VonAmy Walkerschließen
Die Koalitionspartner haben sich geeinigt. Union und SPD planen, eine neue Pflichtversicherung für Hausbesitzer einzuführen.
Update vom 9. April. 15:40 Uhr: Die neue Koalition von Union und SPD steht. Die beiden Parteien haben sich auf einen umfangreichen Koalitionsvertrag geeinigt. Auch für Hausbesitzer sollen einige neuen Regelungen kommen. So soll die verpflichtende Elementarschutzversicherung eingeführt werden.
„Wir führen ein, dass im Neugeschäft die Wohngebäudeversicherung nur noch mit Elementarschadenabsicherung angeboten wird, und im Bestandsgeschäft sämtliche Wohngebäudeversicherungen zu einem Stichtag um eine Elementarschadenversicherung erweitert werden“, heißt es im Koalitionsvertrag. Es soll ein Opt-Out-Modell geben und die Versicherung soll reguliert werden.
Union und SPD wollen Hausbesitzer zu neuer Versicherung zwingen – Immer mehr Hochwasser und Starkregenereignisse
Erstmeldung vom 5. April 2025: Berlin – Während CDU, CSU und SPD sich weiter über Steuern, Rente und Migration streiten, gibt es einige Punkte, in denen sich die Koalitionäre in spe schon einig sind. So wollen Union und SPD eine Pflicht zur Aufnahme einer Elementarversicherung für Hauseigentümer einführen. Damit soll der steigenden Gefahr vor Umweltkatastrophen durch den Klimawandel Rechnung getragen werden. Der Bundesrat hatte erst im Sommer 2024 eine solche Pflichtversicherung gefordert.
Der Bundesrat reagierte damals auf die Hochwasser in Bayern im Sommer 2024, die erneut durch Stark- und Dauerregen ausgelöst wurden. Die Länderkammer schrieb in ihrem Beschluss: „99 Prozent der Immobilien in Deutschland verfügen über eine Wohngebäudeversicherung, aber nicht einmal die Hälfte ist auch gegen Elementarschäden versichert. Dies liegt insbesondere an den kostenintensiven Versicherungsprämien in Gebieten mit höherem Risiko“. Die Bundesregierung solle daher ein Gesetz zur Einführung einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden auf den Weg bringen.
Seit der Ahrtal-Katastrophe im Juli 2021, bei der 9000 Häuser durch die Fluten zerstört wurden, tobt eine Diskussion um die Elementarversicherung. Viele Betroffene waren damals nicht versichert und haben alles verloren. 2023 äußerte sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) skeptisch zu solchen Vorschlägen. Zum SWR sagte Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV: „Eine Pflichtversicherung löst kein einziges Problem, sie verhindert keinen Schaden.“ In den kommenden Jahren könnten sich die Kosten für diese Versicherungen verdoppeln.
Was kostet eine Elementarversicherung? Es kommt alles auf den Standort an
Doch was kostet aktuell eine Elementarschutzversicherung für ein Einfamilienhaus? Das kommt natürlich auf die Lage an und ob das Risiko für Überschwemmungen besonders hoch ist. Finanztip hat Anfang des Jahres daher die Kosten in 16 unterschiedlichen Standorten in Deutschland geprüft und die Versicherungen verglichen. Demnach variieren die Kosten zwischen 300 und 1300 Euro im Jahr für ein Einfamilienhaus à 150 Quadratmeter. Dabei haben neben dem Standort, die Größe des Hauses und dem Baujahr auch Punkte wie Qualität der Ausstattung und besondere Merkmale wie Swimmingpool oder Wärmepumpe eine Rolle gespielt.
Hochwasser in Bayern: Bilder zeigen Ausmaß der Wassermassen




Entscheidend für die Versicherung ist die Risikoklasse, in der das Gebäude eingeteilt wird. Dazu wird das ZÜRS Geo (Zonierungssystem für Überschwemmungsrisiko und Einschätzung von Umweltrisiken) herangezogen. Dort werden Gebäude in vier Gefährdungsklassen eingeteilt:
- GK 1: Nicht von Hochwasser betroffen nach aktueller Datenlage
- GK 2: Hochwasser kommt seltener als einmal alle 100 Jahre vor
- GK 3: Hochwasser kommt einmal alle 10 bis 100 Jahre vor
- GK 4: Hochwasser kommt mindestens alle 10 Jahre vor
Nach Angaben des GDV befinden sich die allermeisten Gebäude in GK 1, gefolgt von GK 2. In den meisten Fällen würde die Elementarversicherung also eher niedrig ausfallen.
Gefahr durch Starkregen spielt bei der Versicherung gegen Elementarschäden eine Rolle
Darüber hinaus wird noch die Starkregengefahr gesondert analysiert. Auch hier gibt es drei Klassen:
- SKG 1: Gebäude liegt auf einer Höhe oder an einem Hang
- SKG 2: Gebäude liegt auf einer Ebene oder an einem unteren Bereich eines Hangs
- SKG 3: Gebäude liegt im Tal oder in der Nähe eines Bachs
Hier ist die Gefahr größer, dem GDV zufolge befinden sich 65 Prozent aller Gebäude in SKG 2 und wären von einem Starkregenereignis betroffen. Das könnte für viele Hauseigentümer die Elementarversicherung etwas teurer machen.
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