Investitionen

Konjunkturplus durch Merz-Effekt – „Rückenwind sollte überwiegen“

  • schließen

Die Wirtschaft soll wieder stärker zunehmen. Das verdeutlicht eine aktuelle Prognose. Allerdings gibt es einige gravierende Störfaktoren.

Frankfurt am Main – Sei es Rente, Bürgergeld, die Krankenkassen oder Verteidigung: Die Bundesregierung ringt derzeit um jeden Cent und versucht gleichzeitig, mit Investitionen die Wirtschaft anzukurbeln. Im Koalitionsvertrag steht allerdings festgeschrieben, dass alles unter Finanzierungsvorbehalt steht, was sich die Regierung auf die Flaggen geschrieben hat. Funktioniert die „Methode Merz“? Eine aktuelle Auswertung scheint zumindest darauf hinzudeuten.

Deutschlands Wirtschaft wächst wieder – wegen Merz-Maßnahmen?

Im kommenden Jahr 2026 soll das Bruttoinlandsprodukt real um 1,0 Prozent wachsen. Das zeigt eine aktuelle Analyse von KfW Research. Als Grund gab das Institut die Pläne unter der Regierung Friedrich Merz (CDU) an – diese versucht, die Fiskalpolitik schon 2025 deutlich expansiver zu gestalten. Entsprechende Investitionen des Bundes sollen schneller und in größerem Umfang kommen als gedacht. Darum schraubt KfW Research die bisherige Prognose um 0,5 Prozentpunkte hoch.

Friedrich Merz beim Tag der offenen Tür 2025 der Bundesregierung, Berlin (Symbolfoto). Die Wirtschaft soll wieder stärker wachsen. Das zeigt eine aktuelle Prognose. Allerdings gibt es einige gravierende Störfaktoren.

Für 2025 gilt nun ebenfalls eine höhere Prognose. Hier soll das Wachstum 0,2 Prozent betragen, statt vorher 0,0 Prozent. Im laufenden Quartal wird die deutsche Wirtschaft nur geringfügig wachsen, dann aber dürfte die konjunkturelle Aufwärtsdynamik schrittweise zunehmen.

„Für die deutsche Wirtschaft sollte zum Jahresende hin der Rückenwind überwiegen. Schon im vierten Quartal ist mit einem ersten konjunkturellen Schub durch die Investitionsoffensive des Bundes zu rechnen“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. „Signale für eine zunehmende Kreditnachfrage der Unternehmen und Haushalte weisen auch auf einen Anstieg der privaten Investitionstätigkeit hin. Die signifikanten US-Zollerhöhungen seit Frühjahr 2025 scheinen die Unternehmen recht gut zu verkraften.“

Europas Wirtschaft soll ebenfalls wachsen – Zoll-Vorzieheffekte enden jedoch

Für die Eurozone sieht KfW Research ebenfalls ein stärkeres Wirtschaftswachstum voraus. Die Jahresprognose für 2025 steigt um 0,4 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent. Viele Unternehmen hatten aus Sorge vor drastischeren Auswirkungen der US-Zollpolitik Zukäufe getätigt – diese Vorzieheffekte sollen nun ausgelaufen sein. Darum geht es vorerst mit einer „geringeren Geschwindigkeit“ beim Wirtschaftswachstum weiter. Für 2026 steht dann ein Wachstum von 1,1 Prozent auf dem Papier, so die Prognose.

In Sachen Inflation rückt KfW Research allerdings nicht von den bisherigen Prognosen ab. Diese soll im Jahr 2025 weiter bei 2,1 Prozent bleiben, im Jahr 2026 dann auf 2,0 Prozent sinken (gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex, HVPI). „Die Inflation in Deutschland ist nach dem zurückliegenden Preisschock wieder unter Kontrolle“, sagt Schumacher.

KfW Research warnte abschließend davor, dass insbesondere das Chaos um die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump ein Risiko für die Prognosen darstellt; sowohl für die Konjunkturentwicklung in Deutschland als auch in Europa. Außerdem steht noch nicht fest, welche Auswirkungen die Investitionsmaßnahmen in Deutschland kurz- bis mittelfristig haben werden. Am 25. August berät der Haushaltsausschuss des Bundestags über mehrere Gesetzesentwürfe, darunter den zur Errichtung des viel diskutierten Sondervermögens über 500 Milliarden US-Dollar.

Merz-Regierung plant deutliche Entlastungen – stellenweise enttäuschend

Handlungsbedarf gibt es derweil an allen wichtigen Stellschrauben der deutschen Wirtschaft. Bei der Rente warnte zuletzt eine der Wirtschaftsweisen vor einem Kollaps, wenn nicht dringende Reformen angeregt würden. Außerdem sollen Milliarden in die Rüstung fließen – die Nato kann sich seit Trumps Amtsantritt nicht mehr voll auf die USA als Beschützer verlassen, weswegen Europa derzeit versucht, eine neue Rolle einzunehmen. Die Krankenkassen stehen ebenfalls unter Druck.

Die Regierung Merz hat sich fürs Erste auf Steuererleichterungen und eine Senkung der Stromsteuer konzentriert. Zunächst profitieren Unternehmen von zusätzlichen Abschreibungen, wenn sie spezielle Investitionen (etwa Maschinen) zukaufen. Sobald diese Abschreibungen auslaufen, soll die Körperschaftsteuer in mehreren Schritten um insgesamt fünf Prozent sinken. Die Stromsteuer wiederum hatte für heftige Diskussionen gesorgt: Eigentlich sollte die für alle sinken, aber die Regierung hatte dies später auf Unternehmen eingegrenzt. Fürs Erste profitieren Haushalte daher lediglich von der Abschaffung der Gasumlage und niedrigeren Netzentgelten.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Ardan Fuessmann

Kommentare