VonJulian Baumannschließen
Mitarbeiter eines traditionsreichen Maschinenbauers haben erst Ende Januar das Novembergehalt bekommen. Dafür war eine Klage vor dem Arbeitsgericht notwendig.
Mosbach - Aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten mussten im vergangenen Jahr viele Unternehmen Insolvenz anmelden, darunter beispielsweise ein traditionsreicher Maschinenbauer aus dem Schwarzwald oder aber ein Autozulieferer trotz voller Auftragsbücher. Für Mitarbeiter des Traditionsunternehmens Hüller Hille, ein Werkzeugmaschinenbauer mit Sitz in Mosbach (Baden-Württemberg), ging Ende Januar zumindest eines von mehreren Geduldspielen zu Ende. Wie die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) berichtet, die den Fall seit mehreren Monaten begleitet, haben sie endlich ihr Novembergehalt ausgezahlt bekommen – inklusive eines Bonus und dem Weihnachtsgeld.
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Für diese positive Entwicklung mussten rund 100 Mitarbeiter des 1923 gegründeten Unternehmens den Gang zum Arbeitsgericht Mannheim antreten, das dem sich inzwischen in chinesischer Hand befindenden Maschinenbauer ein Ultimatum setzte. Derzeit stehen noch die Gehälter für Dezember und Januar aus, aber auch dabei gibt es Fortschritte. Doch warum mussten die Mitarbeiter überhaupt so lange auf das Geld warten? Das liegt in der äußerst wechselhaften Geschichte des Unternehmens und in der aktuellen Wirtschaftslage begründet.
Mitarbeiter von Hüller Hille mussten bereits auf Oktobergehalt warten
Die heutige Hüller Hille GmbH entstand aus den Vorgängerunternehmen Karl Hüller GmbH, die 1923 in Ludwigsburg gegründet wurde, der Maschinenfabrik Diedesheim, die 1947 aus den Resten einer Fertigungsanlage von Autokonzern Daimler-Benz (heute Mercedes-Benz Group) entstanden war, und dem zum Thyssen-Konzern gehörenden Werkzeugunternehmen Hille Herschel. In den darauf folgenden Jahren gehörte das Unternehmen innerhalb des Thyssen-Konzerns zu verschiedenen in- und ausländischen Geschäftseinheiten, bevor der Stahlkonzern den Werkzeugmaschinenbauer an die Zuse Holding GmbH verkaufte. Diese hatte zu einem Zeitpunkt sogar die Schließung des traditionsreichen Standorts im Mosbacher Stadtteil Diedesheim beschlossen, was kurzfristig aber noch verhindert werden konnte.
| Name | Hüller Hille GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1923 |
| Sitz | Mosbach-Diedesheim, Baden-Württemberg |
| Branche | Maschinenbau, Werkzeugmaschinen |
| Mitarbeiter | 170 |
Insgesamt stand das Unternehmen mehrfach vor dem Aus, konnte aber gerettet werden. Seit 2019 gehört die Hüller Hille GmbH dem chinesischen Investor Visionmax Asset Management Co. Ltd. mit Sitz in Peking. Nach einem wirtschaftlichen Aufschwung nach der Corona-Pandemie kämpft das Traditionsunternehmen derzeit aber wieder mit finanziellen Schwierigkeiten und musste deshalb auch die Mitarbeiter mehrfach vertrösten. Die RNZ berichtete Ende November 2024, dass rund 170 Mitarbeiter noch immer auf die Auszahlung ihres Oktobergehalts warten würden, was inzwischen aber ausbezahlt wurde. Auf das Novembergehalt mussten die Angestellten aber noch länger warten.
Gehälter für Dezember und Januar soll im Februar ausgezahlt werden – Unternehmen hofft auf Kapital
Wie eingangs erwähnt, wurde das Novembergehalt für die 170 Mitarbeiter von Hüller Hille am Dienstag, 28. Januar, ausgezahlt. Sie erhielten außerdem Weihnachtsgeld und eine Prämie von 40 Euro. Dem Bericht zufolge war das auch der letztmögliche Zeitpunkt, da das Mannheimer Amtsgericht dem Maschinenbauer genaue Vorgaben machte und bei Missachtung mit hohen Strafzahlungen oder sogar einer Pfändung drohte. „Dass das Geld jetzt kam, macht ein wenig Zuversicht für 2025“, sagte ein Mitarbeiter des Traditionsunternehmens der RNZ.
Die Gehälter für Dezember und Januar sollen laut Geschäftsführer Li Meng im Februar ausgezahlt werden, wenn die Anteilseigner des Unternehmens Betriebskapital zuführen. Davon erhofft sich das Traditionsunternehmen einen erblichen Einfluss auf die derzeitige Finanzlage. Der traditionsreiche Maschinenbauer Heller musste dagegen kürzlich aufgrund des Auftragsrückgangs personelle Konsequenzen ziehen.
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