700 bis 850 Mitarbeiter betroffen

ZF Friedrichshafen streicht Hälfte der Jobs an Standort in Deutschland – „echter Fausthieb“

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Der Stellenabbau bei der ZF Friedrichshafen wird konkreter. An einem deutschen Standort ist rund die Hälfte der Belegschaft betroffen.

Friedrichshafen/Brandenburg an der Havel - Der Ende Juli verkündete massive Stellenabbau beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen nimmt immer konkretere Züge an. Nachdem Konzernchef Holger Klein den Abbau von 1.800 Stellen an einem Standort im Südwesten bestätigt hatte – der Umfang kann unter Umständen noch größer ausfallen – gibt es auch in einem weiteren Werk des schwäbischen Technologieunternehmens traurige Gewissheit. Der ZF-Standort in Brandenburg an der Havel (Brandenburg) wackelt bereits seit langem, die Stadt will die Hoffnung aber nicht aufgeben.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Im Gegensatz zum ZF-Werk Gelsenkirchen – das Ende des Jahres geschlossen werden soll – ist von Schließungsabsichten in Brandenburg derzeit nicht die Rede. Wie das Unternehmen selbst und die Stadt Brandenburg an der Havel mitteilen, sollen bis 2028 in dem Getriebewerk zwischen 700 und 850 Stellen gestrichen werden. Da nach Konzernangaben rund 1.600 Menschen am Standort angestellt sind, betrifft die Maßnahme demnach rund die Hälfte der Belegschaft. Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) bezeichnet die Ankündigung als einen „echten Fausthieb“ für den Industriestandort.

Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen sollen Hoffnung nicht verlieren, so der OB von Brandenburg an der Havel

Die ZF Friedrichshafen hatte Ende Juli den Abbau von bis zu 14.000 Stellen in Deutschland bis 2028 verkündet und die drastische Maßnahme mit einer notwendigen Neustrukturierung der Standorte begründet. Gerade angesichts der Transformation zur Elektromobilität sind Standorte wie der in Brandenburg an der Havel, wo unter anderem Doppelkupplungsgetriebe für Verbrenner und Plug-in-Hybride hergestellt werden, besonders betroffen. „Der Stellenabbau ist für alle betroffenen ZF-Standorte ein schwerer Schlag und für den Industriestandort Brandenburg an der Havel ein echter Fausthieb“, erklärt Steffen Scheller in einer Mitteilung der Stadt.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

In der Mitteilung wendet sich der Oberbürgermeister der Stadt auch direkt an die Mitarbeiter des traditionsreichen Standortes, den die ZF Friedrichshafen im Jahr 1991 übernommen hatte. Er legt ihnen ans Herz, die Hoffnung nicht zu verlieren. „Die Geschäftsführung ist seit geraumer Zeit bestrebt, sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. Sei es beim Bau von Elektroautos oder außerhalb der Automobilindustrie“, erklärt Scheller. „Die technische Entwicklung ist aktuell so schnelllebig, dass sich auch ganz schnell wieder neue Chancen ergeben können.“ Der Austausch zwischen der Stadt und der Werksleitung soll intensiviert werden.

Stellenabbau an ZF-Standort soll schrittweise erfolgen – 200 bis 450 Arbeitsplätze bereits bis 2025

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zeigt allerdings, dass selbst eine Neuansiedlung von Kompetenzen einen Standort nicht unbedingt vor einem Stellenabbau bewahrt. Unmittelbar nach der Verkündung des massiven Sparplans hatte die ZF Friedrichshafen nämlich eine hochmoderne neue Produktionslinie für elektrische Pkw-Achsenantriebe am Standort Saarbrücken angekündigt. Inzwischen steht aber fest, dass in der Landeshauptstadt des Saarlands mindestens 1.800 Stellen abgebaut werden. In Brandenburg an der Havel sollen nach Angaben der Stadt dagegen nur noch 900 der jetzigen 1.600 Arbeitsplätze bleiben.

Am Getriebestandort der ZF Friedrichshafen in Brandenburg an der Havel sollen zwischen 700 und 850 Stellen abgebaut werden.

Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet, soll der Stellenabbau am Standort der ZF in Brandenburg an der Havel je nach Marktlage schrittweise erfolgen. Demnach soll bereits bis zum kommenden Jahr die Zahl der Belegschaft um 200 bis 450 Mitarbeiter reduziert werden; bis 2028 werden dann voraussichtlich weitere 400 Arbeitsplätze abgebaut, wie eine Konzernsprecherin bestätigte. Aufatmen können 230 Mitarbeiter aber an einem anderen deutschen Standort, da die ZF Friedrichshafen dort ein Versprechen einhält.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Felix Zahn/photothek.net

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