Europäische Firmen stehen vor einem Albtraum: Die neuen 15-Prozent-Trump-Zölle treten früher als erwartet für die EU in Kraft.
Update 11.10 Uhr: Mitten in der Zoll-Diskussion meldet das Statistische Bundesamt: Die deutsche Industrieproduktion ist im Juni überraschend stark um 1,9 Prozent gesunken und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mai 2020 während der Corona-Pandemie. Das Bundesamt revidierte auch die Mai-Daten nach unten – statt eines gemeldeten Anstiegs von 1,2 Prozent wurde ein Rückgang von 0,1 Prozent verzeichnet. Im Jahresvergleich fiel die Produktion um 3,6 Prozent. Besonders betroffen war die Pharmabranche mit einem Einbruch von elf Prozent im Monatsvergleich, während der Maschinenbau um 5,3 Prozent zurückging.
Das Bundeswirtschaftsministerium führt die schwache Entwicklung teilweise auf Gegenbewegungen zu Vorzieheffekten im Zusammenhang mit angekündigten US-Zollerhöhungen zurück.
Trump-Zölle News: Exporte „Made in Germany“ steigen leicht trotz Handelskonflikten mit den USA
Update 9.18 Uhr: Deutsche Exporteure haben das erste Halbjahr 2025 trotz der Handelskonflikte mit den USA mit einem leichten Wachstum abgeschlossen. Waren „Made in Germany“ im Gesamtwert von 785,6 Milliarden Euro wurden in den ersten sechs Monaten ins Ausland exportiert - ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Allerdings verzeichneten deutsche Unternehmen spürbare Rückgänge auf den wichtigsten Märkten: Die Exporte in die USA sanken um 3,1 Prozent, nach China sogar um 13,5 Prozent.
Die Auswirkungen der US-Zollpolitik unter Präsident Donald Trump werden sich voraussichtlich verschärfen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer prognostiziert eine wahrscheinlich langfristige Schwäche des US-Geschäfts und schätzt, dass „die höheren Zölle die preisbereinigten Exporte in die USA in den kommenden zwei Jahren um schätzungsweise 20 bis 25 Prozent fallen lassen“ dürften. Im Juni erreichten die deutschen Exporte in die USA mit 11,8 Milliarden Euro den niedrigsten Wert seit Februar 2022, während die Gesamtexporte im Juni bei 130,5 Milliarden Euro lagen - ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Trumps Zölle treffen EU: 15 Prozent den Import der meisten EU-Produkte in die USA
Update 7.55 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) befürchtet nach dem EU-Deal mit Trump einen „erheblichen Schaden“ für die deutsche Wirtschaft und warnt vor der Abwanderung von Arbeitsplätzen in die USA. Sorgen gibt es auch bei deutschen Unternehmen: Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeigt, dass über die Hälfte (58 Prozent) künftig weitere Belastungen erwarten. Bei Unternehmen mit direktem US-Geschäft sind es sogar drei Viertel (74 Prozent).
Erstmeldung: Washington/Mar-A-Lago – Die Erleichterung über den vermeintlichen Zölle-Kompromiss mit Donald Trump währte nur kurz. Die von Donald Trump angeordneten Handelsmaßnahmen traten nun plötzlich um Mitternacht (Ortszeit Washington; 6 Uhr deutscher Zeit) in Kraft, wie der US-Präsident kurz zuvor auf seiner Plattform Truth Social bestätigte. Die Europäische Kommission war hingegen bisher davon ausgegangen, dass der neue Zollsatz von 15 Prozent auf den Import der meisten EU-Produkte in die USA erst ab dem folgenden Tag gelten würde.
Trump-Zölle News: EU überrascht von plötzlicher Maßnahme – mit Folgen
Zusätzlich zur EU sind etwa 70 weitere Staaten von den geänderten Zollsätzen betroffen, jeweils in unterschiedlicher Höhe. Trump rechtfertigt seine radikale Zollpolitik mit angeblichen Handelsdefiziten, die für die USA ein nationales Sicherheitsrisiko darstellten - deshalb bestehe ein nationaler Notstand, der die Zölle rechtfertige. Sein Vorgehen ist auch juristisch umstritten.
Während die EU-Kommission den Deal mit Trump als Erfolg feierte, kündigte der US-Präsident bereits die nächste Eskalationsstufe an. Bei einer Pressekonferenz mit Apple-Chef Tim Cook drohte Trump mit hundert Prozent Zöllen auf alle Computerchips und Halbleiter, die in die USA importiert werden. Diese drastische Maßnahme würde europäische Technologieunternehmen besonders hart treffen, da die meisten Chips aus Asien stammen und über europäische Distributoren in die USA gelangen.
600 Milliarden Dollar: EU-Investitionszusagen an Trump werden zur Kostenfalle
Besonders brisant: Die EU hat sich zu Investitionen von 600 Milliarden Dollar in den USA verpflichtet – ein Betrag, den Trump als „Geschenk“ bezeichnet. Während die EU-Kommission betont, dass dies private Unternehmensinvestitionen seien, droht Trump bereits mit 35-Prozent-Zöllen, falls die Zusagen nicht eingehalten werden. Diese Unsicherheit belastet europäische Konzerne, die nun unter Druck stehen, ihre Produktionskapazitäten in die USA zu verlagern.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Die Pharmaindustrie muss sich auf noch drastischere Maßnahmen einstellen. Trump kündigte an, dass Zölle auf Medikamente auf bis zu 250 Prozent steigen könnten – eine Entwicklung, die deutsche und schweizerische Pharmakonzerne in existenzielle Nöte bringen würde. Und nicht nur die EU kämpft mit Trumps Zollhammer – auch die Schweiz ist von der Maßnahme überrascht worden.
Folgen der Trump-Zölle: Preisexplosion bei Elektronik und Konsumgütern erwartet
Experten warnen vor einer Preisexplosion bei Elektronikprodukten in den USA, die auch europäische Verbraucher treffen könnte. Da die meisten Halbleiter aus Taiwan stammen und über europäische Handelsrouten vertrieben werden, würden die angekündigten 100-Prozent-Zölle eine Verdopplung der Importkosten bedeuten. Diese Mehrkosten werden unweigerlich an die Endverbraucher weitergegeben.
Die Unsicherheit über weitere Trump-Zölle hat bereits zu Turbulenzen an den europäischen Börsen geführt. Der deutsche Leitindex DAX verzeichnete den stärksten Rückgang seit April, als die Zollpläne bekannt wurden. Investoren befürchten eine Spirale aus Zöllen und Gegenzöllen, die den transatlantischen Handel nachhaltig schädigen könnte.