Betriebsversammlung

Stellenabbau, Werkschließung, Verlagerung: „Dauerschleife der Unsicherheit“ bei ZF

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In der Belegschaft des Technologiekonzerns ZF herrscht Unsicherheit. Bei einer großen Betriebsversammlung in Friedrichshafen gab es nach Ansicht des Betriebsrats keine zufriedenstellenden Antworten.

Friedrichshafen - Seitdem der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen Ende Juli den Abbau von bis zu 14.000 Stellen in Deutschland bis 2028 verkündet hat, herrschen an den bundesweiten Standorten Unsicherheiten, ob und wie stark sie von der drastischen Sparmaßnahme betroffen sein werden. Konzernchef Holger Klein hatte jüngst den Abbau von 1.800 Arbeitsplätzen an einem Standort bestätigt. Auch am Hauptsitz in Friedrichshafen am Bodensee herrscht die Sorge um einen massiven Aderlass. Dementsprechend erhofften sich die Mitarbeiter bei einer großen Betriebsversammlung am 11. November in der Zeppelinstadt Antworten von der Konzernspitze.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Bei der Bilanzpressekonferenz am 1. August hatte ZF-Chef Holger Klein den Medienvertretern Fragen zum geplanten Stellenabbau beantwortet und erklärt, dass „natürlich hier keiner begeistert“ von den Maßnahmen sei. Am Montag stellte sich der Vorstandsvorsitzende in der Messe Friedrichshafen der Belegschaft, um sie über die aktuelle Lage zu informieren. Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, erhofften sich sowohl der Betriebsrat als auch die Mitarbeiter Antworten, die aber offenbar nicht von Klein geliefert wurden. Der ZF-Gesamtbetriebsrat hatte unmittelbar nach der Verkündung erbitterten Widerstand gegen den Stellenabbau angekündigt.

ZF-Chef spricht bei Betriebsversammlung in Friedrichshafen – Betriebsrat nicht überzeugt

Für die Betriebsversammlung am Montag, 11. November, in der Halle A1 in der Friedrichshafener Messe hatte der Betriebsrat konkrete Fragen formuliert und den anwesenden Mitarbeitern auf Postkarten ausgehändigt. Sie sollten diese Fragen allerdings nicht dem Vorstandsvorsitzenden stellen, sondern abhaken, ob Klein sie in seiner Ansprache zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beantwortet oder nicht. Wie Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich der Schwäbischen Zeitung erklärte, war das bei keiner einzigen der sechs Fragen der Fall. Demnach habe Klein weder den Umfang und den Anfang des angekündigten Stellenabbaus verkündet, noch betriebsbedingte Kündigungen in Friedrichshafen ausgeschlossen.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Am Stammsitz der ZF in Friedrichshafen gibt es für beide Konzerneinheiten, den Betrieb Z (Zentralbereiche und Forschung & Entwicklung) und den Betrieb N (Division Commerical Vehicle Solutions, Industrietechnik und Aftermarket), sogenannte Zielbilder, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum 30. Juni 2028 ausschließen. Allerdings hatte Klein bereits betont, dass diese Einigung nicht als Beschäftigungsgarantie zu verstehen sei. Zudem hatte die ZF im Rahmen der Ankündigung des Stellenabbaus erklärt, nach Möglichkeit auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu wollen, diese aber nicht ausschließen zu können.

Sparmaßnahmen bei ZF Friedrichshafen – an anderen Standorten ist die Lage konkreter

Laut den Angaben des Gesamtbetriebsratschefs gibt es für die Mitarbeiter in Friedrichshafen demnach noch immer keine Klarheit über den Stellenabbau. Dietrich, der das Vorgehen der Konzernspitze bereits in den vergangenen Monaten massiv kritisiert hatte, nannte die aktuelle Situation eine „Dauerschleife der Unsicherheiten“ für die Belegschaft. Allerdings erklärte er auch, dass die Betriebsversammlung mit Konzernchef Holger Klein wichtig gewesen sei und die Mitarbeiter – Dietrich nannte die Zahl 5.000 – trotz einzelner Pfiffe interessiert zugehört hätten. „Wir sitzen an einem Tisch und ich hoffe, dass wir konstruktive Lösungen finden.“

Am Hauptsitz der ZF in Friedrichshafen herrschen Unsicherheiten. Eine Rede von Konzernchef Klein am Montag (11. November) gab nicht die erhofften Antworten. (Foto vom Protesttag am 10. September)

Deutlich klarer ist die Lage dagegen an einem deutschen ZF-Standort, der bereits seit langem wackelt. Der Autozulieferer hatte jüngst erklärt, an diesem Standort rund die Hälfte der derzeitigen Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Ebenfalls bestätigt ist bereits seit einiger Zeit, dass die ZF Friedrichshafen den Standort Gelsenkirchen bis Jahresende und das Werk in Eitdorf bis spätestens Ende 2027 schließen wird. Im Rahmen der Neustrukturierung, die neben dem Stellenabbau auch eine Zusammenlegung mehrerer Standorte beinhalten soll, könnten weitere deutsche Werke auf der Kippe stehen.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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