Kartell treibt Öl-Förderung weiter an – Putin-Maßnahme könnte trotzdem den Preis treiben
VonLars-Eric Nievelstein
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Es könnte wieder mehr Öl auf den Weltmarkt kommen. Gleichzeitig steht ein Opec+-Mitglied unter Druck. Das hat Konsequenzen für Russlands Wirtschaft.
Moskau – Das Ölförderkartell Opec (zusammen mit einigen verbündeten Ländern auch Opec+ genannt) will offenbar ihre Förderziele weiter anheben. Darauf sollen sich mehrere Ölproduzenten, die sich im Kartell befinden, geeinigt haben. Laut der Nachrichtenagentur Reuters geht es um eine Erhöhung um 137.000 Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) pro Tag, die ab Dezember gelten soll. Im September noch hatte das Kartell die Produktion um 547.000 Barrel pro Tag angehoben. Die neuerliche Erhöhung fällt also vergleichsweise gering aus.
Opec+ will Öl-Produktion steigern – bei Russland tun sich Probleme auf
Ein Ölförderturm in Russland (Symbolfoto). Es könnte wieder mehr Öl auf den Weltmarkt kommen. Gleichzeitig steht ein Opec+-Mitglied unter Druck. Das hat Konsequenzen für Russlands Wirtschaft.
Bei alldem hat die Opec+ ein größeres Problem: Russland. Der Kreml leidet derzeit immer mehr unter den Sanktionen der westlichen Ukraine-Verbündeten. Erst kürzlich hatten die USA unter Präsident Donald Trump zwei wichtige Öl-Konzerne sanktioniert, was Russlands Kapazität zur Ölförderung beeinträchtigen könnte. Beide Konzerne, sowohl Lukoil als auch Rosneft, hatten nur wenige Wochen vorher erhebliche Einbrüche bei den Gewinnzahlen berichtet.
Russlands Öl-Abhängigkeit sorgt für verzweifelte Maßnahmen – „Rettungsleinen sind nicht ohne Grenzen“
Genau darauf zielt der Westen mit den Sanktionen ab. Der Sektor ist dermaßen wichtig für Russland, dass die Regierung zu extremen Maßnahmen greift, um die Verluste aus der Ölbranche abzufedern. Moskau wird, je stärker der Westen die Ölprofite minimiert, dazu gezwungen sein, den NWF weiter anzuzapfen und sich stärker zu verschulden. „Diese Rettungsleinen sind nicht ohne Grenzen“, warnte das Center for Strategic and International Studies (CSIS) in einer aktuellen Analyse.
Schon jetzt stehe Russland vor einem sich aufblähenden Haushaltsdefizit. Dieses übertreffe den Jahreshaushalt um ein Viertel. Die Kriegsausgaben laufen weiter, Öl-Einnahmen bleiben hinter den Erwartungen zurück.
Sanktionen und Förderplus – Auswirkungen auf Russlands Öl-Wirtschaft
Beides zusammen (sowohl die Opec-Fördersteigerungen als auch die Sanktionen) könnten allerdings auch einen unerwünschten Effekt auslösen. Wenn das russische Öl vom Markt verschwindet, könnte die globale Menge gering genug sein, um eine Preissteigerung zu verursachen. Das hängt jedoch erheblich davon ab, wie rigoros der Westen seine Sanktionen durchsetzen kann. Der Thinktank Atlantic Council gab dazu an, dass die USA, Großbritannien und die EU zeigen müssten, wie schnell und hart sie Unternehmen, die russisches Öl kaufen, bestrafen können.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Das wiederum kann genügend Angst bei Russlands Ölkunden erzeugen, um die Importe auf dem Seeweg zu reduzieren. Atlantic Council schlägt dabei vor, dass Trump öffentlichkeitswirksame Beispiele setzen sollte, danach müssten Indien und China jedoch die Versicherung erhalten, nicht zu lange von russischem Öl abgeschnitten zu sein. Jedenfalls nicht, sofern Putin schnell Verhandlungen aufnimmt.
„Ein solcher Schritt würde die Ölpreise zwar ansteigen lassen, möglicherweise auf 80 US-Dollar oder mehr“, warnte der Thinktank. Allerdings wären die Auswirkungen auf die Endkunden wirtschaftlich „nicht katastrophal“. Da sich Russland ohnehin in einer Treibstoffkrise befindet und den Export beschränkt hat, ist fraglich, ob es tatsächlich einen größeren Effekt geben würde.
Opec+-Entscheidung steht aus – Auswirkungen sind noch unklar
Wie geht es weiter? Die endgültige Entscheidung über die Fördererhöhung soll am Sonntag (2. November) später am Tag fallen. Die Opec stellt regelmäßig klar, dass sie den Output jederzeit anpassen kann, sollten sich Schwierigkeiten an den Märkten zeigen. Inwiefern sich die neuen US-Sanktionen auf die Ölversorgung auswirken werden, könne noch nicht fest evaluiert werden, sollen mehrere Opec+-Offizielle der Preisberichtsagentur Argus Media mitgeteilt haben. (Laernie mit Material von Reuters)