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In der Belegschaft des Technologiekonzerns ZF herrscht Unsicherheit. Bei einer großen Betriebsversammlung in Friedrichshafen gab es nach Ansicht des Betriebsrats keine zufriedenstellenden Antworten.
Friedrichshafen - Seitdem der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen Ende Juli den Abbau von bis zu 14.000 Stellen in Deutschland bis 2028 verkündet hat, herrschen an den bundesweiten Standorten Unsicherheiten, ob und wie stark sie von der drastischen Sparmaßnahme betroffen sein werden. Konzernchef Holger Klein hatte jüngst den Abbau von 1.800 Arbeitsplätzen an einem Standort bestätigt. Auch am Hauptsitz in Friedrichshafen am Bodensee herrscht die Sorge um einen massiven Aderlass. Dementsprechend erhofften sich die Mitarbeiter bei einer großen Betriebsversammlung am 11. November in der Zeppelinstadt Antworten von der Konzernspitze.
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Bei der Bilanzpressekonferenz am 1. August hatte ZF-Chef Holger Klein den Medienvertretern Fragen zum geplanten Stellenabbau beantwortet und erklärt, dass „natürlich hier keiner begeistert“ von den Maßnahmen sei. Am Montag stellte sich der Vorstandsvorsitzende in der Messe Friedrichshafen der Belegschaft, um sie über die aktuelle Lage zu informieren. Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, erhofften sich sowohl der Betriebsrat als auch die Mitarbeiter Antworten, die aber offenbar nicht von Klein geliefert wurden. Der ZF-Gesamtbetriebsrat hatte unmittelbar nach der Verkündung erbitterten Widerstand gegen den Stellenabbau angekündigt.
ZF-Chef spricht bei Betriebsversammlung in Friedrichshafen – Betriebsrat nicht überzeugt
Für die Betriebsversammlung am Montag, 11. November, in der Halle A1 in der Friedrichshafener Messe hatte der Betriebsrat konkrete Fragen formuliert und den anwesenden Mitarbeitern auf Postkarten ausgehändigt. Sie sollten diese Fragen allerdings nicht dem Vorstandsvorsitzenden stellen, sondern abhaken, ob Klein sie in seiner Ansprache zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beantwortet oder nicht. Wie Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich der Schwäbischen Zeitung erklärte, war das bei keiner einzigen der sechs Fragen der Fall. Demnach habe Klein weder den Umfang und den Anfang des angekündigten Stellenabbaus verkündet, noch betriebsbedingte Kündigungen in Friedrichshafen ausgeschlossen.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Am Stammsitz der ZF in Friedrichshafen gibt es für beide Konzerneinheiten, den Betrieb Z (Zentralbereiche und Forschung & Entwicklung) und den Betrieb N (Division Commerical Vehicle Solutions, Industrietechnik und Aftermarket), sogenannte Zielbilder, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum 30. Juni 2028 ausschließen. Allerdings hatte Klein bereits betont, dass diese Einigung nicht als Beschäftigungsgarantie zu verstehen sei. Zudem hatte die ZF im Rahmen der Ankündigung des Stellenabbaus erklärt, nach Möglichkeit auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu wollen, diese aber nicht ausschließen zu können.
Sparmaßnahmen bei ZF Friedrichshafen – an anderen Standorten ist die Lage konkreter
Laut den Angaben des Gesamtbetriebsratschefs gibt es für die Mitarbeiter in Friedrichshafen demnach noch immer keine Klarheit über den Stellenabbau. Dietrich, der das Vorgehen der Konzernspitze bereits in den vergangenen Monaten massiv kritisiert hatte, nannte die aktuelle Situation eine „Dauerschleife der Unsicherheiten“ für die Belegschaft. Allerdings erklärte er auch, dass die Betriebsversammlung mit Konzernchef Holger Klein wichtig gewesen sei und die Mitarbeiter – Dietrich nannte die Zahl 5.000 – trotz einzelner Pfiffe interessiert zugehört hätten. „Wir sitzen an einem Tisch und ich hoffe, dass wir konstruktive Lösungen finden.“
Deutlich klarer ist die Lage dagegen an einem deutschen ZF-Standort, der bereits seit langem wackelt. Der Autozulieferer hatte jüngst erklärt, an diesem Standort rund die Hälfte der derzeitigen Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Ebenfalls bestätigt ist bereits seit einiger Zeit, dass die ZF Friedrichshafen den Standort Gelsenkirchen bis Jahresende und das Werk in Eitdorf bis spätestens Ende 2027 schließen wird. Im Rahmen der Neustrukturierung, die neben dem Stellenabbau auch eine Zusammenlegung mehrerer Standorte beinhalten soll, könnten weitere deutsche Werke auf der Kippe stehen.
Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

