Schwierige Lage

Großer Stellenabbau bei Bosch könnte deutsches Werk retten – Mitarbeiter bangen

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Bosch will mit einem Stellenabbau einen deutschen Standort vor der Schließung bewahren. Die Mitarbeiter müssen aber bereits jetzt Einbußen hinnehmen.

Hildesheim - Nachdem der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch bereits zu Jahresbeginn personelle Sparmaßnahmen in mehreren Geschäftssparten angekündigt hatte, gab es für die Mitarbeiter jüngst die nächste Hiobsbotschaft. Bosch will demnach im Fahrzeugsoftware-Bereich bis 2027 rund 3.500 Stellen abbauen, die Hälfte davon in Deutschland. An einem Werk, das nach Angaben des Betriebsrats bereits seit langem auf der Kippe steht, soll der Abbau von hunderten Arbeitsplätzen zwar eine Schließung verhindern, die Mitarbeiter müssen aber bereits jetzt deutliche Einbußen hinnehmen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Bereits seit Monaten geht am Bosch-Standort Hildesheim (Niedersachsen) die Sorge vor einer baldigen Schließung um, die insgesamt rund 1.600 Mitarbeiter betreffen würde. Der Betriebsrat sieht für diese Annahme eine ganze Reihe von Indizien, der Konzern selbst revidierte Ende August nur zu Teilen. Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) aktuell berichtet, hält Bosch auch nach einer Betriebsversammlung am Montag (25. November) an den Abbauplänen in Hildesheim fest und will zudem die Arbeitszeiten der Belegschaft kürzen.

Bosch will für Rettung eines deutschen Standorts rund die Hälfte der Arbeitsplätze streichen

Hildesheim ist nach Angaben von Bosch ein zentraler Technologiestandort, an dem mehrere Unternehmensbereiche Lösungen für die „Mobilität der Zukunft“ entwickeln. Eben diese Mobilität, die Elektromobilität, strauchelt aktuell aber gewaltig, was dem großen Autozulieferer zu schaffen macht. Die Sorge, dass der Standort vor einem endgültigen Aus stehen könnte, hatte der Hildesheimer Betriebsratschef Stefan Strömer Ende August unter anderem damit begründet, dass Bosch deutlich weniger Auszubildende und Dual-Studierende einstellen wolle. Der Betriebsrat hatte Widerstand angekündigt, konnte sich bei der Betriebsversammlung am Montag aber offenbar nicht durchsetzen.

Name Robert Bosch GmbH
Gründungsjahr 1886
Gründer Robert Bosch
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte
Produkte (Auswahl) Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik
Mitarbeiter429.400 (2023)
Umsatz91,6 Milliarden Euro (2023)

Eine Schließung des Standorts kann zwar verhindert werden, dafür will Bosch dem NDR-Bericht zufolge aber in den kommenden Jahren 750 Stellen – und damit rund die Hälfte der Arbeitsplätze am Standort – streichen. Man müsse die Strukturen vor Ort anpassen, um den Bestand des Werkes zu sichern, hieß es demnach vom Stuttgarter Weltkonzern. Zudem sind die Arbeitszeitkürzungen in Konsequenz auch mit einer Kürzung der Gehälter der Mitarbeiter verbunden. Bosch hatte bereits vor wenigen Tagen angekündigt, an mehreren deutschen Standorten Arbeitszeit und Gehälter kürzen zu müssen.

Erneuter Stellenabbau bei Bosch trifft auf massive Kritik – „Beschäftigte verdienen eine echte Chance“

Das Ergebnis der Betriebsversammlung ist für die Bosch-Mitarbeiter in Hildesheim demnach ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann wie erwähnt durch den Stellenabbau möglicherweise eine Werkschließung 2027 verhindert werden, anderseits müssen die Angestellten in einer ohnehin schwierigen Wirtschaftslage Gehaltsverzichte hinnehmen. Im schlimmsten Fall könnten sie in den kommenden Jahren ihren Arbeitsplatz verlieren. „Mit Personalabbau gestaltet man keine Zukunft. Hierfür sind weitsichtige Ideen nötig“, hatte Stefan Strömer bereits im Vorfeld der Betriebsversammlung am Montag kritisiert.

Am Bosch-Standort Hildesheim soll ein Stellenabbau eine mögliche Schließung verhindern. Zunächst werden allerdings die Arbeitszeiten der Mitarbeiter gekürzt.

Die erneuten Ankündigungen eines massiven Stellenabbaus bei Bosch haben in ganz Deutschland für Bestürzung gesorgt. „Wir kritisieren die Pläne von Bosch, erneut massiv Stellen abzubauen, scharf“, betonte Baden-Württembergs IG Metall-Chefin Barbara Resch. „Der Standort Deutschland und die Beschäftigten verdienen eine echte Chance statt einem Manöver in die Sackgasse.“ Die Arbeitnehmervertreter erwarten tragfähige Lösungen von Bosch; diese konnten zumindest am Montag für Hildesheim nicht gefunden werden. Zuletzt hatte auch Bosch-Tochter BSH Maßnahmen ergriffen und rund 1.500 Mitarbeiter eines Standorts in Kurzarbeit geschickt.

Rubriklistenbild: © Robert Bosch GmbH

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