Fehlende Azubis

2,6 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss: Kreative Lösungen gegen den Fachkräftemangel

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Deutsche Unternehmen klagen über Fachkräftemangel, während Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss bleiben. KI und sogar eine „Dating-Plattform“ könnten helfen.

Kiel – Auf den ersten Blick scheint es paradox: Fast alle Unternehmen in Deutschland beklagen einen Mangel an Fachkräften und Auszubildenden. Zuletzt waren landesweit über 70.000 Stellen unbesetzt, ein Rekordhoch. Gleichzeitig gab es im Jahr 2021 über 2,6 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsabschluss. Es gibt also potenzielle Fachkräfte für die Zukunft, aber sie finden nicht den Weg in die Unternehmen. Liegt es an einer veralteten Berufsorientierung in der Schule? Das sagt die Kieler Unternehmerin Julia Brenner.

Azubi- und Fachkräftemangel wegen veralteter Berufsorientierung?

„Die Berufsorientierung muss zeitgemäß sein“, betont Brenner und kritisiert, dass dies schon lange nicht mehr der Fall ist. „Wir beobachten die Problematik seit Jahren.“ Brenner hat sich jahrelang mit der Vernetzung von jungen Menschen und Unternehmen beschäftigt. „In Schulen läuft die Berufsorientierung meist in Form von Tests, oft mit einem Programm der Agentur für Arbeit. Das dauert zwei Stunden und Jugendliche geben regelmäßig Rückmeldungen, dass sie damit überhaupt nicht zufrieden sind“, erklärt Brenner. „Hier treffen zwei vollkommen unterschiedliche Welten aufeinander.“

Berufsorientierung ist ein fester Bestandteil der Lehrpläne in Schulen, oft ergänzt durch Praktika, um die passenden Unternehmen kennenzulernen. Doch nicht nur Brenner äußert Kritik an diesem System. Auch auf dem Fachkräftekongress der Bundesregierung, der vor einigen Wochen in Berlin stattfand, äußerten junge Auszubildende ihre Bedenken. Sie bemängelten in direkten Gesprächen mit den Bundesministern Hubertus Heil (Arbeit und Soziales, SPD), Bettina Stark-Watzinger (Bildung, FDP) und Vizekanzler Robert Habeck (Wirtschaft, Grüne), dass die Berufsorientierung zu wenig Orientierung und Praxiserfahrung biete.

„Dating-Plattform“ für Berufe

Um diesem Problem zu begegnen, hat Brenner 2023 das Projekt broodi ins Leben gerufen. „Man kann es sich wie eine Art Dating-Plattform vorstellen – nur eben für Berufe“, beschreibt Brenner. Die Idee ist, junge Menschen und Unternehmen auf einer Plattform zusammenzubringen und basierend auf ihren jeweiligen Stärken ein „Match“ zu finden, ganz wie bei einer Dating-App. Der erste Kontakt zwischen potenziellem Auszubildenden oder Praktikanten und dem Unternehmen kann auf der Plattform hergestellt werden. Brenner setzt dabei auf KI und ein digitales Orientierungsprogramm für Schülerinnen und Schüler. „Auf unserer Plattform dauert der Test fünf bis zehn Minuten und es kommt bei den jungen Menschen gut an, sie registrieren sich reihenweise.“

Die Unternehmerin plädiert dafür, moderne und digitalisierte Modelle der Berufsorientierung besser in Schulen zu integrieren. Doch bisher hält sich die Begeisterung bei den zuständigen Behörden und Unternehmen laut Brenner in Grenzen. Angesichts der Krise bei Fachkräften und Ausbildung wünscht sich die Unternehmerin mehr Mut für kreative Ansätze. „Die Politik scheint trotz der großen Probleme nicht um die Ecke zu denken und neue Wege gehen zu wollen.“

Die Politik sieht in der Berufsorientierung Luft nach oben

Doch auch politische Vertreter sehen Verbesserungsmöglichkeiten. „Bei der Berufsorientierung bieten Digitalisierung und KI enormes Potenzial, das genutzt werden muss. Intelligente Lernprogramme können persönliche Stärken und Schwächen erkennen und dementsprechend passgenaue Empfehlungen für Berufsfelder geben“, sagte Thomas Jarzombek, der bildungspolitische Sprecher der CDU im Bundestag, angesichts des Mangels an Auszubildenden gegenüber unserer Redaktion.

Anja Reinalter, die Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion für Bildung und Forschung, spricht sich ebenfalls für mehr Förderung aus. „Junge Menschen brauchen mehr Berufsorientierung – früher, häufiger, regelmäßiger. Eine Woche Orientierung in der 8. Klasse reicht nicht“, so die Bundestagsabgeordnete. Auch Arbeits- und Sozialminister Heil merkte zuletzt an, dass Deutschland sich mit Blick auf seinen Wohlstand nicht mehr leisten kann, Millionen von jungen Menschen ohne Berufsabschluss zu haben und kündigte Veränderungen an. „Wir sind nach wie vor ein starkes Land, aber dieses Land braucht ein Update.“

Der Redakteur hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.

Rubriklistenbild: © S. E. Lim/Lars Fröhlich/Imago (Montage)

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