittlerweile ausgelaufen sind. Diese hatten vorübergehend eine größere Insolvenzwelle verhindert.

Der DIHK fordert angesichts der kritischen Lage schnelle Entlastungen für die Wirtschaft. Die von der Bundesregierung vorgelegten Maßnahmen zum Bürokratieabbau seien nur ein erster Schritt.

Bis 2027 keine Besserung: Warum 24.500 deutsche Firmen vor dem Aus stehen

„Die versprochene Stromsteuersenkung für alle Betriebe darf nicht länger aufgeschoben werden“, mahnt Treier. Zudem müssten die steigenden Sozialabgaben begrenzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter zu gefährden. Für das kommende Jahr rechnet der Kreditversicherer Allianz Trade mit einem weiteren leichten Anstieg der Firmeninsolvenzen um ein Prozent auf 24.500 Fälle.

Besonders die Folgen der Handelskonflikte könnten laut einer aktuellen Studie die Widerstandsfähigkeit vieler Unternehmen auf die Probe stellen. Eine Trendwende wird erst für 2027 erwartet. Dann könnte sich die Lage in Deutschland aufhellen – auch dank Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung.

Allianz Trade prognostiziert für diesen Zeitpunkt einen Rückgang der Insolvenzen um etwa vier Prozent auf 23.500 Fälle. (mare/dpa)

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