Trotz Wohnraummangel

Krise am Bau: Nächstes Immobilien-Unternehmen ist insolvent – Pleitewelle steht bevor

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Mit der Krise im Wohnungsbau zeichnet sich nach und nach eine Pleitewelle bei Immobilienunternehmen ab. Innerhalb kurzer Zeit haben vier Firmen Insolvenz angemeldet.

Berlin – Die Krise am Bau führt nach und nach zu Firmeninsolvenzen. Vor wenigen Wochen gingen gleich drei Unternehmen in der Branche pleite: Development Partner, die Project-Gruppe und Euroboden. Doch damit war lange nicht Schluss. Wie die Wirtschaftswoche nun berichtet, ist auch die Gerchgroup pleite. Sie hat für mehrere Holdinggesellschaften Insolvenz in Düsseldorf angemeldet, das Gericht habe dem Antrag stattgegeben.

Käufer und Käuferinnen in Deutschland noch ungeschützt

Die Bau- und Immobilienwirtschaft leidet unter gestiegenen Baupreisen in Kombination mit den stark gestiegenen Zinsen. Der Verband Wohnen im Eigentum forderte am Mittwoch, Käuferinnen und Käufer müssten bei einer Insolvenz eines Bauunternehmens geschützt werden. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden seien solche Fälle „längst geregelt“. Eine verbindliche Absicherung sei in Deutschland „überfällig“.

Wohnen im Eigentum schlug zwei Möglichkeiten vor: Entweder verzichte der Bauträger bis zur Bezugsfertigkeit und zur Übergabe auf Abschlagszahlungen der Käufer oder er sichere die Abschlagszahlungen ab, beispielsweise mit einer Versicherung. Eine solche Absicherung sollte laut dem Verband zumindest bei Bauträgerverträgen Pflicht sein, bei denen die Käufer Verbraucher sind.

Gerch ist bundesweit tätig

Gerch ist laut Wirtschaftswoche ein bundesweit agierender Projektentwickler, der auf den Bau von Büroimmobilien und Quartiere in deutschen Großstädten spezialisiert ist. Die neun aktuellen Projektentwicklungen umfassen nach Angaben auf der Unternehmenshomepage ein Gesamtvolumen von rund vier Milliarden Euro. Zu den aktuellen Projekten zählen unter anderem die Umnutzung eines ehemaligen Bahnareals in Augsburg, ein Wohn- und Behördenzentrum in Nürnberg und das Laurenz Carré, ein Gebäudeareal in der Kölner Innenstadt.

Die Hintergründe des Insolvenzantrags blieben zunächst offen. Das Unternehmen ließ eine Anfrage der Wirtschaftswoche zur finanziellen Lage und möglichen Sanierungsplänen bislang unbeantwortet.

Ein Wohngebäudekomplex in Frankfurt am Main: Die Anzahl der Baugenehmigungen in Hessen ist förmlich eingebrochen.

Bereinigung am Markt zeichnet sich ab

„Circa 20 bis 30 Prozent der kleinen bis mittelständischen Projektentwicklungsunternehmen werden vorerst vom Markt verschwinden“, schätzt Niklas Köster, Professor für Immobilienwirtschaft an der Fresenius Hochschule in Hamburg, erst jüngst gegenüber dem Handelsblatt. Er rechnet damit, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre eine umfassende Marktbereinigung stattfinden wird.

Dabei wird es Köster zufolge besonders kleine und mittelständische Unternehmen treffen, wenn sie keine Rücklagen und keine eigenen Immobilien zum Vermieten haben. „Es wird insbesondere Unternehmen treffen, die in den vergangenen fünf Jahren aggressiv auf den Markt drängten, viel zu teuer Grundstücke gekauft haben und deren Projekte jetzt gar nicht mehr in die Umsetzung gehen“, so Kösters Einschätzung gegenüber dem Handelsblatt. (wal/afp)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler / dpa

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