Merz-Regierung will Hausbesitzer mit Pflichtversicherung schützen
VonAmy Walker
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Die schwarz-rote Regierung hat im Koalitionsvertrag eine neue Versicherungspflicht vereinbart. Die meisten Deutschen begrüßen diesen Schritt.
Berlin – Mit einer neuen Pflichtversicherung für Hausbesitzer will die neue Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) dem Klimawandel Rechnung tragen. Wie Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart haben, sollen neue Gebäudeversicherungen künftig eine Elementarschutzversicherung haben müssen. Bei bestehenden Verträgen soll die Versicherung um die Elementarversicherung „bis zu einem Stichtag“ erweitert werden.
Deutsche finden Pflichtversicherung für Elementarschäden gut
Die Akzeptanz in der Bevölkerung für eine Pflichtversicherung gegen Hochwasser- und Starkregenschäden in Deutschland ist laut Ifo-Institut größer als angenommen. Rund 39 Prozent befürworten eine verpflichtende Elementarschadenversicherung und 27 Prozent sind dagegen, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Montag (19. Mai) zu einer Umfrage unter mehr als 8000 Haushalten und 639 Unternehmen mitteilte. „Vor allem aus Gründen der Fairness sind viele Haushalte bereit, ein solidarisches Versicherungssystem mitzutragen – selbst dann, wenn sie selbst kaum direkt davon profitieren würden“, sagte Ifo-Expertin Marie-Theres von Schickfus.
Besonders stark fiel der Effekt bei bislang nicht versicherten Haushalten in Gebieten aus, in denen das Risiko von Überflutungen gering ist. Hier zeigte sich dem Ifo zufolge eine neue Haltung der Bevölkerung: Eine allgemeine Pflichtversicherung wurde als fairer und gesellschaftlich kosteneffizienter empfunden als staatliche Ad-hoc-Hilfen. „Die Bevölkerung erkennt zunehmend, dass eine privatwirtschaftlich organisierte Pflichtversicherung nicht nur ökonomisch effizienter, sondern auch gerechter ist“, erklärte von Schickfus. „Das eröffnet Handlungsspielraum für eine politische Neuordnung der Katastrophenvorsorge.“
Neue Versicherung für alle Hausbesitzer: Kosten aktuell zwischen 300 und 1300 Euro im Jahr
Die Kosten einer solchen Versicherung variieren aktuell, je nachdem, wie hoch das Risiko in der Gegend des Hauses eingeschätzt wird. Finanztip hat Anfang des Jahres daher die Kosten in 16 unterschiedlichen Standorten in Deutschland geprüft und die Versicherungen verglichen. Demnach variieren die Kosten zwischen 300 und 1300 Euro im Jahr für ein Einfamilienhaus à 150 Quadratmeter. Dabei haben neben dem Standort, die Größe des Hauses und dem Baujahr auch Punkte wie Qualität der Ausstattung und besondere Merkmale wie Swimmingpool oder Wärmepumpe eine Rolle gespielt.
Das Thema erregte neue Aufmerksamkeit durch die Ahrtal-Katastrophe im Jahr 2021 und erneut durch die Überflutungen in Süddeutschland im Sommer 2024. Danach hat der Bundesrat eine solche Pflichtversicherung gefordert. Die Länderkammer schrieb in ihrem Beschluss: „99 Prozent der Immobilien in Deutschland verfügen über eine Wohngebäudeversicherung, aber nicht einmal die Hälfte ist auch gegen Elementarschäden versichert. Dies liegt insbesondere an den kostenintensiven Versicherungsprämien in Gebieten mit höherem Risiko“.
Flutkatastrophe im Ahrtal richtete Milliardenschäden an – viele Menschen waren nicht versichert
Die Flutkatastrophe von 2021 im Ahrtal richtete dem Ifo zufolge Schäden von über 40 Milliarden Euro an – nur etwa die Hälfte der Wohngebäude war damals versichert. Dies zeige, wie lückenhaft die finanzielle Vorsorge für klimabedingte Schäden bisher war. „In Zeiten wachsender Extremwetterrisiken könnte ein verpflichtendes Versicherungssystem ein sinnvoller Schritt hin zu einem vorsorgenden Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels sein und staatliche Haushalte entlasten“, sagte Karen Pittel, Leiterin des Ifo-Zentrums Energie, Klima und Ressourcen. Eine stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken bei Investitionsentscheidungen setze aber voraus, „lokale Risiken in den Versicherungsprämien adäquat einzupreisen“.
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Eine Absicherung gegen Hochwasser- und Starkregen-Schäden soll laut Koalitionsvertrag von Union und SPD in die Gebäudeversicherung integriert werden. Neue Policen sollen nur noch mit der Elementarschaden-Deckung angeboten werden, bestehende Verträge für Wohngebäude werden demnach zu einem bestimmten Stichtag entsprechend umgestellt. Die Versicherer plädieren vor allem für eine wirksame Prävention gegen Elementarschäden, etwa gegen Hochwasser. (wal mit Reuters)