Deutsche Flugindustrie

„Wir haben keine Zeit zum Warten“: BDL-Präsident fordert Abschaffung der Luftverkehrssteuer

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Die deutsche Flugindustrie kämpft mit hohen Standortkosten. Immer mehr Airlines wie Eurowings, Ryanair & Co streichen Flüge und verlagern ihre Strecken ins Ausland. Die BDL drängt die Politik zum Handeln.

Berlin – Hohe Standortkosten belasten die deutsche Flugindustrie. Immer mehr Airlines, darunter Eurowings, Ryanair und Co., streichen Flüge in Deutschland und verlagern ihre Strecken ins Ausland. In einem Bericht warnte der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) bereits über die Folgen, die der eingeschränkte Flugverkehr auf die deutsche Wirtschaft haben könnte. Nun meldet sich der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in einem Interview der FAZ ebenfalls zu Wort. „Wir haben keine Zeit zum Warten“, sagt er. Die Politik müsse jetzt handeln.

Symbolbild – Ein Flugzeug von Eurowings wird am Flughafen Köln/Bonn für den Start fertig gemacht.

Flugpreise haben sich seit 2019 verdoppelt – Luftverkehrsteuer soll laut BDL abgeschafft werden

„Fliegen muss bezahlbar bleiben“, erklärt Jens Bischof, Präsident des Bundesverbands der BDL, in einer Mitteilung der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Und ergänzt: „Die Luftverkehrsteuer muss abgeschafft werden, Schweden macht das gerade vor.“ Aufgrund hoher Standortkosten werden die Flughäfen in Dresden, Leipzig und Dortmund von Ryanair nicht mehr angeflogen. Die Lufthansa-Tochter Eurowings streicht 1000 Flüge nach Hamburg, und Condor reduziert 13 Prozent seines Angebots. Die jüngsten Neuigkeiten reihen sich in den Trend immer teurer werdender Flüge ein, denn laut Bischof haben sich die Preise seit 2019 bereits verdoppelt.

Anfang Mai führte die Bundesregierung eine Erhöhung der Luftverkehrsteuer sowie Flug- und Luftsicherheitsgebühren von rund 25 Prozent ein. Begründet wurden die Maßnahmen als Umweltschutzmaßnahme und zur Stopfung der Haushaltslöcher. Ab dem 1. Januar sollen zudem die Abgaben für Sicherheitskontrollen um bis zu 50 Prozent steigen. Laut dpa macht der Luftverkehr rund 2,5 Prozent der weltweiten Emissionen aus und ist damit die umweltschädlichste Art zu reisen.

Keine nachhaltige Lösung des Problems – Maßnahmen, um den Flugverkehr wettbewerbsfähiger zu machen

Für Bischof ergibt sich jedoch ein anderes Bild: „Es ist keine gute Idee, einen Verkehrsträger, der für die Anbindung des Landes und die wirtschaftliche Vernetzung äußerst wichtig ist, zu schwächen“, sagt er im FAZ-Interview. Der Präsident des BTW, Sören Hartmann, betont in einer Pressemitteilung zudem, dass der Flugverkehr durch steigende Preise in Deutschland nicht weniger werde, sondern einfach nur ins Ausland verlagert werde. Eine nachhaltige Lösung des Problems sei es daher nicht.

Die zahlreichen staatlichen Steuern und Gebühren „machen bei einem Abflug aus Deutschland mittlerweile 30 Euro vom Preis eines Tickets aus“, erklärt Bischof. Dadurch entstehen Milliardensummen, die dafür sorgen, dass das Fliegen nicht mehr profitabel ist. Für ihn gilt es daher, dass die Politik nun schnell handeln müsse. Welche Koalition das am Ende sei, darauf komme es ihm nicht an.

Für ihn ist es von hoher Dringlichkeit, zuerst die Luftverkehrsteuer abzuschaffen, dann den Höchstsatz für die Gebühren der Sicherheitskontrollen zurückzudrehen und die für 2026 geplante nationale Quote für E-Kerosin fallen zu lassen. Aber vor allem gilt für Bischof: „Ich erwarte, dass die Politik jetzt tätig wird.“

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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