„Herbst der Sozialreformen“

Merz grätscht in Bas‘ Renten-Pläne: Zoff droht im Herbst zu eskalieren

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Merz stellt umfassende Sozialreformen für den Herbst in Aussicht. Doch Union und SPD sind sich immer noch uneins. Spitzt sich der Konflikt weiter zu?

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Deutschen auf einen konfliktreichen Herbst eingestimmt. In seinem ersten ARD-Sommerinterview als Regierungschef kündigte der CDU-Politiker einen „Herbst der Sozialreformen“ an, die bereits nach der Sommerpause beginnen sollen. Dabei stehen insbesondere die Rente und das Bürgergeld im Fokus. Unterdessen hält Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) immer noch an ihren Renten-Plänen fest.

Renten-Reformen kommen im Herbst: Das planen Union und SPD

 „Wir müssen einen leistungsfähigen Sozialstaat behalten“, führte Merz im ARD-Sommerinterview aus. Die Vorbereitungen für die Reformen würden laufen. Es sei verabredet, dass man die verschiedenen Positionen in den anvisierten Arbeitsgruppen in Ruhe erörtere. Schlechte Stimmung? Diese Frage wischte der Bundeskanzler weg. „SPD und Union haben eine normale Arbeitsbeziehung.“ Es sei normal, dass man in einem Regierungsbündnis „Höhen und Tiefen“ erlebe.

Eine dieser Tiefen dürfte die angekündigte Renten-Reform von Arbeitsministerin Bas gewesen sein. „In die Rentenversicherung sollten auch Beamte, Abgeordnete und Selbstständige einzahlen“, sagte sie Mitte Mai den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie argumentiert, dass eine gerechte und tragfähige Rente nur funktioniert, wenn möglichst viele Einkommensgruppen solidarisch einzahlen. Das sei nicht nur eine Frage der finanziellen Zukunftsfähigkeit, sondern auch der Gerechtigkeit.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Merz stemmt sich gegen Renten-Pläne von Bas – „keine Belegstelle im Koalitionsvertrag“

Es dauerte nicht lange, bis der Koalitionspartner, die Union, ihre Pläne in der Luft zerriss. „Frau Bas sollte nicht versuchen, der Renten-Kommission alte SPD-Ideen als zukünftiges Ergebnis vorzuschreiben“, erklärte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann der Bild am Sonntag. Ähnlich äußerte sich CDU-Kanzleramtschef Thorsten Frei in der ARD, er könne „keine Belegstelle im Koalitionsvertrag“ finden. Die von ihr angestrebte Renten-Reform hat demnach keine Chance.

Das hielt Bas aber nicht davon ab, im Gespräch mit dem Stern nochmal zu betonen, dass für sie „perspektivisch ein gemeinsames Versicherungssystem, in das alle Erwerbstätigen einzahlen, eine Frage der Gerechtigkeit“ sei. Rückenwind bekommt die Arbeitsministerin ausgerechnet außerhalb ihrer Regierungskoalition. Obwohl die Sozialverbände „verfassungsrechtliche Probleme“ bei der Umsetzung sehen, sprechen sie sich ebenfalls deutlich für die Initiative von Bas aus.

„Steuerfrei bis zu 2000 Euro hinzuverdienen“: Das erwartet Rentnerinnen und Rentner im Herbst

Droht der Renten-Zoff mit der Ankündigung von Merz nun im Herbst zu eskalieren? Glaubt man den Aussagen der Bundesarbeitsministerin, wird ihre vorgeschlagene Reform fürs Erste vertagt. Gegenüber Stern erklärte Bas, dass „erst mal das Rentenniveau“ stabilisiert werde, „damit alle, die hart arbeiten, auch eine ordentliche Rente bekommen“. Perspektivisch werde nächstes Jahr eine Rentenkommission eingesetzt, die bis Mitte 2027 Vorschläge vorlegen werde.

Wenn es nach Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) geht, sollen künftig auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen. (Montage)

Trotzdem kommen auf Verbraucherinnen und Verbraucher bald erhebliche Änderungen zu. „Das wird ein Herbst der Reformen, unter anderem auf dem Arbeitsmarkt“, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann dem Tagesspiegel. „Wir werden eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit einführen – nicht damit die Menschen mehr, sondern flexibler arbeiten können. Die Aktivrente wird kommen, damit Rentner steuerfrei bis zu 2000 Euro hinzuverdienen können, wenn sie das wollen.“

Zoff in der Merz-Regierung: Kürzungen beim Bürgergeld drohen

Laut Linnemann sei für diesen Herbst auch geplant, „den Missbrauch des Bürgergelds“ zu beenden, „damit es wieder gerechter zugeht“. Zumindest hier scheint die Union auf einer Linie mit der Arbeitsministerin zu sein. Bereits im Interview mit dem Stern sprach Bas von „mafiösen Strukturen, die wir zerschlagen müssen“. Sie warnt davor, dass Menschen mit Scheinjobs nach Deutschland gelockt und gleichzeitig Bürgergeld für sie beantragt werde. Die staatlichen Leistungen fließen dabei oft an Dritte.

Fakt ist: Die angekündigten Reformen werden die politische Landschaft im Herbst prägen. Doch zuvor stellt Merz die SPD mit einer hitzigen Sommerpause auf die Probe. Vor allem in Sachen Bürgergeld gibt es offenbar noch Gesprächsbedarf. Grund dafür sind die geplanten Einschnitte bei den Sozialleistungen, die der Kanzler als „große gesellschaftspolitische Kraftanstrengung“ betitelt. Ob die schwarz-rote Koalition trotz Hürden zusammenhält, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. (cln)

Rubriklistenbild: © Bernd Elmenthaler/Lobeca/Imago

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