Novembergehalt Ende Januar

Mitarbeiter von deutschem Traditionsunternehmen müssen sich zum Gehalt klagen

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Mitarbeiter eines traditionsreichen Maschinenbauers haben erst Ende Januar das Novembergehalt bekommen. Dafür war eine Klage vor dem Arbeitsgericht notwendig.

Mosbach - Aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten mussten im vergangenen Jahr viele Unternehmen Insolvenz anmelden, darunter beispielsweise ein traditionsreicher Maschinenbauer aus dem Schwarzwald oder aber ein Autozulieferer trotz voller Auftragsbücher. Für Mitarbeiter des Traditionsunternehmens Hüller Hille, ein Werkzeugmaschinenbauer mit Sitz in Mosbach (Baden-Württemberg), ging Ende Januar zumindest eines von mehreren Geduldspielen zu Ende. Wie die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) berichtet, die den Fall seit mehreren Monaten begleitet, haben sie endlich ihr Novembergehalt ausgezahlt bekommen – inklusive eines Bonus und dem Weihnachtsgeld.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Für diese positive Entwicklung mussten rund 100 Mitarbeiter des 1923 gegründeten Unternehmens den Gang zum Arbeitsgericht Mannheim antreten, das dem sich inzwischen in chinesischer Hand befindenden Maschinenbauer ein Ultimatum setzte. Derzeit stehen noch die Gehälter für Dezember und Januar aus, aber auch dabei gibt es Fortschritte. Doch warum mussten die Mitarbeiter überhaupt so lange auf das Geld warten? Das liegt in der äußerst wechselhaften Geschichte des Unternehmens und in der aktuellen Wirtschaftslage begründet.

Mitarbeiter von Hüller Hille mussten bereits auf Oktobergehalt warten

Die heutige Hüller Hille GmbH entstand aus den Vorgängerunternehmen Karl Hüller GmbH, die 1923 in Ludwigsburg gegründet wurde, der Maschinenfabrik Diedesheim, die 1947 aus den Resten einer Fertigungsanlage von Autokonzern Daimler-Benz (heute Mercedes-Benz Group) entstanden war, und dem zum Thyssen-Konzern gehörenden Werkzeugunternehmen Hille Herschel. In den darauf folgenden Jahren gehörte das Unternehmen innerhalb des Thyssen-Konzerns zu verschiedenen in- und ausländischen Geschäftseinheiten, bevor der Stahlkonzern den Werkzeugmaschinenbauer an die Zuse Holding GmbH verkaufte. Diese hatte zu einem Zeitpunkt sogar die Schließung des traditionsreichen Standorts im Mosbacher Stadtteil Diedesheim beschlossen, was kurzfristig aber noch verhindert werden konnte.

Name Hüller Hille GmbH
Gründung 1923
Sitz Mosbach-Diedesheim, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau, Werkzeugmaschinen
Mitarbeiter 170

Insgesamt stand das Unternehmen mehrfach vor dem Aus, konnte aber gerettet werden. Seit 2019 gehört die Hüller Hille GmbH dem chinesischen Investor Visionmax Asset Management Co. Ltd. mit Sitz in Peking. Nach einem wirtschaftlichen Aufschwung nach der Corona-Pandemie kämpft das Traditionsunternehmen derzeit aber wieder mit finanziellen Schwierigkeiten und musste deshalb auch die Mitarbeiter mehrfach vertrösten. Die RNZ berichtete Ende November 2024, dass rund 170 Mitarbeiter noch immer auf die Auszahlung ihres Oktobergehalts warten würden, was inzwischen aber ausbezahlt wurde. Auf das Novembergehalt mussten die Angestellten aber noch länger warten.

Gehälter für Dezember und Januar soll im Februar ausgezahlt werden – Unternehmen hofft auf Kapital

Wie eingangs erwähnt, wurde das Novembergehalt für die 170 Mitarbeiter von Hüller Hille am Dienstag, 28. Januar, ausgezahlt. Sie erhielten außerdem Weihnachtsgeld und eine Prämie von 40 Euro. Dem Bericht zufolge war das auch der letztmögliche Zeitpunkt, da das Mannheimer Amtsgericht dem Maschinenbauer genaue Vorgaben machte und bei Missachtung mit hohen Strafzahlungen oder sogar einer Pfändung drohte. „Dass das Geld jetzt kam, macht ein wenig Zuversicht für 2025“, sagte ein Mitarbeiter des Traditionsunternehmens der RNZ.

Die Mitarbeiter des Maschinenbauers Heller Hiller haben Ende Januar ihr Gehalt für November erhalten, das Geld für Dezember/Januar soll im Februar ausbezahlt werden. (Symbolfoto)

Die Gehälter für Dezember und Januar sollen laut Geschäftsführer Li Meng im Februar ausgezahlt werden, wenn die Anteilseigner des Unternehmens Betriebskapital zuführen. Davon erhofft sich das Traditionsunternehmen einen erblichen Einfluss auf die derzeitige Finanzlage. Der traditionsreiche Maschinenbauer Heller musste dagegen kürzlich aufgrund des Auftragsrückgangs personelle Konsequenzen ziehen.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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