- VonMax Schäferschließen
Zum 1. Juli bekommen Rentner mehr Geld. Künftig könnten Erhöhungen jedoch ausbleiben, warnen Experten. Bisher war das eine Ausnahme.
Hamm – Rentner bekommen ab dem 1. Juli mehr Geld. Konkret beträgt die Rentenerhöhung 3,74 Prozent. Ein Rentenpunkt ist dann 40,79 Euro wert. Damit die Altersbezüge weiterhin steigen, müsse die Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz handeln, warnte jedoch die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, bei IPPEN.MEDIA. Wenn das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent nicht gesichert werden, „wird es bald keine Rentenerhöhungen mehr geben“.
Rentenerhöhung ab Juli: Steigerung der Bezüge nicht garantiert
Tatsächlich sind Rentenerhöhungen nicht garantiert. Nullrunden sind möglich – und sind in der Vergangenheit bereits mehrfach vorgekommen. Zuletzt war das im Corona-Krisenjahr 2021 der Fall. Ein Rentenpunkt blieb dabei 34,19 Euro wert. Immerhin: In den folgenden Jahren gab es eine der größten Erhöhungen von 5,36 Prozent. Auch 2023 (4,36 Prozent) und 2024 (4,57 Prozent) siegen die Bezüge deutlich. Im Vergleich sind diese Jahre außerhalb der Norm, auch wenn sich der Rentenwert seit 35 Jahren verdoppelt hat.
Nullrunden wie 2021 sind dabei jedoch eine Ausnahme. Davor ist die Rente 2010 nicht gestiegen – in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise. Das Durchschnittsgehalt war im Vorjahr um 0,39 Prozent zurückgegangen. Rentner hatten für einen Entgeltpunkt 27,20 Euro pro Monat erhalten.
Nullrunden für Rentner bleiben in den letzten Jahren eine Ausnahme
Von 2004 bis 2006 gab es in drei Jahren in Folge keine Rentenerhöhung. Bezieher mussten mit 26,13 Euro pro Punkt auskommen, was nach 45 Beitragsjahren mit einem Durchschnittsgehalt einer Standardrente von 1175,85 Euro entsprochen hat. Hintergrund war auch hier die relative Stagnation der Löhne und Gehälter. 2004 waren diese lediglich um 0,42 Prozent, 2005 um 0,49 Prozent und 2006 um ein Prozent gestiegen.
| Jahr | Rentenwert (in Euro) | Rentenerhöhung im Vgl. zum Vorjahr | Durchschnittsentgelt (in Euro) |
|---|---|---|---|
| 1991 | 21,19 | – | 22.712 |
| 1992 | 21,80 | 2,88 % | 23.939 |
| 1993 | 22,75 | 4,36 % | 24.633 |
| 1994 | 23,52 | 3,38 % | 25.126 |
| 1995 | 23,64 | 0,51 % | 25.905 |
| 1996 | 23,86 | 0,93 % | 26.423 |
| 1997 | 24,26 | 1,68 % | 26.660 |
| 1998 | 24,36 | 0,41 % | 27.060 |
| 1999 | 24,69 | 1,35 % | 27.358 |
| 2000 | 24,84 | 0,61 % | 27.741 |
| 2001 | 25,31 | 1,89 % | 28.231 |
| 2002 | 25,86 | 2,17 % | 28.626 |
| 2003 | 26,13 | 1,04 % | 28.938 |
| 2004 | 26,13 | keine | 29.060 |
| 2005 | 26,13 | keine | 29.202 |
| 2006 | 26,13 | keine | 29.494 |
| 2007 | 26,27 | 0,54 % | 29.951 |
| 2008 | 26,56 | 1,10 % | 30.625 |
| 2009 | 27,20 | 2,41 % | 30.506 |
| 2010 | 27,20 | keine | 31.144 |
| 2011 | 27,47 | 0,99 % | 32.100 |
| 2012 | 28,07 | 2,18 % | 33.002 |
| 2013 | 28,14 | 0,25 % | 33.659 |
| 2014 | 28,61 | 1,67 % | 34.514 |
| 2015 | 29,21 | 2,10 % | 35.363 |
| 2016 | 30,45 | 4,25 % | 36.187 |
| 2017 | 31,03 | 1,90 % | 37.077 |
| 2018 | 32,03 | 3,22 % | 38.212 |
| 2019 | 33,05 | 3,18 % | 39.301 |
| 2020 | 34,19 | 3,45 % | 39.167 |
| 2021 | 34,19 | keine | 40.463 |
| 2022 | 36,02 | 5,35 % | 42.053 |
| 2023 | 37,60 | 4,36 % | 44.732 |
| 2024 | 39,32 | 4,57 % | 45.358 |
| 2025 | 40,79 | 3,74 % | 50.493 (vorläufig) |
Höhe der Rente orientiert sich an der Lohnentwicklung
Die Lohn- und Gehaltsentwicklung ist bei der Berechnung des Rentenwerts entscheidend. Denn die Renten sind an die Lohnentwicklung des Vorjahrs gekoppelt. Dabei werden diejenigen berücksichtigt, die auch tatsächlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Selbstständige und Beamte fallen damit weg.
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Dazu wird das Verhältnis aus Erwerbstätigen, die Beiträge einzahlen und das System finanzieren, und Rentnern berücksichtigt, um die ohnehin knappe Finanzierung nicht durch ein zu starkes Wachstum zu belasten. Gleichzeitig schützt die sogenannte untere Haltelinie Rentner. Das Rentenniveau von bisher 48 Prozent regelt, dass ein Rentner nach 45 Beitragsjahren mit einem Durchschnittsgehalt 48 Prozent seiner vorherigen Bezüge ist.
Rentenniveau von 48 Prozent sorgt für stärkere Erhöhung
Bei der aktuellen Erhöhung zum 1. Juli 2025 hat diese untere Haltelinie dafür gesorgt, dass die Renten stärker gestiegen sind, als vorher erwartet. Denn die Löhne und Gehälter der Versicherten sind 2024 um 3,69 Prozent gewachsen, die Erhöhung fiel jedoch mit 3,74 Prozent höher aus, da die Standardrente sonst unter 48 Prozent des Durchschnittsgehalts gefallen wäre.
Wer eine zu geringe Rente bezieht und sein Existenzminimum damit nicht decken kann und die Grundsicherung im Alter bezieht, profitiert dagegen nicht von der Entwicklung. Denn die Bezüge dieser Rentner entsprechen dem Bürgergeld-Regelsatz. Dieser liegt seit Januar 2024 bei 563 Euro im Monat, 2025 gab es eine Nullrunde. Auch 2026 bleibt es laut bisherigen Erwartungen dabei. Mit der neuen Grundsicherung könnte es auch 2027 nicht mehr geben.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Lobeca/Ralf Homburg
