Konjunktur

Wirtschaftskrise: Ökonom wirft Ampel Naivität vor – und fordert Abschied von der Schuldenbremse

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Der Ökonom Jens Südekum ist VWL-Professor an der Universität Düsseldorf und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums.
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Der bekannte Ökonom Jens Südekum warnt vor einer Verschärfung der Wirtschaftskrise. Er setzt sich für eine Erweiterung des Industriestrompreises ein – und geht mit der Ampel-Regierung hart ins Gericht.

Berlin – Die deutsche Wirtschaft stagniert, Unternehmen beklagen gestiegene Energiepreise und zu viel Bürokratie. Auch Experten wie der Ökonom Jens Südekum warnen vor einer Verschärfung der Wirtschaftskrise. „Ich fürchte, dass sich die Krisenzeichen in der zweiten Jahreshälfte noch mehren werden“, sagte der VWL-Professor an der Universität Düsseldorf und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums der WirtschaftsWoche.

Standort Deutschland: Ökonom kritisiert Ampel-Politik

Derzeit werde die Konjunktur noch stark getragen von alten Auftragsbeständen aus der Coronazeit, so Südekum gegenüber dem Magazin, aber auch diese seien irgendwann abgearbeitet und dann werde die Investitionsschwäche noch deutlicher werden. „Ich blicke eher pessimistisch Richtung Herbst und Winter – und spätestens dann muss sich die Ampel die Frage stellen, ob sie Deutschland aus der Krise herausbekommen will mit einem Kurs, der sich als oberste Priorität an die Schuldenbremse klammert. Aus meiner Sicht geht das nicht.“

In der Ampel herrsche leider bisher „die naive Vorstellung, dass der Wachstumsmotor ohne Geld zum Laufen gebracht werden kann“, sagte Südekum der WirtschaftsWoche. Zudem kritisierte der Ökonom die Grabenkämpfe der Ampel-Regierung, die nicht nur „fatal für das gesamte Erscheinungsbild der Koalition“ seien, sondern auch „für den Standort insgesamt“.  

Südekum fordert Erweiterung des Industriestrompreises

Stattdessen sprach sich Südekum für den von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) favorisierten Industriestrompreis aus und forderte darüber hinaus eine Erweiterung des Empfängerkreises. Der Strompreis sei für Investitionsentscheidungen zentral. Wenn sich die Unternehmen darauf verlassen könnten, dass der Strompreis nicht über sechs Cent gehe, dann würden sie ihre Investition auch in Deutschland tätigen. „Und dabei geht es nicht darum, dass nur BASF & Co. Geld bekommen.“

Es gebe zahlreiche Industriezweige, die noch mit fossilen Energien operierten, die sich aber elektrifizieren wollten und müssten. Die technischen Verfahren dafür seien längst da, aber der Strombedarf würde sich um das Zehnfache erhöhen. „Und daher wird dieser Schritt oft nicht gemacht“, erklärte Südekum. „Deshalb kann der Industriestrompreis zum Transformationsbeschleuniger werden. Um den Mittelstand miteinzubeziehen, wäre es sicher sinnvoll, die Liste der bisher rund 2000 potenziellen Empfänger zu erweitern.“

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Mit Material von Reuters

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