VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Busunternehmen stellt Insolvenzantrag. Warum es dazu kam, bleibt noch offen. Die Pleite fügt sich in einen beunruhigenden Trend der deutschen Wirtschaft ein.
Budenheim – Die Insolvenzen reißen nicht ab. Erst kürzlich musste ein wichtiger deutscher Maschinenbauer den Schritt in die Insolvenz gehen, eine Traditionsbrauerei schloss ihre Tore, die Insolvenz einer Klinik war schon von Mitarbeitern erwartet worden und dann traf es auch noch einen Münchner Dienstleister. Eine neue Insolvenz betrifft ein Busunternehmen aus dem Main-Gebiet.
Busunternehmen muss Insolvenz anmelden – nach mehr als 25 Jahren im Dienst
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass auch das Busunternehmen Würzburger & Co. KG aus Budenheim nicht von der Insolvenzwelle verschont bleibt. Verschiedene Medien berichteten übereinstimmend, dass das zuständige Amtsgericht Mainz am 31. Oktober ein Insolvenzverfahren eröffnet hat. Zum Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Jörg Lehr berufen worden.
Auf der eigenen Homepage präsentiert sich das Unternehmen als führender Bus- und Mietwagenunternehmer in der Rhein-Main-Region. Seit 1998 bietet es Busreisen und Chauffeur-Dienstleistungen an. Darunter fallen wiederkehrende Fahrdienstleistungen, individuelle Tagesfahrten und Zubringerdienste zu Flughäfen. Die Würzburger & Co. KG hat einen Hauptstandort in Budenheim, Rheinland-Pfalz, sowie eine Zweigstelle in Lonsheim bei Alzey.
Auf Nachfrage durch IPPEN.MEDIA, wie es mit dem Unternehmen weitergeht und wie die Insolvenz die Mitarbeiter betrifft, haben sich das Unternehmen und der Insolvenzverwalter nicht gemeldet. Für gewöhnlich gibt es in solchen Situationen ein dreimonatiges Insolvenzgeld, das die Gehälter deckt – insolvente Unternehmen führen den Geschäftsbetrieb dann weiter, während sie Investoren suchen.
Insolvenzen reißen nicht ab – erwarten „höchstes Niveau seit 20 Jahren“
Die immer neuen Insolvenzmeldungen sind dabei Teil eines Trends, der so schnell nicht nachlassen soll. Im Gegenteil: Ökonomen warnen derzeit vor einem mehrjährigen Insolvenz-Höchststand. „Wir erwarten das höchste Insolvenz-Niveau seit 20 Jahren“, zitierte die WirtschaftsWoche den Leiter der IWH-Insolvenzforschung Steffen Müller. Im Vergleich zum Vormonat habe die Summe der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften im Oktober um fünf Prozent zugelegt – auf 1.553. Gegenüber dem Vorjahr liege ein Plus um zwei Prozent vor, gegenüber dem langjährigen Schnitt zwischen 2016 und 2019 soll es ein Plus um 68 Prozent sein.
Im zweiten und dritten Quartal 2025 sollen die Ökonomen bei Personen- und Kapitalgesellschaften Werte beobachtet haben, wie es sie zuletzt 2005 gegeben hatte. Das hatte eine Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ergeben.
Sandra Gottschalk, eine Ökonomin vom ZEW in Mannheim, gab als Gründe unter anderem die weltpolitischen Krisen und die „tiefgreifenden strukturellen Marktveränderungen“ an. Der demografisch bedingte Fachkräftemangel, Nachfolgeprobleme, überbordende Bürokratie und eine zu starke Konkurrenz üben einen erheblichen Druck auf deutsche Unternehmen aus.
