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Die gesetzliche Pflegeversicherung ist finanziell angeschlagen, eine Erhöhung der Beiträge droht. Wann ist eine private Zusatzversicherung sinnvoll?
Frankfurt – Die finanzielle Lage der gesetzlichen Pflegeversicherung ist besorgniserregend. Schon seit Monaten wird vor einer dramatischen Unterfinanzierung gewarnt, die sich weiter verschärfen könnte. Die Ausgaben steigen schneller als die Einnahmen, und nun steht die Frage im Raum: Lohnt sich eine Pflegezusatzversicherung, um im Alter besser abgesichert zu sein?
Finanzielle Belastungen für die Pflegeversicherung nehmen zu
Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sieht laut WDR zwei Hauptgründe für die prekäre Lage der Pflegeversicherung: Einerseits hat die Reform von 2017, die mehr Menschen mit Demenz Zugang zu Pflegeleistungen verschafft, die Zahl der Leistungsberechtigten stark erhöht.
Andererseits wurden die Leistungen der Pflegeversicherung in den letzten Jahren ausgeweitet, sodass sie nun bis zu 70 Prozent der Eigenanteile für Heimkosten übernimmt.
Unvermeidliche Erhöhungen der Beiträge für die Pflegeversicherung stehen bevor
Diese Entwicklung führte dazu, dass die Pflegekassen im Jahr 2023 ein Defizit von 1,8 Milliarden Euro verbuchen mussten, wie mehrere Medien berichteten. Für das kommende Jahr wird mit einem noch höheren Fehlbetrag gerechnet.
Laut dem GKV-Spitzenverband sind zudem immer noch rund 5,3 Milliarden Euro Sonderausgaben aus der Corona-Pandemie in den Büchern. Dies alles wirkt sich auf die Beitragszahlende aus, denn eine Beitragserhöhung scheint unausweichlich.
Erwartete Beitragserhöhungen für 2025
Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat bereits Ende August höhere Beitragssätze für 2025 angedeutet und plant, in Kürze ein Konzept vorzulegen, um die Pflegeversicherung zu stabilisieren. Laut Informationen des WDR gehen Experten von einer notwendigen Erhöhung der Beitragssätze um 0,25 bis 0,3 Prozentpunkte aus.
Bei einem Bruttogehalt von 3000 Euro wären dies etwa sechs Euro mehr pro Monat, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Für Rentner allerdings bedeutet dies, dass sie die Mehrkosten alleine tragen müssen. Diese finanzielle Belastung trifft eine ohnehin vulnerable Gruppe besonders hart.
Versorgungslücke bei der Pflege schließen: Drei Optionen der Zusatzversicherung
Nach Angaben von FOCUS Online hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland seit 1999 nahezu verdreifacht. Aktuell werden über fünf Millionen Menschen von der Pflegeversicherung unterstützt. Bis zum Jahr 2050 wird ein weiterer Anstieg erwartet, sodass dann fast sieben Millionen Pflegebedürftige versorgt werden müssen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine private Pflegezusatzversicherung eine sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Versicherung sein kann. Hierzulande gibt es grundsätzlich drei Modelle: die Pflegetagegeldversicherung, die Pflegekostenversicherung und die Pflegerentenversicherung.
Alle drei Modelle haben gemeinsam, dass sie die Versorgungslücke schließen sollen, die durch die gesetzliche Versicherung entsteht. Allerdings sind die Vertragsbedingungen oft an eine Gesundheitsprüfung gekoppelt, und die Höhe der Beiträge richtet sich stark nach dem Eintrittsalter der Versicherten.
Pflegegradabhängige Leistungen: Was erwartet Sie?
Laut Verbraucherzentrale wird bei der Pflegetagegeldversicherung im Pflegefall ein festgelegter Betrag pro Tag gezahlt, der nach Pflegegrad gestaffelt ist. Die Verwendung des Geldes ist dabei flexibel – sei es für die häusliche Pflege, für ein Pflegeheim oder andere notwendige Maßnahmen.
Die Pflegekostenversicherung hingegen erstattet konkrete Pflegekosten, wobei häufig nur ein Teil dieser Kosten übernommen wird und ein Eigenanteil bleibt.
Diese Pflegerentenversicherung kombiniert den Vorteil einer privaten Rentenversicherung mit Pflegeleistungen. Hierbei wird im Pflegefall eine monatliche Rente ausgezahlt, die lebenslang gewährt wird. Diese Variante ist jedoch oft die teuerste der drei Optionen.
Lohnt sich eine Zusatzversicherung für die Pflege?
Eine Pflegezusatzversicherung ist in den meisten Fällen eine Option, aber nicht zwingend notwendig für die Altersvorsorge. Wer eine Absicherung plant, sollte sich frühzeitig informieren und die persönliche Situation genau analysieren. Da der finanzielle Bedarf im Alter schwer vorhersehbar ist, lohnt sich für Menschen unter 50 Jahren oft noch keine solche Versicherung. Lebensumstände wie Kinder, berufliche Veränderungen, Heirat oder Scheidung können die finanzielle Planung noch stark beeinflussen.
Zunächst sollte geprüft werden, ob eine Pflegezusatzversicherung überhaupt erforderlich ist. Ist genügend Vermögen vorhanden oder sichern private sowie gesetzliche Renten die Zukunft ab, kann der Abschluss einer zusätzlichen Versicherung überflüssig sein.
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