Die Altersarmut in Deutschland steigt. Eine aktuelle Statistik deutet an, dass Millionen Menschen im Alter armutsgefährdet sind.
Berlin – Altersarmut in der Rente ist in Deutschland keine Seltenheit: Hierzulande galt im vergangenen Jahr laut EU-Daten fast jede fünfte Person über 65 Jahre als armutsgefährdet. Das berichtet die Tagesschau und verweist darauf, dass die Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei. Eine aktuelle Antwort der Bundesregierung an den Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, zeigt nun, dass dieses Problem Millionen Menschen im Alter erwarten könnte.
Einkommen und spätere Rente: Ab wann besteht die Gefahr von Altersarmut?
Demnach verdient jede und jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte in Deutschland (etwa 4,6 Millionen Menschen) weniger als 2.750 Euro brutto im Monat, 40 Prozent oder 9,2 Millionen liegen unter 3.500 Euro. Für die Betroffenen haben die Löhne im unteren Segment nach Einschätzung von Bartsch harte Folgen für die Rente. „Eine politische und soziale Unverschämtheit ist es, dass genau diejenigen die Armutsrentner von morgen sein werden“, sagte er.
Eine aktuelle Statistik legt nahe, dass Millionen Menschen im Alter armutsgefährdet sind – und sie zeigt, ob das eigene Einkommen für eine gute Rente reichen könnte.
Hintergrund ist laut der Linken, dass ein Monatsbruttolohn von mehr als rund 3.300 Euro – rund 20 Euro pro Stunde – nötig ist, um eine gesetzliche Rente auf dem Niveau der Armutsrisiko-Schwelle zu erhalten. Andere Formen der Altersvorsorge sind hier aber nicht berücksichtigt.
In Deutschland galt eine Person laut Statistischem Bundesamt zuletzt als armutsgefährdet, wenn sie mit ihrem Nettoeinkommen unter 1.378 Euro im Monat liegt. 15,5 Prozent – rund 13,1 Millionen Menschen – sind davon betroffen. Laut Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands sind Menschen im Ruhestand mit 19 Prozent überproportional armutsgefährdet.
Bartsch: „Löhne unter 3.500 Euro sind faktisch eine Garantie für Renten auf Armutsniveau“
„Löhne unter 3.500 Euro sind faktisch eine Garantie für Renten auf Armutsniveau“, sagte Bartsch. Wie viele Menschen aktuell weniger aus der gesetzlichen Rentenkasse bekommen als für eine Rente oberhalb der Armutsgefährdungsschwelle nötig, hatte Bartsch im Juli bereits abgefragt. Unter 1.300 Euro Rente erhalten demnach – Stand 31. Dezember 2024 – mehr als jede und jeder Vierte mit mindestens 45 Jahren in der Rentenversicherung.
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Allerdings macht die gesetzliche Rente laut dem jüngsten Alterssicherungsbericht nur 53 Prozent der Bruttoeinkommen der Ab-65-Jährigen aus (2023). Hinzu kommen etwa Betriebsrenten (sieben Prozent), weiteres Erwerbseinkommen (13 Prozent), private Vorsorge (sechs Prozent) sowie Transferleistungen und anderes (21 Prozent).
Einkommen: Wo liegt der Durchschnitt?
Aber wo steht man momentan mit seinem Einkommen? Mithilfe des Statistischen Bundesamts kann man sich selbst einordnen. Aktuell reicht die Lohnspreizung in Deutschland von 20 Prozent der Vollzeitbeschäftigten, die im Jahr auf 77.000 Euro oder mehr kommen, bis 10 Prozent mit 32.500 Euro oder weniger.
Liegt der eigene Verdienst beispielsweise bei 42.000 Euro, verdienen rund 30 Prozent der Vollzeitbeschäftigten gleich viel oder weniger. Mit einem Verdienst von 66.000 Euro gehört man zu den 30 Prozent mit den höchsten Verdiensten. Und ein Prozent der Vollzeitbeschäftigten verdiente nach diesen jüngsten Zahlen im Jahr 2024 mehr als 213.286 Euro brutto.
Niedriglohn und Altersarmut: Bartsch für höheren Mindestlohn
Bartsch folgert aus dem Lohngefüge: „Deutschlands Beschäftigte brauchen eine ernsthafte Lohnoffensive.“ Der schwarz-roten Regierung warf der Linken-Politiker vor, keinen Mindestlohn von 15 Euro als unterste Lohngrenze festgeschrieben zu haben. Dies schade dem Lohnniveau insgesamt.
Damit spielt Bartsch darauf an, dass die Bundesregierung die anstehende Mindestlohnerhöhung nicht per Gesetz bestimmen will. Die dafür zuständige Mindestlohnkommission mit Spitzenvertretern der Gewerkschaften und der Arbeitgeber hatte beschlossen, dass der Mindestlohn in Deutschland zum 1. Januar 2027 in zwei Stufen auf 14,60 Euro pro Stunde steigt, Anfang kommenden Jahres von heute 12,82 auf 13,90 Euro. Die Regierung will die Empfehlung umsetzen. (lma mit dpa)