VonPatricia Huberschließen
Die Rentenproblematik in Deutschland spitzt sich zu. Millionen von Arbeitnehmern erwartet eine eher kleine Rente – die Zahlen sind alarmierend.
Berlin – Das Rentensystem in Deutschland gerät immer stärker unter Druck. Durch den demographischen Wandel kommen auf immer weniger Beitragszahler immer mehr Renten-Empfänger. Doch das ist nicht das einzige Problem. Die Höhe der Rente wird bei vielen heute Vollzeitbeschäftigten eher gering ausfallen, wie eine Anfrage der Linksfraktion an das Bundesarbeitsministerium zeigt.
Weniger als 1500 Euro Rente: „Sozialer Sprengsatz“
Etwa 9,3 Millionen der aktuell rund 22 Millionen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitangestellten in Deutschland werden voraussichtlich eine monatliche Rente von unter 1500 Euro erhalten, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über die Antwort berichtet. Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken, bezeichnete diese Situation als „sozialen Sprengsatz“.
Um eine Altersrente von 1500 Euro zu erreichen, müssen Arbeitnehmer derzeit 45 Jahre lang 40 Stunden pro Woche arbeiten. Dabei müssen sie einen durchschnittlichen Stundenlohn von 20,78 Euro erzielen, wie die RND-Zeitungen berichten. Dies entspricht einem Bruttomonatslohn von 3602 Euro.
Für eine spätere monatliche Rente von 1200 Euro ist aktuell ein Stundenlohn von 16,62 Euro erforderlich. Dies gilt bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden über 45 Jahre hinweg. Das entspricht einem Bruttomonatslohn von 2882 Euro. Für eine Rente von 1300 Euro wären ein Stundenlohn von 18,01 Euro und ein monatlicher Bruttolohn von 3122 Euro nötig.
Geringe Mindestlohn-Erhöhung mit Folgen für spätere Renten
Die geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12,41 Euro Anfang 2024 ändert laut Bericht nichts an dieser Situation. Selbst nach dieser Anhebung liegen die Löhne noch weit unter den 16,62 Euro, die für eine Rente von 1200 Euro erforderlich wären. „Der aktuelle Mindestlohn und die geplanten Erhöhungen der Bundesregierung führen auch nach 45 Jahren Maloche in die Altersarmut“, sagte Bartsch den RND-Zeitungen. „Das ist zynisch und respektlos gegenüber Millionen Beschäftigten.“ Bartsch fordert eine Anhebung des Mindestlohns auf 14 Euro ab Januar 2024.
Bartsch warnte, dass sich „die Lohn- und Rentenproblematik im Land weiter zuspitzt, wenn fast die Hälfte der heute Vollzeitbeschäftigten im Alter eine Rente von unter 1500 Euro erwartet“. Im Osten Deutschlands sei die Situation noch dramatischer, da hier die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger eine Rente unter 1300 Euro drohe.
Darüber hinaus werden die Renten in den kommenden Jahrzehnten real noch niedriger ausfallen, da viele Menschen nicht auf 45 Arbeitsjahre kommen. „Das Verarmungsrisiko im Alter wird weiter ansteigen“, warnte Bartsch. (ph/AFP)
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