VonLisa Mayerhoferschließen
Nach zwei Jahren Ampel-Politik zeigen sich viele Familienunternehmer in einer aktuellen Befragung unzufrieden. Die Verbandspräsidentin der Familienunternehmen findet scharfe Worte.
Wiesbaden – Die deutsche Wirtschaft schwächelt und die Unternehmen schlagen Alarm. Nicht nur internationale Großkonzerne, sondern auch Familienunternehmen zeigen sich über die Lage hierzulande pessimistisch. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der am Donnerstag die „Familienunternehmer-Tage 2024“ in Wiesbaden besucht, dürfte einiges an Kritik erwarten.
Familienunternehmer: Deutschland durch Ampel-Politik weniger wettbewerbsfähig
Denn laut einer aktuellen Umfrage hat sich für mehr als zwei Drittel der Familienunternehmer die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschlands in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert. Das gaben 69 Prozent in einer Befragung des Verbands Die Familienunternehmer an, an der 838 Unternehmer vom 11. bis 21. April teilnahmen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.
Als größte Investitionshemmnisse sehen die Unternehmer Bürokratiekosten und Überregulierungen (63 Prozent). Es folgt die „unberechenbare Finanz- und Wirtschaftspolitik“ (50 Prozent). Gefragt nach möglichen Verbesserungen der Wettbewerbsfähigkeit nennen 65 Prozent den Abbau von Bürokratie und Berichtspflichten, 37 Prozent weniger steuerliche Belastungen und 34 Prozent niedrigere Lohnnebenkosten.
Verbandspräsidentin kritisiert Ampel-Politik scharf: „Nicht eingehaltene Entlastungsversprechen“
Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann kritisierte: „Zweieinhalb Jahre Ampel-Regierung haben wirtschaftspolitisch ihre Spuren hinterlassen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer im Land können nur noch schwer mit der internationalen Konkurrenz mithalten und entscheiden sich deshalb immer häufiger gegen vor allem Erweiterungsinvestitionen im Inland.“
Die Enttäuschung über „nicht eingehaltene Entlastungsversprechen“ wachse bei Unternehmern rasant. Deutschland müsse vor allem in Brüssel für den Abbau von Bürokratie und gegen immer neue Regelungen eintreten. Mit dem Lieferkettengesetz, der Taxonomie, also dem EU-weiten System zur Klassifizierung von nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten, und der CSR-EU-Richtlinie für mehr Transparenz bei ökologischen und sozialen Aspekten von Unternehmen werde „dem Mittelstand die Luft zum Atmen genommen“.
Allein die Umsetzung der CSR-Richtlinie in deutsches Recht bedeute für hiesige Firmen zusätzliche „Bürokratielasten“ von jährlich 1,4 Milliarden Euro: „Das allein vernichtet die Hälfte der Entlastung aus dem lang umkämpften Wachstumschancengesetz“, ergänzte Ostermann. Die Wirtschaft brauche einen Entlastungsschub, „damit wir das Wachstum wieder ankurbeln und darüber Staatseinnahmen generieren können“.
Scholz: „Lassen Sie uns den Wirtschaftsstandort Deutschland stark machen und nicht schwach reden“
Kanzler Scholz wehrt sich dagegen gegen die Kritik. „Lassen Sie uns den Wirtschaftsstandort Deutschland stark machen und nicht schwach reden“, betonte er bei der Eröffnung der Industriemesse in Hannover vergangenes Wochenende. Es handele sich bei den ersten beiden Jahren der Ampel-Koalition um „zwei Turnaround-Jahre“.
Aber auch Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, fordert Entlastungen für die Wirtschaft wie etwa einen Bürokratieabbau. „Der Bundeskanzler wünscht sich, dass wir die Lage nicht schlecht reden. Aber wir sprechen sie nicht schlecht, sie ist schlecht“, betont Dittrich gegenüber der Welt. Er kritisiert weiter: „Deutschland investiert seit 2014 zu wenig im Wirtschaftsbereich. Wir müssen handeln, damit wir das besser in den Griff bekommen, es wird mit warten nicht besser.“
Mit Material der dpa und Reuters
