„Beendet das Gespräch!“

Zoll-Hammer gegen die Schweiz – Trump: „Die Frau war nett, aber sie wollte nicht zuhören“

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Unter Druck: US-Präsident Donald Trump setzt die Schweiz mit Zolldrohungen unter Druck – Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter betreibt aktuell Schadensbegrenzung.
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Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter brachte Donald Trump mit ihren Erklärungen auf – jetzt leidet die Schweizer Wirtschaft darunter.

Update, 7. August 2025, 7.22 Uhr: Die Schweizer Mission nach Washington ist gescheitert. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin kehrten am Donnerstagmorgen mit leeren Händen aus den USA zurück, nachdem sie notfallmäßig versucht hatten, die angekündigten 39-Prozent-Zölle auf Schweizer Exporte abzuwenden. Zwar kam es zu einem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio, doch ein direkter Kontakt zu Präsident Donald Trump blieb aus. Pünktlich um Mitternacht amerikanischer Zeit trat der Zollhammer in Kraft, was für Schweizer Hersteller bei Exporten in die USA nun Abgaben von 39 Prozent bedeutet.

Der Bundesrat will sich am Donnerstagnachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung treffen und anschließend die Öffentlichkeit informieren. Bereits vor der Washington-Reise hatte er angedeutet, dass die Verhandlungen auch nach Ablauf der Frist fortgeführt werden sollen. Trump hatte bereits vor dem Inkrafttreten auf Truth Social gepostet: „Es ist Mitternacht!!! Milliarden von Dollars fließen nun in die Vereinigten Staaten von Amerika!“ Das hat auch die EU kalt erwischt – dort gelten die Trump-Zölle ab sofort.

Update, 13.17 Uhr: Der Bundesrat hat in den Verhandlungen mit den USA das Ziel eines Zoll-Deals spektakulär verfehlt, nachdem US-Präsident Donald Trump der Schweiz einen 39-Prozent-Zoll auferlegt hat. Jetzt sucht die Landesregierung nach Lösungen für ein „noch attraktiveres Angebot“. Während im ursprünglich gescheiterten Vorschlag nur Produkte wie amerikanische Orangen, Meeresfrüchte oder Nüsse von Zollsenkungen profitieren sollten - Bereiche, wo die Schweiz ohnehin importiert -, rückt nun die heikle Frage nach US-Rindfleischimporten in den Fokus.

SVP-Nationalrat und Landwirt Martin Haab warnt im Schweizer Blick vor den Konsequenzen für die Schweizer Landwirtschaft und erklärt: „Bundesrat Parmelin und das Staatssekretariat für Wirtschaft haben uns zugesichert, dass das Fleisch bei einem möglichen Deal mit den USA nicht angerührt wird.“ Bereits das Mercosur-Abkommen sieht ein Kontingent von 3000 Tonnen Importfleisch vor, was Haab als verkraftbar bezeichnet: „Das können wir Bauern aushalten und gehen nicht gleich auf die Barrikaden. Wenn dann aber auch bei den USA das Fleisch in den Fokus rückt, wird es happig.“

Name: Karin Keller-Sutter
Amt:Schweizer Bundespräsidentin
Sprachliche Ausbildung:Ausgebildete Dolmetscherin, hat Sprachen studiert und unterrichtet
Politische Laufbahn:Gemeinderätin, Kantonsrätin, Regierungsrätin, Ständerätin und ist jetzt Bundesrätin der FDP.
Finanzpolitische Haltung:Sie warnt vor der hohen Verschuldung in Europa und den USA als Risiko für die Finanzstabilität.
Begegnung mit Trump:Sie traf Trump persönlich im Vatikan, bevor das fatale Telefonat stattfand.

Trump über Keller-Sutter: „Die Frau war nett, aber sie wollte nicht zuhören“

Update, 9.33 Uhr: Heute um 16.15 Uhr deutscher Zeit findet ein erstes Treffen zwischen der Schweiz und den USA statt, bei dem Keller-Sutter auf US-Außenminister Marco Rubio trifft. Das Gespräch steht im öffentlichen Terminkalender des US-Außenministers und wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten. Ein Treffen mit US-Präsident Trump ist nach Angaben eines US-Regierungsvertreters gegenüber der Nachrichtenagentur AFP „derzeit“ nicht vorgesehen. Das bilaterale Gespräch markiert den ersten offiziellen Kontakt zwischen den beiden Ländern auf dieser Ebene.

Update, 6. August, 8.36 Uhr: Die Schweiz steht vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen durch die von US-Präsident Donald Trump angeordneten 39-prozentigen Zölle auf Schweizer Importe. Der Industrieverband Swissmem warnt vor einer Gefährdung des „Wohlstands aller“ und befürchtet den Verlust zehntausender Arbeitsplätze, wie Direktor Stefan Brupbacher erklärte. Auch Economiesuisse sieht Firmenpleiten als Folge der Zollpolitik. Obwohl die Zölle von US-Importeuren und letztendlich von amerikanischen Verbrauchern getragen werden müssten, könnten Schweizer Produkte so teuer werden, dass die Nachfrage drastisch einbricht. Die USA sind nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt der Schweiz mit einem Anteil von fast 19 Prozent am Gesamtexport.

Zoll-Schock trifft Schweiz: Trump verrät Details aus Telefonat mit Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter

Update, 21.42 Uhr: Die Schweiz sieht sich ab Donnerstag mit einem der höchsten Zollsätze konfrontiert, die Donald Trump im Rahmen seines Zollkonflikts zahlreichen Handelspartnern auferlegt. Die Zölle würden das Land „im Vergleich zu anderen Handelspartnern mit ähnlichem Wirtschaftsprofil deutlich benachteiligen“, hatte die Schweizer Regierung unter Verweis auf niedrigere Zölle für EU-Mitgliedstaaten, Großbritannien und Japan erklärt. Die Schweiz wolle jedoch an den „dynamischen Wirtschaftsbeziehungen mit den USA festhalten“.

Mit ihrem neuen Angebot wolle die Schweiz „den Bedenken der USA Rechnung tragen“, hieß es in der Erklärung vom Dienstag. Einzelheiten wurden aber nicht genannt. Derweil echauffierte Trump sich in einem Interview mit dem US-Sender CNBC darüber, dass die Schweiz einen Zollsatz von einem Prozent gefordert habe. Trump habe Karin Keller-Sutter in ihrem letzten Gespräch entgegnet, man werde an den Plänen festhalten. „Die Frau war nett, aber sie wollte nicht zuhören“, so der US-Präsident weiter.

Trumps Schweiz-Zölle: Bundespräsidentin auf dem Weg in die USA

Update, 15.17 Uhr: Nach dem Schock über die 39-prozentigen US-Zölle haben Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Dienstag persönlich die Reise nach Washington angetreten.

Besuche im Weißen Haus: Trumps legendäre Momente im Oval Office

Friedrich Merz trifft Donald Trump
529408025.jpg © Evan Vucci/dpa
Friedrich Merz beim Besteigen der „Konrad Adenauer“, dem deuschen Pendant der Air Force One.
Friedrich Merz beim Besteigen der „Konrad Adenauer“, dem deutschen Pendant der Air Force One. Das Flugzeug bringt den Bundeskanzler am Mittwoch nach Washington DC. In der US-Hauptstadt wird Merz zum Antrittbesuch bei Donald Trump erwartet. Es ist das erste persönliche Treffen der beiden und das erste Mal, dass Merz zu Gast im Weißen Haus ist. © Michael Kappeler/dpa
Für Friedrich Merz ist es der erste offizielle Besuch im Weißen Haus.
Für Friedrich Merz ist es der erste offizielle Besuch im Weißen Haus. In den USA kennt sich der neue Bundeskanzler aber aus. Von 2009 bis 2019 war er Vorsitzender der „Atlantik-Brücke“, ein Verein, dem etwa 800 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angehören. Die „Atlantik-Brücke“ dient ihren Mitgliedern als Netzwerk und Austauschforum und hat zum Ziel, die transatlantische Zusammenarbeit zwischen den USA auf der einen und Deutschland sowie Europa auf der anderen Seite zu fördern. © Bernd Von Jutrczenka/dpa
 Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um
Kaum angekommen im Oval Office sorgte Donald Trump für den nächsten Eklat. Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um. Weil die Nachrichtenagentur AP diese Umbenennung nicht mitmachen wollte, verbannte die Trump-Administration ihre Vertreterinnen und Vertreter von den Pressekonferenzen des Weißen Hauses. © imago
Statuette, die an das Attentatsversuch auf Trump im Wahlkampf erinnert.
Das Oval Office hat Donald Trump längst nach seinen Vorstellungen umgestaltet. Der neue Präsident scheute dabei keine Kosten. Der Teppichboden wurde ausgetauscht, deutlich mehr Flaggen aufgestellt und zahlreiche neue Bilder aufgehängt. Daneben finden sich im Oval Office etliche Memorabilias wie eine Statuette, die an das Attentatsversuch auf Trump im Wahlkampf erinnert.  © Alex Brandon/dpa
Donald Trump, hier in Begleitung von Verteidigungsminister Pete Hegseth
Einen besonders prominenten Platz vergab Donald Trump, hier in Begleitung von Verteidigungsminister Pete Hegseth bei der Präsentation eines neuen Kampfjets, an ein Bild Ronald Reagans. Der 40. Präsident der USA gilt Trump seit jeher als Vorbild. Seinen Wahlspruch, „Make America Great Again“, der zum Namen einer ganzen Bewegung geworden ist, hat sich Trump ebenfalls bei Reagan abgeschaut. © IMAGO/Pool/ABACA
X Æ A-Xii, der jüngste Sohn von Elon Musk
Ein außergewöhnlicher Moment im Oval Office war der Auftritt von X Æ A-Xii, der jüngste Sohn von Elon Musk. Donald Trump hatte den reichsten Mann der Welt damit beauftragt, die Regierungsausgaben der USA radikal zu kürzen. Musk stellte sich daraufhin derart auffällig ins Rampenlicht, das viele Beobachterinnen und Beobachter in dem gebürtigen Südafrikaner den eigentlichen US-Präsidenten sahen. © JIM WATSON/AFP
Kid Rock und Donald Trump im Oval Office
Elon Musk und Sohnemann X Æ A-Xii waren aber nicht die Einzigen, die seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ihre Momente im Oval Office hatten. Einen solchen feierte auch Kid Rock. Der in die Jahre gekommene Rockstar ist seit langem Anhänger Trumps und besuchte diesen kurz nach seiner Wahl in Washington DC. Für seine Audienz im Oval Office wählte Kid Rock ein Outfit, das an menschliche Kanonenkugeln und furchtlose Motorrad-Stuntfahrer erinnerte. © SAUL LOEB/AFP
Donald Trump beim Interview im Oval Office
Ebenfalls im Oval Office kam es zu einem weiteren Eklat, an dem Donald Trump maßgeblich beteiligt war. Während eines Fernsehinterviews behauptete der US-Präsident, man habe die Tätowierung „MS13“ auf den Knöcheln eines abgeschobenen Südamerikaners gefunden, was wiederum dessen Mitgliedschaft in der gleichnamigen Kriminellen-Gang beweisen würde. Mehrfach wies der Reporter Trump daraufhin, dass es sich bei seinem angeblichen Beweisfoto um eine mit Photoshop bearbeitete Aufnahme handle. Trump wiederum ließ sich davon aber nicht stören. © IMAGO/White House
Wolodymyr Selenskyj mit seinem Outfit in Washington DC
Während die Garderobe von Elon Musk und Kid Rock bei ihren Besuchen im Oval Office die MAGA-Welt um Donald Trump unbeeindruckt hinterließ, sorgte Wolodymyr Selenskyj mit seinem Outfit in Washington DC für einen handfesten Eklat. Der ukrainische Präsident erschien zum Antrittbesuch im schwarzen Pullover – für den ebenfalls anwesenden Brian Glenn offenbar zu viel des Guten. „Haben Sie keinen Anzug“, fragte der rechtsradikale Kommentator Selenskyj, der sich im Oval Office auch von Vizepräsident JD Vance so einiges anhören durfte. © imago
das Treffen zwischen Donald Trump und Emmanuel Macron im Weißen Haus
Harmonischer lief dagegen das Treffen zwischen Donald Trump und Emmanuel Macron im Weißen Haus. Frankreichs Präsident ließ bei dem Besuch seinen Charme spielen, was Trump offensichtlich gefiel. Selbst als Macron ihn bei der Frage, welches Land wie viel Hilfe an die Ukraine geleistet habe, korrigierte, quittierte Trump das nur mit einem Lächeln. © LUDOVIC MARIN/AFP
Keir Starmer folgte bei seinem Besuch im Oval Office
Keir Starmer folgte bei seinem Besuch im Oval Office dem Vorbild Emmanuel Macrons. Wie schon Frankreichs Präsident bemühte sich auch der britische Premierminister um ein harmonisches Verhältnis zu Donald Trump. Starmer brachte sogar eine schriftliche Einladung Trumps an den Hof von König Charles III. mit – wohl wissend, dass Trump schon immer ein Faible für die britischen Royals hatte. Der britische Premierminister war der sechste Regierungschef, der Trump im Oval Office einen Besuch abstattete. © Carl Court/dpa
Beste Laune herrschte im Oval Office bei dem Staatsbesuch von Giorgia Meloni
Beste Laune herrschte im Oval Office bei dem Staatsbesuch von Giorgia Meloni. Donald Trump nannte Italiens Regierungschefin „eine großartige Premierministerin.“ Sie mache „einen fantastischen Job in Italien“ und sei „eine der wirklichen Führungspersönlichkeiten der Welt.“ Die Post-Faschistin Meloni habe laut Trumps Laudatio im Weißen Haus seit ihrem Amtsantritt „Europa im Sturm erobert“. © imago
Nato-Generalsekretär Marc Rutte in Washington DC.
Was zu anderen Zeiten ein dröger Standard-Termin gewesen wäre, wird unter Donald Trump zum Treffen mit Zündstoff: Der Besuch von Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Washington DC. Der amtierende US-Präsident gilt als Kritiker des Verteidigungsbündnisses und will, dass sein Land weniger Verantwortung für die anderen Mitglieder übernimmt. Rutte bemühte sich bei seinem Besuch, die so entstandenen Wogen zu glätten. © imago
Mark Carney und Donald Trump im Weißen Haus
Ähnlich gestaltete sich die Situation beim Antrittsbesuch von Mark Carney, dem neuen Premierminister Kanadas, in Washington DC. Trump hatte im Vorfeld zur Wahl in Kanada die Idee in Umlauf gebracht, die USA könnten sich den nordischen Nachbarstaat einfach einverleiben. Kanada würde so der 51. Bundesstaat werden. Doch im Oval Office stellte Carney klar: „Kanada steht nicht zum Verkauf.“ © imago
Donald Trump beim Besuch von Cyril Ramaphosa
Einen weiteren Eklat verursachte Donald Trump beim Besuch von Cyril Ramaphosa. Der Präsident Südafrikas sah sich im Oval Office mit Videoaufnahmen konfrontiert, die einen angeblichen Genozid an der weißen Bevölkerung seines Landes dokumentieren sollen. Ramaphosa war eigentlich nach Washington DC gereist, um mit Trump über Zollabkommen zu verhandeln. Dessen plötzlichen Themenwechsel nahm Südafrikas Präsident gelassen hin. © imago
Donald Trump Trikot im weißen haus
Nicht nur Staats- und Regierungschefs gehen ein und aus im Weißen Haus. Donald Trump empfängt dort auch regelmäßig Vertreter aus Kultur und Sport. Im Mai 2025 verkündete der US-Präsident aus dem Oval Office, dass der Draft der American Football Liga (NFL) im Jahr 2027 in Washington DC stattfinden werde. Dafür bekam Trump ein persönliches Trikot des städtischen Football-Teams, der Washington Commanders, überreicht. Die Nummer 47 steht dabei für sein Amt: Trump ist der 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der dazugehörige Football erinnert zudem an seine erste Amtszeit, als Trump der 45. US-Präsident war. © imago
Eine Sportart, für die Donald Trump viel Begeisterung aufbringt, ist die Ultimate Fighting Championship (UFC)
Eine Sportart, für die Donald Trump viel Begeisterung aufbringt, ist die Ultimate Fighting Championship (UFC). Deren im Ruhestand befindlicher Superstar ist der Ire Conor McGregor. Zum St. Patricks Day lud der US-Präsident den ehemaligen UFC-Weltmeister mitsamt Familie ins Weiße Haus ein. Im Oval Office gefiel es McGregor offenbar so gut, dass er im Anschluss an das Familienfoto mit Trump und Elon Musk beschloss, eine eigene politische Karriere zu beginnen und bei der nächsten Wahl in seiner Heimat Irland für das Amt des Präsidenten zu kandidieren. © imago
So fand Skandal-Rapper Kanye West seinen Weg ins Weiße Haus
Bereits während seiner ersten Amtszeit im Oval Office lud Donald Trump jeden ein, der ihm mit seinem Besuch Schlagzeilen versprechen konnte. So fand Skandal-Rapper Kanye West seinen Weg ins Weiße Haus, um dort mit dem US-Präsidenten über Schusswaffengewalt, Sozialpolitik und Trumps Strategie zu sprechen. West trug während seines Besuchs die Trumps berühmte rote MAGA-Mütze. Sie sorge dafür, dass er sich „wie Superman“ fühle, so West. © SAUL LOEB/AFP
First Lady Melania Trump ganz alleine auf dem Sofa,
Im Jahr 2017 machte ein weiteres Bild aus dem Oval Office die Runde. Dort zu sehen: First Lady Melania Trump ganz alleine auf dem Sofa, umringt von Fotografen und Journalisten, die ihr aber keine Beachtung zu schenken scheinen. Das Weiße Haus verbreitete das Foto auf seinen Social-Media-Kanälen ausgerechnet als Geburtstagsgruß an die Ehefrau Donald Trumps. © BRENDAN SMIALOWSKI
Bundeskanzlerin Merkel trifft US-Präsident Trump
Merz-Vorgängerin Angela Merkel hatte gleich mehrere Treffen mit Donald Trump im Weißen Haus. Die Ex-Kanzlerin regierte von 2017 bis 2021 zeitgleich mit Trump. Wie der US-Präsident dabei auf Merkel wirkte, beschrieb sie ausführlich in ihren Memoiren. „Je mehr Menschen im Raum waren, desto größer war sein Drang, der Sieger zu sein. Man kann mit ihm nicht plaudern, jede Begegnung ist ein Wettkampf: Du oder ich“, so die ehemalige Kanzlerin über Trumps Verhalten im Oval Office.  © Evan Vucci/dpa
Angela Merkel und Barack Obama
Ganz anders gestaltete sich dagegen die Beziehung zwischen Angela Merkel und Barack Obama, Donald Trumps Vorgänger im Amt des US-Präsidenten. Merkel besuchte Obama mehrfach im Weißen Haus. Der US-Präsident beschrieb die damalige Bundeskanzlerin nach ihrer Amtszeit als „nett und freundlich.“ © imago
Obama und Merkel im Weißen Haus
Dabei stand die Beziehung der deutschen Bundeskanzlerin und des neuen US-Präsidenten zu Beginn unter einem ungünstigen Stern. Präsidentschaftskandidat Barack Obama wollte im Wahlkampf der US-Wahl 2008 vor dem Brandenburger Tor auftreten. Merkel aber verhinderte den Auftritt des Demokraten, damit nicht der Eindruck entstünde, sie würde sich gegen den Kandidaten der Republikaner, John McCain, stellen. Nach Obamas Wahlsieg soll Merkel befürchtet haben, der neue US-Präsident trage ihr die Entscheidung noch nach. „Sie war immer besorgt, dass ich deshalb noch wütend bin“, sagte Obama bei der Vorstellung von Merkels Memoiren in Washington DC. „Das bin ich aber wirklich nicht“, versicherte er der ehemaligen Kanzlerin. © imago
Obama und Trump im Oval Office
Ein deutlich unangenehmer Termin für Barack Obama dürfte dagegen das Treffen mit Donald Trump im Weißen Haus gewesen sein. Der alte US-Präsident empfing seinen Nachfolger nach dessen Sieg bei der US-Wahl 2016 zur Übergabe der Amtsgeschäfte im Oval Office. © Michael Reynolds/dpa
Merkel und Barroso bei Bush in Washington
Für Friedrich Merz wird der Besuch bei Donald Trump eine Premiere sein. Noch nie war der Bundeskanzler zu Gast im Weißen Haus. Seine Vorgängerin im Amt, Angela Merkel, traf dagegen gleich vier US-Präsidenten in deren Amtssitz. Neben Barack Obama und Donald Trump luden auch Joe Biden und George W. Bush die deutsche Bundeskanzlerin nach Washington DC ein. © dpa
Kanzler Scholz in den USA
Vor Friedrich Merz regierte Olaf Scholz Deutschland als Bundeskanzler. In seiner weniger als vier Jahre dauernden Amtszeit besuchte Scholz gleich mehrfach das Weiße Haus. Donald Trumps Vorgänger Joe Biden empfing den deutschen Bundeskanzler jedes Mal freundlich zum Gespräch im Oval Office. © Michael Kappeler/dpa
Schröder zu Treffen mit Bush im Weißen Haus
Bundeskanzler Gerhard Schröder war ebenfalls Gast im Weißen Haus. Im Jahr 2005 empfing der damalige US-Präsident George W. Bush den Sozialdemokraten im Oval Office.  © dpa
Bush und Kohl im Weißen Haus
Vor Gerhard Schröder reiste Bundeskanzler Helmut Kohl ebenfalls nach Washington DC. Der Altkanzler traf dort George Bush, Vorgänger und Vater des späteren US-Präsideten George W. Bush, zum Gespräch im Oval Office des Weißen Hauses. © imago

Ziel der heiklen Mission ist es, den USA „ein noch attraktiveres Angebot“ zu unterbreiten und die Zollhöhe zu verringern. Was genau der Bundesrat Trump anbieten kann, bleibt aus „verhandlungstaktischen Gründen“ geheim – diskutiert werden höhere Schweizer Investitionen in den USA, Verhandlungen über Medikamentenpreise, der Kauf fossiler Energie oder Zollsenkungen für landwirtschaftliche Produkte. Ob es einen direkten Kontakt zu Trump geben wird und mit welchen US-Stellen verhandelt wird, blieb am Dienstag unklar, schreibt der Schweizer Blick. Der Bundesrat hatte bereits angekündigt, die Gespräche notfalls auch nach dem 7. August fortzusetzen, wenn die Zölle in Kraft treten.

Zoll-Hammer gegen die Schweiz: „Größtes Fiasko“ für Bundespräsidentin – Eklat in Trump-Telefonat

Update vom 5. August, 10.09 Uhr: Die Schweizer Regierung bemüht sich nach der Verhängung von 39-prozentigen US-Strafzöllen durch Donald Trump um neue Verhandlungen. Nach einer Dringlichkeitssitzung am Montag erklärte Bern, man sei bereit, den USA „ein noch attraktiveres Angebot“ zu unterbreiten, das „die Bedenken der USA berücksichtigen“ und „die derzeitige Zollsituation entschärfen“ werde. Die Zölle sollen ab Donnerstag in Kraft treten.

Gleichzeitig wächst die Kritik an Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter. Die Schweizer Medien üben scharfe Kritik an der Bundespräsidentin: Die SonntagsZeitung bewertete die gescheiterten Verhandlungen als ihr „größtes Fiasko“. Noch drastischer formulierte es die Boulevardzeitung Blick, die das Ergebnis als die größte Niederlage der Schweiz seit 1515 einstufte – dem Jahr, in dem das Land eine Schlacht gegen Frankreich verlor.

Erstmeldung: Bern – Die Schweizer Wirtschaft steht vor einem beispiellosen Schock: 39 Prozent Strafzölle auf Exporte in die USA hat Trump für die Schweiz verkündet – eine der härtesten Handelsstrafen weltweit. Nur vier Länder trifft es noch schlimmer. Selbst die bei Trump unbeliebte EU kam mit 15 Prozent deutlich glimpflicher davon. Der Grund für den Schweizer Sonderweg hat offenbar einen Namen: Karin Keller-Sutter.

Was als diplomatischer Triumph geplant war, endete als Eklat. Am 31. Juli um 20 Uhr wollte Bundespräsidentin Keller-Sutter in einem Last-Minute-Telefonat mit Donald Trump die drohenden Trump-Zölle noch abwenden. Doch das 35-minütige Gespräch eskalierte offenbar völlig – zum Nachteil der Eidgenossen.

Trump-Zölle treffen die Schweiz: Keller-Sutter verursacht diplomatischen GAU

Wie der Schweizer Tagesanzeiger unter Berufung auf US-Kreise berichtet, ließ Trump die Bundespräsidentin zunächst zehn Minuten warten. Nach höflichem Geplänkel über den Schweizer Nationalfeiertag und die Geschichte seit 1291 kam ein „eher schlecht gelaunter Trump“ zur Sache. Bei einem Handelsdefizit von 39 Milliarden Dollar seien zehn Prozent Zölle „völlig unzulänglich“, machte er klar.

Was dann folgte, wurde zum diplomatischen GAU. Keller-Sutter versuchte Trump beharrlich zu erklären, wie das Handelsdefizit zwischen beiden Ländern zustande komme. Der US-Präsident reagierte zunehmend ungehalten auf diese Belehrungen, die er als „oberlehrerhaft“ empfand. „Ein 40 Milliarden Dollar Defizit, ein großes Problem“, zitiert der Tagesanzeiger Trump aus dem Gespräch. Anstatt einzulenken, redete Keller-Sutter weiter auf Trump ein. Eine Quelle aus dem Umfeld der Bundespräsidentin berichtet dem Schweizer Blick zudem, dass Keller-Sutter davon ausgegangen sei, die Verhandlungen mit Trump würden auf Basis der seit Jahresbeginn geltenden Vereinbarung über zehnprozentige Zölle geführt.

Trumps Umfeld schickt dringende SMS-Warnung: „Beendet das Gespräch!“

Die Situation eskalierte derart, dass um 20.38 Uhr eine Person aus Trumps Umfeld eine Notfall-SMS an eine Schweizer Staatssekretärin schickte: „Beendet das Gespräch!“ – sonst werde alles nur noch schlimmer.

Keller-Sutter verkündete kurz darauf das Desaster selbst auf X: „Es konnte keine Einigung über die zwischen der Schweiz und den USA verhandelte Absichtserklärung gefunden werden“, schrieb die 61-Jährige. Zwei Stunden später kam die Quittung aus Washington: 39 Prozent Zoll für die Schweiz – eine willkürlich wirkende Zahl, die Trumps Verärgerung widerspiegelte.

Zehntausende Arbeitsplätze in der Schweiz in Gefahr – Notfall-Bundesratssitzung wegen der Trump-Zölle einberufen

Die Auswirkungen sind gravierend. Für Schweizer Firmen sind die USA der wichtigste Handelspartner. 2024 machten US-Exporte über 70 Milliarden Euro aus – 17 Prozent aller Schweizer Ausfuhren. Wirtschaftsexperten warnen vor Zehntausenden gefährdeter Arbeitsplätze. Der Wirtschaftsverband Economiesuisse sprach von „ungerechtfertigten Zöllen“, die „eine sehr ernsthafte Belastung für die Schweizer Wirtschaft“ seien. Konjunkturexperten prognostizieren einen BIP-Rückgang von mindestens 0,7 Prozent.

Der Bundesrat traf sich bereits am Montag zu einer außerordentlichen Krisensitzung. Man will den USA „ein noch attraktiveres Angebot“ unterbreiten, bevor die Zölle am Donnerstag in Kraft treten. Swatch-Chef Nick Hayek forderte Keller-Sutter zu einem raschen Treffen mit Trump auf: „Sie sollte das Flugzeug nehmen und nach Washington fliegen. Das würde die Chancen auf eine Einigung enorm erhöhen.“

Doch die Zeit wird knapp – und das Vertrauen in Keller-Sutters Verhandlungsgeschick ist erschüttert. Dabei hatte sie vor wenigen Wochen der Schweizer Tageszeitung Blick noch stolz erklärt: „Irgendwie habe ich den Zugang zu Trump gefunden.“ Ein Irrtum, wie es scheint.

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