VonPeter Kieferschließen
Nach 45 Arbeitsjahren erhalten Rentner durchschnittlich 1668 Euro im Monat. Das hängt von Wohnort und Geschlecht ab. Doch jeder Vierte kriegt sogar deutlich weniger.
In Deutschland erhält mehr als jede vierte Person mit mindestens 45 Versicherungsjahren im Alter weniger als 1300 Euro Rente im Monat. Im Durchschnitt liegt die Rente dieser Gruppe bei 1668 Euro. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervor, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.
Deutliche Unterschiede zwischen Ost und West – Frauen kriegen deutlich weniger
Zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen weiter große Unterschiede. Im Westen liegt die durchschnittliche Rente nach 45 Versicherungsjahren bei 1729 Euro, im Osten bei 1527 Euro. Am höchsten fällt die Rente in Hamburg mit 1787 Euro aus. Schlusslicht ist Thüringen mit durchschnittlich 1491 Euro.
Doch es gibt auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer erhalten im Schnitt 1778 Euro monatlich, Frauen dagegen nur 1449 Euro – trotz gleicher Versicherungsdauer. Erst am 1. Juli 2025 wurde eine weitere Rentenerhöhung wirksam.
Bartsch kritisierte die Situation scharf: „Wenn jeder vierte Rentner nach 45 Jahren Arbeit mit weniger als 1300 Euro Rente auskommen muss, ist das ein Armutszeugnis für die Politik, einer offensichtlich verkehrten Rentenpolitik.“ Die Zahlen zeigten, dass die gesetzliche Rente im Alter nicht ausreiche.
Warum Renten trotz 45 Jahren niedrig ausfallen können
Die Bundesregierung verweist darauf, dass die genannten Zahlen nicht die gesamte finanzielle Lage der Betroffenen abbilden. Die Höhe der Rente hängt auch davon ab, welche Zeiten in den 45 Jahren enthalten sind. Dazu gehören nicht nur Beitragszeiten, sondern auch beitragsfreie Zeiten – etwa Schul- und Studienzeiten oder Phasen ohne Arbeitslosengeld. Auch Teilzeitbeschäftigungen spielen eine Rolle.
In einem anderen Rechenbeispiel des Portals gegen-hartz.de wurden noch alarmierendere Rentenzahlungen für 37 Beitragsjahre bekannt, wie echo24.de berichtete.
Lebensstandard hängt nicht nur von der Rente ab
Zudem weist die Regierung darauf hin, dass eine niedrige Rente allein wenig über den Lebensstandard aussagt. Entscheidend sei das gesamte Haushaltseinkommen. So hätten etwa viele Frauen eine geringe Rente, wenn sie lange nicht berufstätig waren, aber über das gemeinsame Einkommen mit dem Partner dennoch gut abgesichert seien.
Linke fordert Kurswechsel bei der Rente
Bartsch erneuerte die Forderung seiner Partei nach einer grundsätzlichen Reform der Rentenpolitik. In anderen Ländern liege das Rentenniveau bei über 80 Prozent. In Deutschland müssten Millionen mit Mini-Renten auskommen.
Die von der Bundesregierung geplante „Stabilisierung“ des Rentenniveaus wertet Bartsch als „Drohung, dass alles bleiben soll, wie es ist“. Er fordert, dass künftig alle Erwerbstätigen in die Rentenkasse einzahlen – nicht nur Angestellte.
Rentenreform: Entwurf liegt vor
Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) hat Ende Juni ihren Entwurf für ein erstes Rentengesetz vorgelegt. Geplant ist, das Rentenniveau bei 48 Prozent zu sichern. Damit sollen die Renten trotz demografischem Wandel weiter steigen können.
Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der Renten zu den Löhnen. Bleibt es stabil, bedeutet das: Die Renten entwickeln sich ähnlich wie die Löhne. Während Arbeitgeber die Kosten der Reform kritisieren, fordern Gewerkschaften ein deutlich höheres Rentenniveau.
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